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Windows Live® Suchergebnisse HeldenliedEnzyklopädieartikel
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Heldenlied, zunächst mündlich überlieferte und von fahrenden Sängern bei Hofe vorgetragene literarische Kleinform des Mittelalters, die tragische Höhepunke aus dem Leben edler Heroen aus kriegerischer Frühzeit beschreibt. Die Heldenlieder sind zumeist in der Zeit der germanischen Völkerwanderung angesiedelt – und damit in einer Epoche der europäischen Geschichte, in der Krieg und Zweikampf zentrale Mittel der Konfliktbewältigung waren. Die meisten dieser Lieder entstanden zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert und wurden innerhalb der germanischen Völker weitergetragen. Der Erzählstoff des Heldenliedes entstammt dem Bereich der Sage, deren ausführliche, pathetisch überhöhte Ausformung es darstellt. Es enthält im Kern aber oft historisch verbürgte Ereignisse wie etwa Wikingerüberfälle oder Maurenkriege, auch wenn diese wieder auf menschliche und zwischenmenschliche Archetypen hin ausgerichtet werden (Ehre, Rache, Habgier usw.) oder zeitgemäße Gesellschaftsnormen widerspiegeln. Im Kern handelt das Heldenlied zumeist von einem vom geschichtlichen Hintergrund enthobenen Kampf um Leben und Tod – eine Erfahrung, die die germanischen Krieger auf ihren Wanderungen nach Westen und Süden nur allzu oft machten. Entweder geht dabei der Held im Sieg über eine Überzahl an Gegnern triumphierend hervor, oder aber er geht, seelisch aufrecht und ungebrochen, unter. Das Heldenlied bildet die Grundlage des Heldenepos, in das es im Zuge seiner Verschriftlichung ab dem 13. Jahrhundert oftmals einfloss. Während die Liedertheorie des 19. Jahrhunderts von Friedrich August Wolf und Karl Lachmann den Unterschied zwischen Lied und Epos vor allem im Umfang sah, stellt die neuere Forschung heraus, dass das Epos den dramatischeren, da inhaltlich gestrafften Liedstoff, in dem der komplette Zusammenhang des Handlungsverlaufs oft schon enthalten ist, nur mehr episch weitet.
Heldenlieder aus dem skandinavischen Sprachraum haben sich in der Edda erhalten. Sie beruht auf einer älteren, wohl ab dem 9. Jahrhundert entstandenen Sammlung mit mehr als 30 zum Teil sehr unterschiedlich erzählten Liedern von skandinavischen und germanischen Göttern, Helden und Gnomen der germanischen Mythologie. In der Forschung wird diese Sammlung deshalb Lieder-Edda genannt. In ihr wechseln sich Monolog- und Dialogstrophen miteinander ab, wobei letztere vielleicht von unterschiedlichen Sängern oder mit unterschiedlicher Modulation vorgetragen wurden. Innerhalb der Götterlieder gibt es zwei regelrechte Streitgespräche zwischen Odin und Thor sowie zwischen Loki und anderen Göttern. Vermutlich haben viele der Erzählungen der deutschen Literatur um den sagenumwobenen Dietrich von Bern, der im Nibelungenlied als Idealgestalt des christlich-ritterlichen Helden genannt ist, ihren Ursprung in Heldenliedern. Das einzige aus dem deutschen Sprachraum – allerdings nur fragmentarisch – erhaltene Heldenlied ist denn auch das aus dem Sagenkreis Dietrich von Berns stammende Hildebrandslied, das in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts (wohl um 840) in einer Mischung aus Althochdeutsch und Althochsächsisch im Kloster Fulda von einem unbekannten Verfasser niedergeschrieben wurde. Noch in dieser Fassung lassen stilistische Elemente wie inhaltliche Wiederholungen auf die einst mündliche Vortragsweise schließen. Die 68 Langzeilen in Stabreimform erzählen vom Wiedersehen des Titelhelden mit seinem Sohn Hadubrand nach 30-jähriger Trennung. In dem Fragment kämpfen Vater und Sohn zwischen zwei Heeren („untar herium tuem”) miteinander, weil Hadubrand seinen Vater Hildebrand für tot hält und seinem Gegenüber nicht glauben will. Das Ende des Duells ist nicht überliefert. Die Hauptdarstellungsform des Hildebrandslieds ist der Dialog, der die dramatische Spannung des Geschehens unmittelbar wiedergeben soll. Vom Heldenlied führt ein direkter Weg zur Ballade, ablesbar u. a. an dem zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen tragikomischen Jüngeren Hildebrandslied, das nach dramatischer Ausformung glücklich mit dem Wiedererkennen der Kontrahenten endet.
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