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Windows Live® Suchergebnisse Andreas HermesEnzyklopädieartikel
Andreas Hermes (1878-1964), deutscher Politiker (Zentrum/CDU) und Volkswirtschaftler. Andreas Hermes wurde am 16. Juli 1878 in Köln geboren. Ab 1896 studierte er in Bonn, Jena und Berlin Agrarwissenschaften und Philosophie und promovierte 1905 zum Dr. phil. Schon während seines Studiums unternahm er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Berlin ausgedehnte Forschungsreisen durch Europa und Lateinamerika. Von 1911 bis 1914 war er Leiter der deutschen Abteilung des Internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges kehrte er nach Deutschland zurück und war in der Folgezeit als Fachberater in der deutschen Ernährungswirtschaft tätig. 1919 wurde der parteilose Hermes Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium; im Jahr darauf trat er der Zentrumspartei bei. Ebenfalls 1920 wurde er Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, und 1922/23 war er Reichsfinanzminister. 1924 wurde Hermes für die Zentrumspartei Mitglied des preußischen Landtags und 1928 Abgeordneter im Reichstag. 1929 war Hermes maßgeblich beteiligt am Zusammenschluss der wichtigsten deutschen Landwirtschaftsverbände zur „Grünen Front”, als deren Präsident er bis 1933 fungierte. Im März 1933, noch vor dem Ermächtigungsgesetz, legte Hermes aus Protest gegen die nationalsozialistische Machtergreifung all seine öffentlichen Ämter nieder. Im Gegenzug wurde er vom NS-Regime wegen angeblicher Untreue verurteilt, anschließend aber wieder amnestiert, was er jedoch juristisch anfocht und sich öffentlich gegen das NS-Regime wandte. 1936 emigrierte Hermes nach Kolumbien und versuchte dort bis 1939 ein landwirtschaftliches Genossenschaftswesen nach Raiffeisen-Prinzipien aufzubauen. Im August 1939 kehrte er nach Deutschland zurück, um seine Familie ins Exil nachzuholen; jedoch verhinderte der Ausbruch des 2. Weltkrieges eine neuerliche Ausreise. Von 1941 bis 1944 gehörte Hermes zu den Widerstandskreisen um Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck und war an den Vorbereitungen zum Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 beteiligt. Am 11. Januar 1945 wurde er wegen seiner Beteiligung an dem Attentat zum Tod verurteilt; lediglich die deutsche Kapitulation verhinderte die Hinrichtung. Im Mai 1945 wurde Hermes vom sowjetischen Stadtkommandanten von Berlin zum Leiter des Ernährungswesens der Stadt ernannt, und er wurde einer der vier stellvertretenden Bürgermeister von Berlin. Zusammen mit anderen ehemaligen Zentrumspolitikern wie Jakob Kaiser bereitete Hermes die Gründung der CDU in Berlin und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) vor, die er selbst „Demokratische Union” nennen wollte, um eine klerikale Orientierung zu vermeiden. Ab Mai 1945 war Hermes CDU-Vorsitzender in Berlin und der SBZ. Als Exponent eines christlichen Sozialismus trat er einerseits für die Vergesellschaftung der Bodenschätze, andererseits für die Beibehaltung des Privateigentums ein und kritisierte die entschädigungslose Enteignung im Rahmen der Bodenreform in der SBZ. Dies führte im Dezember 1945 zu seinem Ausschluss aus dem Parteivorstand der Ost-CDU und 1946 zu seiner Übersiedlung nach Bonn und seinem Beitritt zur West-CDU. Von 1947 bis 1949 war Hermes Mitglied des Wirtschaftsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (siehe Bizone), von 1947 bis 1954 Präsident des Deutschen Bauernverbandes und von 1947 bis 1961 Präsident des Raiffeisenverbandes. Anfang 1949 gründete er den Godesberger Kreis und 1950 die Gesellschaft für die Wiedervereinigung Deutschlands. In all diesen Jahren stand er der Wirtschafts- und Deutschlandpolitik Konrad Adenauers kritisch gegenüber. Die stärkere sozialpolitische Ausrichtung der CDU im Ahlener Programm von 1947, die Adenauers Vorstellungen zuwider lief, war maßgeblich sein Werk. Und in der Deutschlandpolitik setzte er sich, ebenfalls in Widerspruch zu Adenauer, vehement für die Wiedervereinigung und eine Verbesserung der Beziehungen zu Osteuropa ein, womit er sich allerdings innerhalb der CDU in Zeiten des Kalten Krieges zunehmend isolierte. Ab 1954 fungierte Hermes als Präsident des Verbandes der europäischen Landwirtschaft, bis er 1958 aus Altersgründen nahezu alle seine Ämter niederlegen musste. Er starb am 4. Januar 1964 in Krälingen (Eifel).
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