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Windows Live® Suchergebnisse Hüte und MützenEnzyklopädieartikel
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Hüte und Mützen, Kleidungsstücke, die den Kopf bedecken. Dieser Artikel befasst sich mit Hüten und Mützen im europäischen Kulturraum.
Hüte bestehen im einfachsten Fall aus einem Kopfteil und einer Krempe, sind aber zumeist auch noch mehr oder weniger verziert. Als Materialien sind vor allem Naturstoffe wie Filz, Seide, Samt, Fell, Leder oder Stroh verbreitet, seit dem 20. Jahrhundert haben sich auch Kunststoffe durchgesetzt. Der Reichtum an historischen Schmuckformen und -materialien ist nahezu unüberschaubar. Mützen sind aus einem Stück gearbeitet und aus einfacheren Materialien (Wolle, Filz, Fell, Fleece) hergestellt. Andere Kopfbedeckungen sind beispielsweise Kappen, Kopftücher und Perücken. Helme sind hart und sollen den Kopf vor Verletzungen schützen. Aus dem Altertum sind mannigfaltige Hutformen bekannt: Kyne, Petasos, Pilos, Tholia u. a. Kopfbedeckungen des europäischen Mittelalters waren die Gugel, das Schapel, die Sendelbinde, und in diskriminierender Funktion der spitze Judenhut. Zu den bekanntesten neuzeitlichen Kopfbedeckungen zählen das Barett, der Zwei- und der Dreispitz, die Haube, der Strohhut, der Zylinder sowie der in zahlreichen Formen und Varianten verbreitete Filzhut (in weicher Form als der seit dem späten 19. Jahrhundert weit verbreitete Herrenhut in seinerseits zahlreichen Varianten und Sonderformen, ferner als Schlapphut, Trachtenhut usw., in steifer Form als Bowler oder Melone). Daneben warten die europäischen Volkstrachten mit einer Vielzahl von Hüten und Mützen auf, z. B. der mit Federn oder einem Gamsbart geschmückte Filzhut im Alpenraum. Weltliche Würde- und Machtzeichen sind Krone und Diadem, im sakralen Bereich Mitra und Tiara, in der akademischen Welt der Doktorhut. Das Militär kennt an Kopfbedeckungen u. a. das Barett, das Schiffchen und die Schirmmütze.
Kopfbedeckungen waren in der Geschichte der Mode stets besondere Bedeutungsträger und wiesen wie alle der Mode unterworfenen Objekte durch die Jahrhunderte mannigfache Formen und Funktionen, Farben und Materialien auf. Reine Funktionalität – den Träger vor Regen, Kälte oder Sonne zu schützen – ist seit dem Mittelalter eher die Ausnahme. Das breite Spektrum der Funktionen dieses vielseitig verwendeten Modeaccessoires reicht von der Absicht, Aufmerksamkeit zu erregen oder Gesichtsformen schmeichelnd zu unterstreichen, bis zur Signalwirkung eines Statussymbols, das gesellschaftliche, politische oder sakrale Stellung, Macht, Nationalität, Glauben oder Lebensstil des Tragenden anzeigt. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass auch von Barhäuptigkeit durchaus modische Signalwirkung ausgehen kann, so z. B. in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als männliche Jugendliche im Verzicht auf den kurz zuvor noch allgegenwärtigen Filzhut eine abweichende Haltung ausdrückten. Zwei historische Beispiele können die Symbolwirkung von Kopfbedeckungen verdeutlichen: Bei Königs- oder Kaiser-Krönungen symbolisierte die Übergabe der Krone die Übernahme der Macht. Im Zeitalter der Renaissance pflegte jede einflussreiche italienische Familie ihren eigenen, unverwechselbaren Hutstil; Farben und Formen bedeuteten Macht und Einfluss, ferner politische Beziehungen und Partnerschaften. Weiterhin spiegelt die europäische Hutmode die sich wandelnden Geschlechterverhältnisse und -selbstbilder. Verlangte die mittelalterliche Gesellschaftsordnung von verheirateten Frauen, dass sie ihr Haar in der Öffentlichkeit mit Kapuzen oder Schleiern verhüllten, so setzte sich im 14. Jahrhundert der Damenhut durch. Zahlreiche Gemälde und Buchmalereien bezeugen, dass die Frauen zumindest bei Ausritten oder auf Reisen Hüte im Stil der jeweils dominierenden Männermode trugen. Im 16. Jahrhundert, zur Zeit Elisabeths I., trugen Frauen höheren Standes bereits Hüte zu diversen Gelegenheiten. Im 17. Jahrhundert finden sich mehrere verschiedene Modelle nebeneinander: Zum einen der aus Spanien stammende Pilgrims- oder Puritanerhut (so genannter Coptain) mit hohem, leicht konisch zulaufendem Kopf und schmaler Krempe aus schwarzem, seltener farbigem Filz, aus Seide oder Samt und je nach Anlass auch mit Hutbändern, Broschen oder sogar Juwelen verziert. Englische Puritanerinnen trugen unter dem Coptain die für sie obligatorische weiße Haube. Zum anderen tritt der noch heute bekannte sogenannte Kavaliershut auf, der mit niedrigerem Kopf und weicherer Krempe von Frauen und Männer gleichermaßen häufig getragen wurde. Im Zeitraum zwischen 1630 und der Restauration von 1660 traten vermehrt Frauen der Oberschicht auf, die ihr Haar offen trugen, zu Locken aufdrehten und höchstens mit einem leichten Schleier oder einer Seidenkapuze bedeckten. Die neuen und immer komplizierteren Frisurmoden des Rokoko mit einer Vielzahl von Locken und sogar Drahtgestellen, mittels derer die Haarpracht weit vom Kopf abstehend aufgebauscht war, drängten in der feudalen Gesellschaftsmode den Damenhut zurück. Die Kappe, auch Negligéhaube genannt, gehörte vom 16. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert zur zwanglosen Hausbekleidung des Mannes: Die Haube wandelte sich kaum in ihrer Form und bestand aus einem breiten, eng anliegenden runden Kopf und einer schmalen Krempe, zumeist aus Wolle, Seide oder Samt gefertigt, ähnlich etwa einfacheren Turbanen oder dem türkischen Fez. Frauen trugen schmale, runde, reich mit Bändern verzierte Hauben, deren Ausmaße den zunehmend ausladenderen Frisuren angepasst werden mussten. Im Gegensatz zu den sehr großen Haushauben waren die mit Perlen und Federn reich verzierten Ausgehhauben jedoch geradezu winzig. Wenn auch im Lauf der Zeit seltener, so wurden die Haushauben doch etwa bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges getragen. Im 18. Jahrhundert kamen einfache Strohhüte in Mode, deren Fertigung zeitweise immerhin 14 000 englische Arbeiter ernährte. Die älteste bekannte Strohflechterei wurde bereits 1681 im südlichen England gegründet. In Frankreich übten die Uniformen von Putz- und Dienstboten großen Einfluss auf die Modetendenzen aus, so dass Mitte des 18. Jahrhundert sich der englische Strohhut auch bei den Franzosen durchsetzte und durch eine Fülle von Verzierungen, Blumen etc. einen Hauch französischen Chics erhielt. Strohhüte wurden vornehmlich im Freien getragen und sind in Form des beliebten Kapotthuts sogar im Putzmachergewerbe anzutreffen. Der Aufstieg des Bürgertums während des 19. Jahrhunderts brachte, bei insgesamt bescheideneren Ansprüchen, eine breite Nachfrage nach Modeartikeln mit sich. Zeitungen und Zeitschriften informierten über die jeweils aktuellen Modeerscheinungen, auch in der Hutmode. Sogar erste Schnittmuster für Hauben wurden in den Zeitungen veröffentlicht. Die Mode des 20. Jahrhunderts war abwechslungsreich und schnelllebig. Der in den zwanziger Jahren beliebte, den Kopf eng umschließende Cloche-Hut (französisch cloche: Glocke) mit der nach unten geschlagenen Krempe wurde in den dreißiger und vierziger Jahren durch internationale Trends abgelöst, die sich vornehmlich an Vorbilder aus Hollywoodfilmen anlehnten. Ende der sechziger Jahre inspirierte der Gangsterfilm Bonnie und Clyde die europäischen Frauen zum Tragen von Baskenmützen. Insgesamt konnten solche Modetrends aber den Niedergang der Hutindustrie seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht aufhalten. Um 1970 kam es in der Hutmode erstmals zu einem Revival. Man trug wieder die perlenbestickten engen Kappen wie in den zwanziger Jahren. Ein von Frauen zum Hosenanzug getragener, tief in die Stirn gezogener Borsalino, ursprünglich ein klassischer Herrenhut, krönte wenig später die damalige Unisex-Mode. Gegenwärtig gilt der Hut als Randerscheinung der Modeszene und wird eher zu besonderen Anlässen getragen, z. B. beim Royal Ascot, während sich in der Alltagsmode vor allem für Männer die einfache Mütze aus Wolle durchgesetzt hat. Aufwendig gearbeitete Hutmodelle werden heute vor allem für die Haute Couture entworfen. Im Wesentlichen liegt das Design dieser meist teuren Kopfbedeckungen in den Händen der populären Modeschöpfer, die ihre eigenen Hutmacher beschäftigen. So arbeitet der Ire Philip Treacy im Auftrag von Karl Lagerfeld und John Galliano, und Viv Knowland berät Laura Ashley. Viele Kreationen des wohl bekanntesten zeitgenössischen Hutdesigners David Shilling, der ausschließlich Hutmode für herausgehobene gesellschaftliche Ereignisse entwirft, sind heute auch schon in Museen für angewandte Kunst und Design zu bewundern.
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