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Windows Live® Suchergebnisse DelphineEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Artengruppen; Verhalten und Fortpflanzung; Gefährdung durch den Menschen; Systematische Einordnung
Delphine, Familie der Zahnwale aus der Ordnung der Wale. Die Familie umfasst vier Unterfamilien mit insgesamt mehr als 30 Arten und ist eng mit den Schweinswalen verwandt. Delphine sind vorwiegend meerbewohnende Säugetiere und gewandte, kraftvolle Schwimmer. Sie haben eine schnabelartige Schnauze mit kegelförmigen Zähnen und meist eine deutliche Rückenflosse. Ihre Gesamtlänge liegt zwischen einem und neun Metern. Delphine ernähren sich vorwiegend von Fischen und Tintenschnecken; sie nehmen täglich etwa ein Drittel ihres Körpergewichts an Nahrung zu sich. Delphine atmen wie andere Wale durch eine nach hinten verlagerte Atemöffnung, die sich oben auf ihrem Kopf befindet. Beim Schwimmen tauchen sie zum Luftholen etwa alle zwei Minuten auf. Die Fortbewegung erfolgt wie bei anderen Meeressäugern durch Schlagen der geteilten Schwanzflosse. Die anderen Flossen dienen der Stabilisierung. Delphine besitzen einen stromlinienförmigen Körperbau und können über längere Zeit mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde schwimmen und kurzzeitig auf über 40 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Das Blutgefäßsystem und die Lungen weisen spezielle Anpassungen an das Tauchen auf, wodurch rasch wechselnde Druckverhältnisse kompensiert werden können. Das ermöglicht Delphinen, über 300 Meter tief zu tauchen.
Unabhängig von der systematischen Einordnung werden auch alle kleineren Arten von Zahnwalen als Delphine bezeichnet; die größeren Arten nennt man Wale. Die meisten und bekanntesten Delphine gehören zur Unterfamilie der Eigentlichen Delphine. Die häufigste Art der Delphine ist der drei bis vier Meter lange und bis 350 Kilogramm schwere, grau gefärbte Große Tümmler, der oft in Delphinarien gehalten wird und in allen Ozeanen und europäischen Meeren vorkommt. Sein Gesamtbestand wird auf etwa fünf Millionen Tiere geschätzt. Er ernährt sich von Fischen, Krebstieren und anderen Wirbellosen. Der Gewöhnliche Delphin ist ebenfalls weltweit in allen warmen und gemäßigten Meeren verbreitet und die häufigste Art im Mittelmeer; er findet sich auch auf Abbildungen aus dem antiken Rom und Griechenland. Dieser Delphin erreicht eine Länge von etwa zwei Metern und wiegt ungefähr 100 Kilogramm. Er ist an seiner deutlich abgesetzten, schmalen Schnauze zu erkennen. Der Gewöhnliche Delphin ernährt sich von Fischen, Garnelen und Tintenschnecken. Das Weibchen bringt nach einer Tragzeit von zehn bis elf Monaten ein Junges zur Welt, das ein Jahr gesäugt wird. Die Jungen werden im Alter von etwa vier Jahren geschlechtsreif; Delphine dieser Art können ungefähr 20 Jahre alt werden. Der Bestand des Gewöhnlichen Delphins im östlichen Pazifik wird auf 1,5 Millionen Tiere geschätzt. Er bildet zum Teil große Schulen, die gelegentlich Schiffe begleiten. Die Schwertwale und Grindwale bilden ebenfalls eine Unterfamilie der Delphine. Der vorwiegend schwarzweiß gefärbte Schwertwal oder Orca ist mit einer Körperlänge von bis zu neun Metern und einem Maximalgewicht von 7 000 Kilogramm der größte Delphin. Er ernährt sich neben Fischen auch von Meeresvögeln, Robben und anderen Walen. Zu dieser Unterfamilie gehört auch der erst 2005 wissenschaftlich beschriebene, vor Nordostaustralien lebende Stumpfflossen-Delphin. Die Unterfamilie der Glattdelphine ist durch das Fehlen einer Rückenfinne gekennzeichnet. Delphine aus der Unterfamilie Schwarz-Weiß-Delphine sind auffällig gezeichnet und ernähren sich als Kaltwasserbewohner der Südhalbkugel von Tintenschnecken und Krebstieren. Eine eigenständige Gruppe von Zahnwalen bilden die Flussdelphine, zu denen der etwa 2,5 Meter lange Gangesdelphin gehört, der mit zwei Unterarten im Ganges und Indus lebt. Die Größe seines Bestandes wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf allenfalls wenige tausend Tiere geschätzt. Aufgrund von Wasserverschmutzung, Bejagung und Trennung der Populationen durch Staustufen und Dämme nimmt die Zahl dieser Delphine dramatisch ab. Der im Jangtsekiang lebende, bis zu zweieinhalb Meter großen Jangtse-Delphin (auch Chinesischer Flussdelphin oder Baiji), der ebenfalls durch die Verschmutzung seines Lebensraumes und durch Bauwerke wie den Drei-Schluchten-Staudamm, aber auch durch Motorboote und Fischernetze gefährdet ist, wurde im September 2004 zum letzen Mal mit Sicherheit beobachtet. Nachdem bei einer Ende 2006 durchgeführten umfangreichen Suche kein einziges Exemplar entdeckt werden konnte, ging man davon aus, dass diese Spezies entweder ausgestorben oder in ihrem Bestand soweit dezimiert ist, dass eine Bestandserholung nicht möglich ist.
Da Delphine sehr schnell schwimmen, können sie ihre Beute leicht einholen. Delphine folgen Fischschwärmen in Gruppen (Schulen) unterschiedlicher Größe. Manche Arten, beispielsweise der Weißstreifendelphin des Pazifik, bilden Schulen, deren Größe auf Zehntausende von Tieren geschätzt wird. Weniger gesellige Arten wie der Große Tümmler bilden kleine Trupps aus wenigen Tieren. Delphine besitzen durch die Sonarortung eine der erstaunlichsten Sinnesleistungen im Tierreich. Zur Orientierung senden sie hochfrequente Ortungslaute aus, die vom Menschen als Klicklaute wahrgenommen werden können. Die Klicklaute werden wahrscheinlich im Bereich des oberen Nasenganges erzeugt und von einem ölgefüllten Organ, das direkt unter der Atemöffnung liegt, rund 300-mal pro Sekunde ausgestoßen. Die Echos werden im hinteren Bereich des Unterkiefers empfangen und ins Mittelohr geleitet. Dieses Echolotsystem ist dem der Fledermäuse ähnlich. Es ermöglicht Delphinen, zwischen Artgenossen und größeren Objekten zu unterscheiden, Hindernisse zu umgehen und sogar Fischarten, Tintenschnecken und kleine Garnelen zu orten. Delphine rufen genau in der Tonhöhe, für die Heringsfische besonders sensibel sind. Delphinlaute können daher offensichtlich den Hörapparat der Fische schädigen, so dass diese orientierungslos werden und leicht zu erbeuten sind. Daneben verfügen Delphine über weitere Lautäußerungen, die der innerartlichen Kommunikation dienen. Vom Großen Tümmler sind mehrere Dutzend unterschiedliche Laute bekannt. Das Gehirn der Delphine ist weniger hoch entwickelt als man früher annahm. Zwar sind in Delphinarien gehaltene Delphine recht lernfähig und beherrschen schon nach kurzer Übungszeit akrobatische Kunststücke. Ihre relativ zellarme Hirnrinde ist jedoch wenig differenziert und einfacher gebaut als die landbewohnender Säugetiere. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass Delphine – ebenso wie Menschenaffen – ihr Spiegelbild identifizieren können: Man markierte Versuchstiere mit einem Farbklecks, woraufhin sich diese beim Betrachten ihres Spiegelbildes so drehten, dass sie den Klecks erkennen konnten. Nach Ansicht der Forscher kann man daraus die Existenz eines Ich-Bewusstseins der Delphine ableiten (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2001). Die Weibchen des Großen Tümmlers, der am besten untersuchten Art, werden mit fünf bis zwölf Jahren geschlechtsreif, die Männchen mit 9 bis 13 Jahren. Die Paarung findet im Frühjahr statt; nach einer Tragzeit von elf bis zwölf Monaten wird ein einzelnes Kalb geboren. Die Neugeborenen können wenige Minuten nach der Geburt schwimmen und atmen; sie werden etwa 18 Monate gesäugt. Sie folgen der Mutter im Abstand von zumeist etwa 10 bis 30 Zentimetern, wobei sie den von der Mutter erzeugten Sog nutzen, der den Wasserwiderstand erheblich verringert. Die Jungen lernen von ihren Müttern offenbar auch neu erworbene Verhaltensweisen: Vor der westaustralischen Küste wurden Große Tümmler beobachtet, die ihr Maul bei der Nahrungssuche am Boden mit einem Schwamm – offenbar gegen Seeigelstacheln – schützen. Dieses wahrscheinlich vor längerer Zeit von einem Weibchen erfundene Schutzverhalten wird vermutlich innerhalb einer Verwandtschaftsgruppe von Generation zu Generation weitergegeben (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2005).
Früher wurden Delphine vor allem wegen der kleinen Mengen wertvollen Öles gejagt, das man aus Teilen des Kopfes gewann; es wurde als Schmieröl für empfindliche Uhrmechanismen eingesetzt. Heute verfangen sich Delphine oft in Netzen, die zum Thunfischfang ausgelegt wurden und ertrinken dann; allein zwischen 1959 und 1972 starben schätzungsweise 4,8 Millionen Delphine in Thunfischnetzen. Unter dem Druck von Tierschützern und Verbrauchern weigern sich heute viele Thunfischfabrikanten, Lieferungen von Fischereiflotten anzunehmen, die ihre Fangmethoden nicht zum Schutz der Delphine umgestellt haben. Bei einer 1998 in Kalifornien durchgeführten Tagung einigten sich zwölf Fischfangnationen (u. a. die USA, Kolumbien, Mexiko, Spanien und Frankreich) darauf, den Schutz der Delphine im tropischen Ostpazifik konsequenter durchzusetzen. So müssen Fischer beim Thunfischfang mitgefangene Delphine wieder aus den Netzen ins offene Wasser treiben; dies war bereits 1995 anlässlich der so genannten Panamá-Deklaration vereinbart worden. Die Zahl der getöteten Delphine soll auf diese Weise drastisch reduziert werden. Viele Fischer sehen Delphine jedoch als Konkurrenten an. So wurden an französischen Küsten vor einigen Jahren Hunderte toter Delphine angeschwemmt, die offenbar von Fischern getötet worden waren. Ebenso wie andere Wale stranden Delphingruppen aber auch hin und wieder, wenn sie in seichte Küstengewässer geraten. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine berichtete 2003, in Japan würden jährlich Hunderte von Delphinen auf tierquälerische Weise getötet: Die Tiere würden durch Unterwasserkanonen in seichte Küstengewässer getrieben, wo Fischer sie mit Harpunen und Eisenstangen verletzten und durch Aufschneiden der Halsschlagader verbluten ließen. Um auf die Bedrohung dieser Meeressäuger aufmerksam zu machen, erklärten die Vereinten Nationen das Jahr 2007 zum „Jahr des Delphins”. Siehe Delphinarium
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