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Gliedertiere

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HundertfüßerHundertfüßer

Gliedertiere, systematische Großgruppe von mehreren Tierstämmen der Wirbellosen.

Der von Georges Cuvier 1817 eingeführte Begriff wird heute nur noch selten verwendet, Cuvier fasste damit die Stämme Ringelwürmer und Gliederfüßer (Arthropoden) zusammen. Der überwiegende Anteil aller heute bekannten Tierarten, nämlich über 80 Prozent, kann systematisch als Gliedertiere eingeordnet werden. Die klare Mehrzahl darunter macht die Klasse der Insekten mit ihren mindestens eine Million Arten aus, die zum Stamm der Gliederfüßer gehört. Die Zusammenfassung mit den Ringelwürmern (Anneliden), die immerhin etwa 17 000 Arten umfassen, beruht in erster Linie auf der Segmentierung des Körpers beider Gruppen. Man vermutet, dass sich gemeinsame Vorfahren aller heutigen Gliedertiere in der etwa 600 Millionen Jahre alten Ediacara-Fauna befanden.

Bei ursprünglichen Tieren sah jedes der oft zahlreichen Körpersegmente gleich aus, mit Ausnahme des Kopf- und des Schwanzabschnitts; alle waren mit je einem Paar Extremitäten, Ganglien (Nervenzentren), Geschlechtsorganen und Nephridien (primitiven Ausscheidungsorganen) bestückt. Im Lauf der Evolution entwickelten sich vielfach so genannte Tagmata, funktionelle Verschmelzungen mehrerer Segmente mit teilweiser Reduktion oder Umbildung der gleichartigen Merkmale; bei den Insekten beispielsweise gliedert sich der Körper in Kopf, Thorax und Abdomen, aus den vorderen Extremitäten entstanden Fühler (Antennen) und Mundwerkzeuge. Ganglienpaare rückten zu einem Komplexgehirn zusammen, und das Coelom (siehe Tiere: Körperbau) sowie die Blutgefäße bildeten sich fast vollständig zurück.

Die Gliedertiere umfassen insgesamt fünf Stämme, von denen drei nur wenige Arten mit kleinen, unauffälligen Tieren enthalten. Zungenwürmer stellen eine Gruppe von kaum 100 Arten dar, die sämtlich als Parasiten an höheren Wirbeltieren leben. Die maximal 15 Zentimeter langen, zungenförmigen Tiere werden vor allem aufgrund der Entwicklung ihrer Larven, mit zahlreichen sich häutenden Stadien, in verwandtschaftliche Nähe zu ursprünglichen Gliederfüßern gerückt.

Die etwa 300 Arten der Bärtierchen leben im Meeressand oder im Moos und Laub terrestrischer Ökosysteme; ihr Körper, der wie ein mikroskopisch kleines Gummibärchen mit acht Stummelbeinen aussieht, wird wie bei den Gliederfüßern von einer chitinreichen Cuticula umhüllt und enthält ein Strickleiternervensystem.

Der Stamm der Stummelfüßer mit ungefähr 100, in der Südhemisphäre weit verbreiteten Arten steht bezüglich des Körperbaus zwischen Ringelwürmern und Gliederfüßern, weist jedoch auch eigene, abgeleitete Merkmale auf. Die bis zu 20 Zentimeter langen Vertreter ähneln äußerlich Tausendfüßern, besitzen aber keine gegliederten Extremitäten; u. a. teilen sie mit den Anneliden ein hydrostatisches Skelett mit einem kräftigen Hautmuskelschlauch, wie die Arthropoden haben sie aber auch eine chitinreiche Cuticula, Röhrentracheen als Atmungsorgane und Schlauchherzen.

Systematische Einordnung: Gliedertiere werden wissenschaftlich als Articulata bezeichnet. Ringelwürmer heißen Annelida, Gliederfüßer Arthropoda, Zungenwürmer Pentastomida, Bärtierchen Tardigrada und Stummelfüßer Onychophora.

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