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Sandlückenfauna

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Ringelwurm-KetteRingelwurm-Kette

Sandlückenfauna, die Gesamtheit der Kleintiere im Sandboden von Meeren oder Süßgewässern.

Die Lebensgemeinschaft des Sandlückensystems wurde in den Jahren um 1920 von dem Kieler Zoologen Adolf Remane beschrieben; er gab ihr den Namen Mesopsammon (griechisch mesos: Mitte; psammos: Sand). Heute gebräuchlichere Fachausdrücke lauten interstitielle Fauna (lateinisch interstitium: Zwischenraum) oder Meiofauna (griechisch meios: kleiner); Letztere umfasst auch diejenigen Klein- und Kleinsttiere, die an der Küste in Felsspalten oder auf Algen leben. Die Kapillarität des Wassers sorgt dafür, dass zwischen Sandkörnern wassergefüllte Zwischenräume liegen, in denen Leben möglich ist. Das Sandlückensystem beherbergt ein unterschiedliches Spektrum an Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen – abhängig ist dies u. a. von Wassertiefe, Dauer des Trockenfallens und Stärke der Brandung. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Korngröße des Sandes, die den Wasser- und Sauerstoffgehalt des Bodens beeinflusst: Je größer die Körner, desto tiefer die sauerstoffhaltige Schicht. Die Tiere finden in diesem Lebensraum vielfältige Nahrung, zersetzen tote organische Materie oder suchen Unterschlupf vor Strömung und Flut.

Die Sandlückenfauna ist eine der formenreichsten Tiergemeinschaften überhaupt; auf Sylt entdeckte man etwa 800 Arten – vergleichbar einem artenreichen Mischwald in Europa. Aus der Mehrzahl der Tierstämme finden sich hier Vertreter, die alle Teil eines hochkomplizierten Nahrungsnetzes sind. Die meisten Arten sind kleiner als ein Millimeter und haben als Anpassung einen relativ länglichen Körper sowie häufig Haare oder Haftorgane. Den größten Anteil nehmen neben den einzelligen Protozoen (vor allem Geißeltierchen, Wimpertierchen und Wurzelfüßer) Gliederfüßer, Würmer und Mollusken ein, insbesondere Kleinkrebse, Polychaeten (siehe Ringelwürmer) und Nemathelminthen. Auch Insektenlarven leben teilweise über einen halben Meter tief im Boden, und sogar die Larven mancher Fische verbringen die erste Zeit nach dem Schlüpfen (solange sie sich noch von ihrem Dottersack ernähren) oft im flachen Sand.

Im weiteren Sinne bezeichnet man als Sandlückenfauna auch die Tierwelt terrestrischer (an Land befindlicher) Sandböden. Ein solcher Boden weist in der Regel kleinere Lücken zwischen den Sandkörnern auf als die regelmäßig durchfluteten Böden in und an Gewässern. Die Fauna ist dort anders zusammengesetzt und besteht hauptsächlich aus Milben, Springschwänzen, Bärtierchen und Schnurwürmern.

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