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Antinomie

Enzyklopädieartikel

Antinomie (griechisch anti: gegen; nomos: Gesetz), Paar von Richtsätzen, Gesetzen, Thesen oder Maximen, die beide vernünftig begründbar, inhaltlich aber unmittelbar entgegengesetzt sind. In der Rechtslehre bezeichnet Antinomie die Tatsache, dass zwei Gesetze gleichrangig gültig sind, sich deren Bestimmungen jedoch widersprechen.

Im engeren Sinne eines philosophischen Fachbegriffs entwickelte Immanuel Kant die Problematik des „Widerstreits der Gesetze (Antinomie) der reinen Vernunft”. In seiner Kritik der reinen Vernunft (1781) entfaltet er im Kapitel „Die Antinomie der reinen Vernunft” jene Widersprüche, die sich aus den zu seiner Zeit aktuellen gegensätzlichen philosophischen Lehren des Empirismus und des Rationalismus im Hinblick auf die so genannten kosmologischen Probleme oder, wie Kant sie nennt, transzendentalen Ideen ergeben: 1. ob das Weltall endlich oder unendlich sei, 2. ob die Materie aus kleinsten unzerlegbaren einfachen Teilchen bestehe oder nicht, 3. ob in der Welt alles nur deterministisch durch die Kausalität nach Naturgesetzen ablaufe oder ob auch eine Verursachung durch Freiheit und Zufall möglich sei und 4. ob Gott als „schlechthin notwendiges Wesen” existiert oder nicht.

Jeweils beide antinomischen Thesen können hier gleicherweise plausibel begründet werden. Allerdings kann weder die Erklärung der einen noch die der anderen Seite durch Erfahrung, also empirisch, bewiesen werden, da sich der Streit auf Dinge bezieht, die außerhalb der menschlichen Erkennbarkeit liegen.

Auch in der Kritik der praktischen Vernunft (1788) diskutiert Kant Antinomien, z. B. den Widerstreit zwischen persönlichem Glück und gesellschaftlicher Moral. In der Kritik der Urteilskraft (1790) wird der ästhetische Geschmack als subjektives Empfinden der Objektivität gültiger ästhetischer Kriterien gegenübergestellt.

Gleichfalls wurden in der Logik und der Mathematik Antinomien entdeckt, z. B. einander widersprechende, dennoch jeweils beweisbare Lehrsätze oder aber auch so genannte semantische Antinomien wie „Der Kreter Epimenides sagt, dass alle Kreter lügen”, oder die so genannte Russellsche Antinomie in der Mengenlehre.

Siehe auch Paradoxon, Dilemma, Widerspruch, Antagonismus.

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