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Räuber

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Schnee-Eule in der TundraSchnee-Eule in der Tundra

Räuber oder Prädatoren, Lebewesen, die sich von lebenden Organismen ernähren.

Als Räuber im engeren Sinn (oder echte Räuber) gelten Beutegreifer wie Raubtiere, Greifvögel, Schlangen, Libellen oder Spinnen, die Tiere fangen und sofort töten, um sich von ihnen zu ernähren. Im Gegensatz dazu töten Parasitoide wie Schlupfwespen ihren Wirt allmählich während ihrer Larvalentwicklung. Im weiteren Sinn sind auch Pflanzenfresser Räuber, etwa Samen fressende Singvögel. Weidegänger wie Huftiere und Parasiten wie Zecken spielen insofern als Räuber eine Sonderrolle, als sie die Organismen, von denen sie leben, zwar oft schädigen, zumeist aber nicht töten. In Nahrungspyramiden besetzen Räuber die Ebenen der Konsumenten (siehe Ökologie). Die höchste Ebene einer Nahrungspyramide nehmen Gipfelräuber ein (etwa Adler oder Großraubtiere), die von keinem anderen Tier erbeutet werden.

Räuber stehen mit ihrer Beute in einem Räuber-Beute-Verhältnis (oder einer Räuber-Beute-Beziehung) und üben auf die Populationsdichten ihrer Beute einen mehr oder weniger großen Räuberdruck aus. Doch beeinflusst auch die Populationsdichte der Beute die Dichte des Räubers. Wenn Populationsdichten von Beuteorganismen abnehmen (etwa durch hohen Räuberdruck), verringern sich mit zeitlicher Verzögerung die Individuenzahlen der Räuber des Gebietes, weil diese abwandern, verhungern oder weniger Nachkommen zeugen. Ein solcher Zusammenhang besteht in Nordamerika z. B. zwischen Schneeschuhhasen, die starke periodische Populationsschwankungen aufweisen, und Kanadaluchsen. In der Regel sind Räuber allerdings nicht von einer einzigen Beutespezies abhängig, sondern reagieren flexibel auf das jeweilige Nahrungsangebot. Populationsdichten werden zudem nicht nur durch Räuberdruck oder Nahrungsangebot bestimmt – auch Umweltfaktoren wie Klima, Krankheitserreger oder Unterschlupfmöglichkeiten spielen eine Rolle.

Räuber wenden unterschiedliche Strategien der Beutesuche und des Beutefangs an. So durchstreifen z. B. Raubtiere, viele Vögel und Raubfische allein oder in Gruppen ihr Nahrungsgebiet, das oft gegen fremde Artgenossen verteidigt wird (siehe Revierverhalten). An maritimen Räubern wie Pinguinen, Meeresschildkröten und Haien, die ganz verschiedenen Verwandtschaftsgruppen angehören, wurde dabei beobachtet, dass sie alle im Prinzip dieselbe Suchstrategie anwenden: Sie durchkämmen ein kleines Gebiet kreuz und quer, schwimmen dann eine längere Strecke und erkunden das nächste Gebiet auf dieselbe Weise. Manche Greifvögel, aber auch Eisvögel, lauern von einer Sitzwarte aus auf Beute, auch bestimmte Insekten wie die Gottesanbeterin sind Lauerjäger. Webspinnen und Ameisenlöwen sind dagegen Fallensteller, die ihrer Beute mit Netzen bzw. Sandtrichtern habhaft werden.

Beuteorganismen schützen sich durch unterschiedliche Anpassungen wie Tarnung, Abwehrgifte oder das Vermögen zu schneller Flucht gegen Räuber. Viele Säugetiere und Vögel warnen einander durch bestimmte Rufe vor Räubern; Schwarzkopfmeisen z. B. können ihre Warnrufe so variieren, dass diese Informationen über die Größe und das Verhalten (Bewegung oder Ruhe) eines Räubers beinhalten. Im Gegenzug optimieren Räuber im Lauf der Evolution ihre Technik des Beuteerwerbs. Da Evolutionsprozesse bei Räuber und Beute voneinander abhängig sind, unterliegen beide einer gemeinsamen Evolution (siehe Koevolution). Der Theorie von Richard Dawkins entsprechend liegt dabei auf der potentiellen Beute zumeist ein stärkerer Selektionsdruck, weil diese beim Zusammentreffen mit einem Räuber weit mehr zu verlieren hat (nämlich ihr Leben) als der Räuber, der bei einem Misserfolg seines Angriffs zumeist nur eine Mahlzeit einbüßt. Eine Strategie mancher Lebewesen, etwa vieler Fische oder Pflanzen, um bei ihrer Fortpflanzung den Räuberdruck zu verringern, besteht in der Produktion so großer Mengen an Nachkommen, dass nicht alle gefressen werden können.

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