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Windows Live® Suchergebnisse NeophytenEnzyklopädieartikel
Neophyten (griechisch neos: neu; phytos: Pflanze), Pflanzenarten, die in kulturgeschichtlich jüngerer Zeit (etwa seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus) vom Menschen in Gebiete eingeführt oder unbeabsichtigt eingeschleppt wurden, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Mit Beginn des Zeitalters der Ozeanüberquerungen und Transkontinentalreisen erhielten Pflanzen wie Tiere die Möglichkeit, mit Hilfe des Menschen rasch neue Areale zu besiedeln und sich dort als so genannte Neophyten (bzw. Tiere als Neozoen) auszubreiten. Spanische und englische Seefahrer brachten im 16. Jahrhundert aus Amerika Kulturpflanzen wie Kartoffel, Mais, Tomate, Paprika und Tabak nach Europa, auch Kakao und Maniok wurden erst um diese Zeit aus Südamerika in die übrigen Tropen eingeführt. Auf dem umgekehrten Weg fanden Zitrusfrüchte, Zuckerrohr, Weizen oder Sojabohnen den Weg nach Amerika. Mit Schiffen wurden als „blinde Passagiere” häufig aber auch Pflanzenarten transportiert, die sich in ihren neuen Biotopen teilweise explosionsartig ausbreiteten und andere Arten aus dem einheimischen Ökosystem verdrängten. Prädestiniert für eine erfolgreiche Kolonisierung sind Pflanzen mit leichten, unspezialisierten Samen, die in großer Zahl und rascher Folge produziert werden und verschieden lange Phasen der Keimruhe durchmachen; außerdem erhöhen eine ausgeprägte Toleranz gegenüber verschiedenen Bodenarten und die Fähigkeit zur vegetativen Ausbreitung die Chancen einer Etablierung. In Deutschland gab es 2002 nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz knapp 1 000 höhere Pflanzenarten, die als Neophyten eingestuft werden. Zu den prominenteren zählt das Drüsige (oder Indische) Springkraut, dessen flächendeckende, gelegentlich übermannshohe Bestände in vielen feuchten Waldgebieten und Flussauen wachsen und dort häufig jeglichen anderen Bewuchs unterdrücken. Der Erfolg dieser Spezies beruht offenbar insbesondere auf der ausgiebigen Nektarproduktion der Blüten. Dadurch werden bestäubende Bienen und Hummeln von anderen Pflanzen fortgelockt (Nature, 2001). An ähnlichen Standorten wie das Drüsige Springkraut kommt der giftige Riesen-Bärenklau vor, der ursprünglich von Imkern als Weidepflanze für Bienen aus dem Kaukasus eingeführt wurde. Auch der Japanische Staudenknöterich dient als Nektarquelle und profitiert bei seiner Ausbreitung von der vegetativen Vermehrung mittels eines Rhizoms. Die Kanadische Goldrute ist an Bahndämmen, Fernstraßen und Flughäfen weit verbreitet; die Nähe zu menschlichen Transportmitteln sowie der beständige Wind an diesen Standorten ermöglichen eine optimale Verbreitung der federleichten Samen. Neophyten profitieren in ihrer neuen Heimat auch davon, dass sie dort weniger Krankheitserregern ausgesetzt sind. So hemmen Mikroorganismen im Boden das Wachstum der Flockenblumenart Centaurea maculosa in ihrer europäischen Heimat, nicht jedoch in Nordamerika, wo sie sich zu einem Unkraut entwickelte (Nature, 2004). In manchen Fällen sind allerdings Gegenreaktionen des Ökosystems auf einen stark wuchernden Neophyten feststellbar. Die Kanadische Wasserpest hat seit dem 19. Jahrhundert von Nordamerika aus zahlreiche Süßgewässer in aller Welt kolonisiert; auch hier beruhte der Erfolg der invasiven Art auf der Fähigkeit (der weiblichen Pflanzen) zur raschen vegetativen Vermehrung. In den letzten Jahrzehnten führte jedoch der Befall durch einen Fadenwurm, der insbesondere die Wachstumspunkte der Pflanzen angriff, vielerorts zu einem Rückgang der Wasserpestbestände.
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