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Wildkaninchen

Enzyklopädieartikel
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WildkaninchenWildkaninchen
Artikelgliederung
1

Einleitung

Wildkaninchen, Kleinsäuger aus der Familie der Hasenartigen, der weltweit zu den häufigsten Säugetieren gehört.

2

Körperbaumerkmale

Das Wildkaninchen erreicht eine Kopfrumpflänge von etwa 35 bis 45 Zentimetern und ein Gewicht von einem bis zwei Kilogramm. Es hat kürzere Ohren und Beine als der Feldhase; den kurzen Schwanz hält es aufrecht, während der des Feldhasen nach unten gerichtet ist. Das Fell von Wildkaninchen ist hellbraun bis graubraun, im Nackenbereich rötlich, auf der Bauchseite heller; die Schwanzunterseite ist weiß. Weibchen sind etwas kleiner als Männchen und haben einen schmaleren Kopf (Sexualdimorphismus). Wildkaninchen können dank ihrer seitlich und hoch oben am Kopf sitzenden Augen und der frei drehbaren Ohren ihre Umgebung überwachen, ohne den Körper bewegen zu müssen; besonders empfindlich ist auch ihre Nase.

3

Verbreitung und Nahrung

Nach dem Ende der letzten Eiszeit lebten Wildkaninchen nur auf der Iberischen Halbinsel sowie in angrenzenden Regionen Frankreichs und Nordafrikas. In den folgenden Jahrtausenden breiteten sie sich teils auf natürlichem Weg, teils unter dem Einfluss des Menschen über einen Großteil Europas und in andere Regionen aus. Mit Ausnahme Asiens und der Antarktis kommen Wildkaninchen heute auf allen Kontinenten vor. Ihre Lebensräume sind in erster Linie offene, aber deckungsreiche Landschaften wie Parks, Gärten, Gebüsche und Waldränder.

Wildkaninchen sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Sie ernähren sich von Gras, krautigen Pflanzen, Wurzeln, Knospen, Baumschösslingen und Rinde. Vor allem im Winter nehmen sie einen Teil ihres Kotes wieder auf. Dieser in ihrem großen Blinddarm gebildete Blinddarmkot (manchmal auch als „Magenpillen” bezeichnet) wird nur zu bestimmten Tageszeiten ausgeschieden. Er ist reich an Vitaminen und wertvollen Abbauprodukten der Cellulose und sichert das Überleben der Tiere.

4

Sozialverhalten und Fortpflanzung

Wildkaninchen legen in lockeren Böden unterirdische Baue mit reich verzweigten Gangsystemen an. Sie leben in Gruppen von etwa zehn erwachsenen Tieren, unter denen eine Rangordnung herrscht. Den höchsten Rang hat ein Männchen inne, das sich mit allen Weibchen der Gruppe paart; unabhängig davon können zwischen anderen Männchen und Weibchen Paarbindungen bestehen. Wildkaninchen paaren sich nahezu ganzjährig, durch jede Paarung wird ein Eisprung ausgelöst (man bezeichnet dieses Phänomen als induzierte Ovulation). Im Lauf einer Saison bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von jeweils etwa einem Monat bis zu sechs Würfe mit durchschnittlich fünf bis sechs Jungen zur Welt. Die Jungen sind Nesthocker, die nach vier bis fünf Wochen entwöhnt werden. Noch bevor sie ausgewachsen sind, werden Wildkaninchen im Alter von fünf Monaten geschlechtsreif. Die Tiere warnen einander vor Gefahren, indem sie mit den Hinterläufen auf den Boden trommeln. Zu ihren natürlichen Feinden gehören Eulen, Greifvögel, Füchse und Marder.

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