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Neozoen

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Waschbär bei der NahrungssucheWaschbär bei der Nahrungssuche

Neozoen (griechisch neos: neu; zóon: Tier), Tierarten, die in der Neuzeit (seit 1492) vom Menschen beabsichtigt oder unbeabsichtigt in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren.

Die Bedeutung des zoologischen Begriffs Neozoen entspricht der des Begriffs Neophyten in der Botanik. Er bezieht sich auf ein Teilgebiet (z. B. das Territorium eines Staates) innerhalb des gesamten Areals einer Tierart. So kann eine Tierart in Deutschland ein Neozoon sein, während sie in ihrem restlichen Verbreitungsgebiet seit jeher von Natur aus vorkommt. Als Neozoen gelten nur diejenigen Tierarten, die sich dauerhaft etabliert haben: Sie paaren sich im Freiland und ziehen über mehrere Generationen Junge auf, so dass eine neue Population entsteht, die ohne Eingriffe des Menschen stabil bleibt. Insgesamt leben in Deutschland circa 1 400 Arten von Neozoen (davon mehr als die Hälfte Insekten), von denen rund 300 größere Populationen gebildet haben.

1492 hatte Christoph Kolumbus Amerika erreicht. Das Jahr gilt als der Wendepunkt, seit dem der Mensch regelmäßig von Kontinent zu Kontinent reist. Tiere gelangen seither in zunehmendem Maße als unbemerkte Mitreisende in Verkehrsmitteln oder Fracht in ihr neues Verbreitungsgebiet. Oder sie werden als Zoo-, Nutz- oder Heimtiere eingeführt und entkommen in die Wildnis. In Deutschland zählen dazu der Amerikanische Flusskrebs, die als Gartenschädling gefürchtete Spanische Wegschnecke, der Halsbandsittich und die Mandarinente. Aus Pelzfarmen stammten die Vorfahren der heute frei lebenden Spezies Waschbär, Marderhund, Mink und Nutria. Nicht zu den Neozoen gerechnet werden Arten, die ohne erkennbaren Einfluss des Menschen aus anderen Gebieten eingewandert bzw. nach deren Ausrottung zurückgekehrt sind (wie in Deutschland der Wolf) oder die vom Menschen wieder in der Natur angesiedelt worden sind (wie der Nordluchs). Die wenigen Arten, die wie Hausmaus und Hausratte bereits vor der Neuzeit durch den Menschen in andere Regionen verfrachtet wurden, nennt man Archäozoen.

Manche Neozoen breiten sich rasch aus, wenn ihr neues Habitat dem ursprünglichen stark ähnelt und sie nur noch wenige oder keine natürlichen Feinde haben. Solche allochthonen (fremden) Arten können zu einer Bedrohung für autochthone (ursprünglich vorhandene) Arten werden, insbesondere in eng umgrenzten Lebensräumen wie Seen oder Inseln (siehe Faunenverfälschung). Ein Beispiel dafür ist der im ostafrikanischen Victoriasee ausgesetzte Nilbarsch (siehe Glasbarsche), der einen großen Teil der endemischen Fischarten bedroht bzw. bereits ausgerottet hat. Beim Wildkaninchen kam es nach seiner Einführung in Australien zu einer Massenvermehrung. Als Neozoon verursachte es enorme Schäden in der Landwirtschaft. Insekten können als Neozoen Kulturpflanzen befallen, wie etwa der Kartoffelkäfer oder die an Weinstöcken lebende Reblaus (siehe Zwergläuse). In manchen Fällen werden Neozoen durch neue natürliche Feinde an einer weiteren Ausbreitung gehindert. So wurde die ins Schwarze Meer eingeschleppte Rippenqualle Mnemiopsis leidyi durch die ebenfalls neue Quallenart Beroe ovata dezimiert.

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