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Windows Live® Suchergebnisse Johann Friedrich ReichardtEnzyklopädieartikel
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Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), deutscher Komponist und Musikschriftsteller. Er war ein Förderer der deutschen Romantik und erlangte als Komponist besonders durch seine Singspiele und Liedkompositionen Bedeutung. Reichardt wurde am 25. November 1752 in Königsberg (Preußen) als Sohn des Stadtmusikus Johann Reichardt geboren, der ihm früh Violinunterricht erteilte. Von 1769 bis 1771 studierte er mit Unterstützung Immanuel Kants Jura und Philosophie in Königsberg und Leipzig. Seine weitere musikalische Ausbildung erfolgte in Leipzig beim Thomaskantor Johann Adam Hiller und in Dresden beim Kreuzkantor Gottfried August Homilius. Nach mehreren Konzertreisen ab 1771 kehrte Reichardt 1774 nach Königsberg zurück. Im selben Jahr wurde er von Friedrich II. zum königlich-preußischen Hofkapellmeister in Potsdam ernannt, und es erschien der erste Band seiner Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend (1774-1776). Es folgten lange Reisen u. a. nach Italien, Wien, London und Paris. In Paris erhielt er den Auftrag zu den beiden Opern Panthée (1786) und Tamerlan (1800). Zu dieser Zeit pflegte Reichardt Freundschaften mit Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Johann Georg Hamann. 1792 erschienen die ersten Teile seiner Vertrauten Briefe aus Paris (1804/05), in denen Reichardt seiner klaren Sympathie für die Ideen der Französischen Revolution Ausdruck verlieh, woraufhin er 1794 als „Revolutionssympathisant” aus seinem Amt als Hofkapellmeister in Potsdam entlassen wurde. Reichardt reiste nach London, Hamburg, Kopenhagen und Stockholm, erhielt jedoch nirgends eine Anstellung. Daraufhin ließ er sich in Giebichenstein bei Halle (Saale) nieder und erwarb einen Gutshof. 1796 wurde er rehabilitiert und zum Salinendirektor in Halle ernannt. Reichardts Landsitz entwickelte sich rasch zum geselligen Zentrum von Musikern und Dichtern der Romantik. Als Besucher kamen u. a. Ludwig Tieck, Novalis, Friedrich Schlegel, Clemens Brentano, Achim von Arnim und Joseph von Eichendorff. In dieser „Herberge der Romantik” pflegte Reichardt Hausmusikabende ganz im Sinne der Romantiker. Von seiner nächsten Parisreise (1803) kam er als erklärter Gegner Napoleons zurück. Nach der preußischen Niederlage von Jena und Auerstedt plünderten französische Truppen Reichardts Landgut in Giebichenstein. Er floh nach Danzig, wurde jedoch von König Jérôme Anfang 1808 als Hofkapellmeister nach Kassel zwangsverpflichtet. Doch noch im selben Jahr reiste er weiter nach Wien, wo er Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven kennen lernte. 1809 kehrte Reichardt nach Giebichenstein (heute zu Halle an der Saale, Sachsen-Anhalt) zurück, wo er am 27. Juni 1814 starb.
Als Komponist schuf Reichardt die Gattung des Deutschen Liederspiels, eine volkstümliche Version des Singspiels; u. a. entstanden Lieb und Treu (1800) oder Kunst und Liebe (1807). Einige von Goethes Texten zu Singspielen, wie Claudine von Villa Bella (1789), Erwin und Elmire (1790) und Jery und Bätely (1790), wurden von ihm vertont. Zu Reichardts zahlreichen Bühnenwerken gehören einige Opern wie Brenno (1789), Olympiade (1791) und Rosmonda (1801) und Singspiele wie Die Geisterinsel (1798), des Weiteren Melodramen, Kantaten und Bühnenmusiken. Neben einigen Werken der Kirchenmusik komponierte Reichardt mehr als 1 000 Lieder, die er in über 30 Sammlungen veröffentlichte. Als Liedkomponist stand er in der Tradition der Berliner Schule, wie die strenge Strophengliederung und die eingängige Harmonik zeigt. Besonders bei der Vertonung von etwa 60 Goethe-Gedichten gelangen Reichardt wahre Meisterwerke; außerdem vertonte er etwa 50 Lieder Herders. Die Volksdichtungssammlung Des Knaben Wunderhorn von Brentano und Arnim ist Reichardt gewidmet, in der Hoffnung, er möge die Texte vertonen, was jedoch nie geschah. Im Bereich der Instrumentalmusik entstanden sieben Sinfonien, 14 Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, zahlreiche Werke der Kammermusik sowie je zwölf Violin- und Klaviersonaten. Die von Reichardt verfassten und herausgegebenen Schriften sind bis heute bedeutende Dokumente der Musik- und Literaturwissenschaft. Besonders seine Reisebriefe sind Höhepunkte der deutschen Musikliteratur: Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend (1774-1776), Über die deutsche comische Oper (1774), Leben des berühmten Tonkünstlers H. W. Gulden, nachher genannt Guglielmo Enrico Fiorini (1779), Musikalisches Kunstmagazin (1782-1791), Musikalischer Almanach (1796), Vertraute Briefe aus Paris (1804/05), Berlinische Musikalische Zeitung (1805/06) sowie Vertraute Briefe, geschrieben auf der Reise nach Wien (1810).
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