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Jahresrückblick 2004

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Joseph DeissJoseph Deiss
Artikelgliederung
1

Einleitung

Im Folgenden werden die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2004 chronologisch aufgelistet.

2

Januar

1. Januar: Irland übernahm turnusgemäß die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union.

In der Schweiz übernahm turnusgemäß Joseph Deiss für ein Jahr das Amt des Bundespräsidenten. Neu in den Bundesrat kamen Christoph Blocher und Hans-Rudolf Merz; sie lösten die Bundesräte Ruth Metzler und Kaspar Villiger ab.

4. Januar: Aus den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen in Georgien, die nach dem Sturz Eduard Schewardnadses im November 2003 notwendig geworden waren, ging der bisherige Oppositionsführer Michail Saakaschwili mit überwältigender Mehrheit als Sieger hervor.

In Afghanistan verabschiedete die Loya Jirga („Große Ratsversammlung”) eine neue Verfassung. Diese Verfassung definiert Afghanistan als „Islamische Republik” und räumt dem Staatspräsidenten weitreichende Vollmachten ein.

Die britische Schriftstellerin Joan Aiken starb im Alter von 79 Jahren in Petworth (West Sussex). Zu ihren mehr als hundert Werken gehören zahlreiche erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher.

Die amerikanische Marssonde Spirit landete erfolgreich auf dem Mars. Kurz nach der Landung nahm das an Bord befindliche Fahrzeug seine Arbeit auf und begann mit der Erkundung der Umgebung.

5. Januar: Der Niederländer Jaap de Hoof Scheffer trat als Nachfolger von George Robertson das Amt des Generalsekretärs der NATO an.

6. Januar: Mit den Tagessiegen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Bischofshofen gewann der Norweger Sigurd Pettersen überlegen die 52. Internationale Vierschanzentournee der Skispringer. Rang zwei belegte der Österreicher Martin Höllwarth, auf Platz drei kam der Slowene Peter Zonta. Bester Springer des deutschen Teams wurde auf Rang sechs der Oberstdorfer Georg Späth. Sven Hannawald als 12. und Martin Schmitt als 16. konnten nicht an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen.

7. Januar: Die schwedische Schauspielerin Ingrid Thulin starb im Alter von 74 Jahren in Stockholm. Der Durchbruch gelang ihr mit markanten Rollen in Filmen von Ingmar Bergman wie Smultronstället (1957; Wilde Erbeeren) und Tystnaden (1963; Das Schweigen).

14. Januar: In Guatemala löste Oscar Berger seinen Vorgänger Alfonso Portillo im Amt des Staatspräsidenten ab. Berger hatte sich am 28. Dezember 2003 im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen als Sieger durchsetzen können.

19. Januar: Die europäische Marssonde Mars Express sandte die ersten hochaufgelösten Bilder von der Marsoberfläche. Die Bilder zeigen Details des Grabenbruchsystems Valles Marineris, die nahelegen, dass das System u. a. durch die Erosionskraft von Wasser geprägt wurde. Mars Express umkreist den Mars auf einer Umlaufbahn, während die bereits am 25. Dezember 2003 ausgesetzte Sonde mit dem Fahrzeug Beagle 2 offensichtlich bei der Landung zerstört wurde.

23. Januar: Der australische Photograph Helmut Newton starb im Alter von 83 Jahren in Los Angeles bei einem Autounfall. Seine provokanten Aktaufnahmen, die eine kühle Sinnlichkeit ausstrahlen, machten ihn weltberühmt.

24. Januar: Der brasilianische Fußballer Leonidas da Silva, Torschützenkönig der Weltmeisterschaft 1938, starb 90-jährig in São Paulo.

25. Januar: Die niederländische Leichtathletin Fanny Blankers-Koen starb im Alter von 85 Jahren in Hoofddorp bei Amsterdam. Die ungewöhnlich vielseitige Sportlerin wurde 1999 als „Leichtathletin des Jahrhunderts” ausgezeichnet.

Auch die zweite Marssonde der NASA, Opportunity, landete erfolgreich auf dem Roten Planeten und setzte das an Bord befindliche Fahrzeug aus.

28. Januar: Die Bundesregierung entließ den Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster. Gerster hatte u. a. aufgrund der unkorrekten Vergabe einiger Beraterverträge das Vertrauen des Verwaltungsrates der Behörde verloren.

29. Januar: Der österreichische Schauspieler O. W. Fischer starb 88-jährig in Lugano (Schweiz). Der Frauenliebling gehörte zu den großen Stars des deutschsprachigen Nachkriegsfilms.

Die neuseeländische Schriftstellerin Janet Frame starb im Alter von 79 Jahren in Dunedin. Einem breiteren Lesepublikum wurde sie bekannt durch ihre autobiographische Trilogie, die 1990 von Jane Campion erfolgreich verfilmt und unter dem Titel Ein Engel an meiner Tafel (1993) in deutscher Sprache veröffentlicht wurde.

3

Februar

1. Februar: Vom 19. Januar bis zum 1. Februar fanden in Melbourne die Australian Open im Tennis statt. Bei den Herren siegte der 22-jährige Schweizer Roger Federer, der sich im Finale gegen den Russen Marat Safin in drei Sätzen durchsetzte. Das rein belgische Damenfinale gewann die 21-jährige Justine Henin-Hardenne gegen Kim Clijsters ebenfalls in drei Sätzen.

2. Februar: Der englische Historiker Allan Bullock starb im Alter von 89 Jahren in Oxfordshire. 1952 veröffentlichte er Hitler. A Study in Tyranny (Hitler. Eine Studie über Tyrannei), die erste große Hitler-Biographie, die lange Zeit als das Standardwerk über Adolf Hitler galt.

5. Februar: Seit Ende 2003 grassierte in Asien die Vogelgrippe. Bis Anfang Februar 2004 waren zehn Länder betroffen, 18 Menschen starben. 50 Millionen Hühner verendeten durch das Virus oder wurden getötet.

6. Februar: Bundeskanzler Gerhard Schröder kündigte überraschend seinen Rücktritt vom Vorsitz der SPD an. Als Nachfolger, der auf einem Sonderparteitag im März gewählt werden soll, schlug er den Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering vor.

Bei einem Bombenanschlag auf die Moskauer U-Bahn, der vermutlich von einer Selbstmordattentäterin begangen wurde, kamen 39 Menschen ums Leben, weit über 100 wurden verletzt.

14. Februar: Der italienische Radrennfahrer Marco Pantani wurde in einem Hotelzimmer in Rimini tot aufgefunden. Der populäre Sportler, Gewinner der Tour de France und des Giro d’Italia 1998, starb an einer Überdosis Kokain.

15. Februar: Bei den 54. Filmfestspielen von Berlin wurde der türkischstämmige Hamburger Regisseur Fatih Akin für sein kraftvolles Milieudrama Gegen die Wand mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Damit ging der Preis für den besten Film nach 18 Jahren erstmals wieder an eine deutsche Produktion.

18 Februar: Im Forschungszentrum Jülich ging der bis dahin schnellste Supercomputer Europas in Betrieb. Das System JUMP (JUelich MultiProzessor) erreicht eine Leistung von mehr als fünf Teraflops (Linpack).

20. Februar: Bei den Parlamentswahlen im Iran gewannen die Konservativen die absolute Mehrheit der Mandate. Zuvor hatte der Wächterrat den Großteil der reformorientierten Kandidaten, die Staatspräsident Khatami unterstützten, von den Wahlen ausgeschlossen. Die Reformer hatten daraufhin zu einem Boykott der Wahlen aufgerufen, was sich in der außerordentlich niederigen Wahlbeteiligung von etwa 50 Prozent niederschlug.

26. Februar: Der mazedonische Staatspräsident Boris Trajkovski kam bei einem Flugzeugabsturz unweit der Stadt Sarajevo ums Leben.

28. Februar: Die spanische Schriftstellerin Carmen Laforet starb 82-jährig in Madrid.

29. Februar: Aus den vorgezogenen Bürgerschaftswahlen in Hamburg ging die CDU unter Bürgermeister Ole von Beust mit 47,2 Prozent der Stimmen und 63 der insgesamt 121 Mandate als absolut stärkste Partei hervor. Die SPD dagegen fuhr mit 30,5 Prozent ihr schlechtestes Wahlergebnis in Hamburg ein. Der FDP und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, die 2001 auf knapp 20 Prozent gekommen war, gelang der Einzug in die Bürgerschaft nicht mehr.

Nach wochenlangen blutigen Unruhen in Haïti, in deren Verlauf die Opposition den Großteil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatte und kurz vor dem Sturm auf die Hauptstadt Port-au-Prince stand, trat Staatspräsident Jean-Bertrand Aristide zurück und verließ das Land. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen entsandte eine multinationale „Übergangstruppe”, die die öffentliche Ordnung sichern soll.

Bei der 76. Oscar-Verleihung ging das Fantasy-Epos Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs nach dem Roman von J. R. R. Tolkien als großer Sieger hervor. Insgesamt gingen elf Oscars an den Film, u. a. die Oscars für den besten Film und die beste Regie. Damit wurde erstmals in der Geschichte der Preisverleihung ein Film in allen Kategorien, für die er nominiert war, ausgezeichnet. Sean Penn wurde für seine Leistung in Mystic River als bester Hauptdarsteller geehrt, Charlize Theron als beste Hauptdarstellerin in Monster. Der Oscar in der Kategorie „Bester ausländischer Film” ging an die kanadische Produktion Die Invasion der Barbaren. Der amerikanische Regisseur Blake Edwards erhielt einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

4

März

2. März: Um 8.17 Uhr MEZ startete vom Raumfahrtzentrum Kourou (Französisch-Guayana) die ESA-Sonde Rosetta ihren Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Rosetta ist die erste Sonde der ESA, die einen Kometen umkreisen und ein Landegerät auf ihm landen lassen soll. Die Sonde wird den Kometen voraussichtlich August 2014 erreichen.

7. März: Aus den Landtagswahlen in Salzburg ging die SPÖ unter großen Zugewinnen mit 45,4 Prozent der Stimmen klar als stärkste Partei hervor und löste die seit 1945 regierende ÖVP an der Spitze der Landesregierung ab. In Kärnten konnte sich die FPÖ unter Jörg Haider als stärkste Kraft behaupten und stellte weiterhin mit Haider den Landeshauptmann.

Die Parlamentswahlen in Griechenland erbrachten einen Regierungswechsel: Die bisher oppositionelle konservative Neue Demokratie (ND) unter Konstantinos Karamanlis wurde mit 45,4 Prozent der Stimmen und 165 der insgesamt 300 Parlamentssitze absolut stärkste Partei und löste die sozialistische PASOK (40,6 Prozent bzw. 117 Mandate) von Ministerpräsident Konstantinos Simitis an der Regierung ab.

8. März: In Bagdad unterzeichnete der Regierende Rat die Übergangsverfassung für den Irak. Die Unterzeichnung war mehrmals verschoben worden, da die Schiiten verschiedene Änderungswünsche angemeldet hatten. Am Ende aber wurde die Verfassung so unterzeichnet, wie sie der Regierende Rat am 1. März verabschiedet hatte.

11. März: Genau zweieinhalb Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf Ziele in den USA wurde die spanische Hauptstadt Madrid von einer Welle des Terrors erschüttert: Während des morgendlichen Berufsverkehrs detonierten nahezu zeitgleich zehn Bomben in vier Nahverkehrszügen. Über 190 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Die Regierung Aznar machte unmittelbar nach dem Anschlag die baskische Separatistenorganisation ETA für die Anschläge verantwortlich; die Ermittlungen führten jedoch schon bald zu einem islamistischen Täterkreis. Innerhalb relativ kurzer Zeit konnten die mutmaßlichen Täter und Hintermänner gefasst werden. Die Anschläge waren eine Reaktion der islamistischen Terroristen auf die bedingungslose Unterstützung der USA durch Spanien im Irak-Krieg.

14. März: Die Parlamentswahlen in Spanien gewann überraschend der bisher oppositionelle PSOE mit seinem Spitzenkandidaten José Luis Rodríguez Zapatero, während die konservative Volkspartei (PP) des Ministerpräsidenten Aznar, die seit 2000 mit absoluter Mehrheit regierte, deutliche Einbußen hinnehmen musste. Die Verluste der Volkspartei waren auf die Anschläge vom 11. März und die anscheinend wahltaktische Informationspolitik der Regierung Aznar nach den Anschlägen zurückzuführen.

Aus den Präsidentschaftswahlen in Russland ging Wladimir Putin mit über 71 Prozent der abgegebenen Stimmen klar als Sieger hervor.

Vom 10. bis zum 14. März fand in Sestriere (Italien) der Weltcupabschluss im alpinen Skisport statt. Zweieinhalb Jahre nach seinem schweren Motorradunfall gewann der Österreicher Hermann Maier zum vierten Mal in seiner Karriere den Gesamtweltcup. Rang zwei und drei belegten seine Landsleute Stephan Eberharter und Benjamin Raich. Eine kleine Kristallkugel für den Gewinn der Disziplinwertung ging jeweils an Eberharter (Abfahrt), Maier (Super-G), den Amerikaner Bode Miller (Riesenslalom) und den Österreicher Rainer Schönfelder (Slalom). Bei den Damen holte die Schwedin Anja Pärson den Gesamtweltcup vor der Österreicherin Renate Götschl und der Deutschen Maria Riesch. Die Disziplinwertungen sicherten sich Götschl (Abfahrt und Super-G) und Pärson (Riesenslalom und Slalom).

17. März: Das deutsche Bundesverfassungsgericht entschied, dass gesetzliche Regelungen zum Import- und Zuchtverbot von Kampfhundrassen zulässig sind.

In Haïti wurde der frühere Diplomat Gerard Latortue als Premierminister einer Übergangsregierung vereidigt.

19. März: Der langjährige Leiter (1968-1984) der Bundesanstalt für Arbeit, Josef Stingl, starb an seinem 85. Geburtstag in Leutesdorf am Rhein.

20. März: Juliana, die frühere Königin der Niederlande (1948-1980), starb im Alter von 94 Jahren auf Schloss Soestdijk nahe Amsterdam.

In Taiwan gewann der Amtsinhaber Chen Shui-bian die Präsidentschaftswahlen, allerdings nur mit einem hauchdünnen Vorsprung von nicht einmal einem Prozentpunkt.

Der Spanier Oscar Freire gewann das klassische Straßenrennen für Radprofis Mailand–San Remo.

21. März: Auf einem Sonderparteitag vollzog die SPD den im Februar angekündigten Wechsel an ihrer Spitze: Franz Müntefering wurde zum Nachfolger von Gerhard Schröder als Parteivorsitzender gewählt, Klaus Uwe Benneter löste Olaf Scholz als Generalsekretär ab.

In Malaysia gewann das Parteienbündnis um Premierminister Abdullah Badawi klar die Parlamentswahlen und verfügt nun über 198 der 219 Mandate.

22. März: Mit einem gezielten Raketenangriff töteten israelische Kampfhubschrauber den geistigen Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin.

23. März: In Malta gab Ministerpräsident Fenech Adami sein Amt aus Altersgründen an Lawrence Gonzi ab. Wenige Tage später wurde Adami zum Nachfolger von Guido de Marco in das Amt des Staatspräsidenten gewählt.

24. März: In Hannover ging die CeBIT 2004 mit einem positiven Echo seitens der Aussteller und der Besucher zu Ende. Die Deutsche Messe AG zählte insgesamt 510 000 Messebesucher und sprach von einem Stopp des rückläufigen Besuchertrends der vergangenen Jahre.

28. März: Aus den Regionalwahlen in Frankreich gingen die Linksparteien, die in der Nationalversammlung die Opposition stellten, mit deutlichem Vorsprung vor dem bürgerlichen Regierungslager klar als Sieger hervor. In Reaktion auf diese Niederlage bildete Premierminister Raffarin seine Regierung um.

Der britische Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Sir Peter Ustinov starb im Alter von 82 Jahren im schweizerischen Genolier (Kanton Waadt). Der vielseitige Künstler erlangte in den fünfziger Jahren Weltruhm durch markante Darstellungen in einer ganzen Reihe von Spielfilmen. Später war Ustinov auch als Sonderbotschafter der UNICEF im Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Vom 22. bis zum 28. März fanden in der Dortmunder Westfalenhalle die Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf statt. Bei den Herren siegte der russische Titelverteidiger Ewgeni Pluschenko, bei den Damen setzte sich die Japanerin Shizuka Arakawa durch. In der Paarlaufkonkurrenz gewannen Tatjana Totmianina und Maxim Marinin aus Russland. Im Eistanz holte das russische Paar Tatjana Nawka und Roman Kostomarow die Goldmedaille. Eine Bronzemedaille für das deutsche Team holten das Eistanzpaar Kati Winkler und René Lohse sowie Stefan Lindemann bei den Herren.

29. März: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakische Republik und Slowenien wurden formell in die NATO aufgenommen, die damit auf 26 Mitglieder angewachsen ist.

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