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Weisheit

Enzyklopädieartikel

Weisheit, höhere Stufe der Erkenntnis im Gegensatz zur pragmatischen Lebensklugheit.

Die antike Ethik versteht sich weitgehend als Weisheitslehre. Weise ist, wer ein gutes und gerechtes und daher glückliches Leben zu führen imstande ist. Für Platon und Aristoteles ist der Weise identisch mit dem Wissenden, dem Philosophen, der sich in seinem Leben vor allem der Betrachtung der Welt widmet. Bei Platon ist die Weisheit neben der Besonnenheit, der Tapferkeit und der Gerechtigkeit eine der vier Kardinaltugenden, und zwar diejenige, an der sich die Vernunft ausrichten soll. Zu wissen, dass man nichts weiß (Sokrates), bildet den Beginn der Weisheit. Scheinbar fest stehende Einsichten erscheinen der philosophischen Betrachtung als fragwürdig und entpuppen sich oft als Scheinwahrheiten. Platon schildert die verschiedenen Stufen der Erkenntnis in seinem berühmten Höhlengleichnis, deren höchste die „Sonne der Weisheit” darstellt.

Für den Eudämonismus des Epikur ist derjenige im Zustand der Weisheit, der sein Leben in der „Meeresstille des Gemüts” (ataraxia), unabhängig von Trieben und Bedürfnissen lebt und sich von der Geschäftigkeit der Öffentlichkeit fernhält („lebe im Verborgenen”). Für Vertreter des Stoizismus wie Seneca und Marc Aurel besteht Weisheit in der Balance, die der Einzelne zwischen den Anforderungen hält, die Natur und Kultur an ihn stellen.

Weisheit stellt auch im Buddhismus sowie in der chinesischen Philosophie und der indischen Philosophie eines der wichtigsten Lebensziele dar. Vorchristliche Mythologien verkörpern die Weisheit oft in einem Gott ihres polytheistischen Glaubenssystems: in Indien Indra und Ganesha, in Ägypten Thot, in Babylon Marduk, in Griechenland Athene, in Rom Minerva, bei den Germanen Odin usw.

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