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Windows Live® Suchergebnisse MaoismusEnzyklopädieartikel
Maoismus, die politische Lehre des langjährigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und Staatschefs Mao Tse-tung. Der Begriff Maoismus wurde nie eindeutig definiert und nie von denjenigen benutzt, die in China oder anderswo eine maoistische Politik praktizierten; sie bevorzugten die Ausdrucksweise: „die Gedanken von Mao Tse-tung” und beschrieben den Maoismus als eine Anpassung des Marxismus-Leninismus an chinesische Verhältnisse. Die politischen Aktivitäten Maos umspannten mehr als ein halbes Jahrhundert, von der Gründung der chinesischen Kommunistischen Partei 1921 über den Langen Marsch 1935 in den Nordwesten Chinas und den Krieg gegen Japan (1937-1945), den die KPCh zusammen mit der Kuomintang Chiang Kai-sheks führte, bis zum Sieg der Kommunisten und der Errichtung der Volksrepublik China 1949 und zur Kulturrevolution in den Jahren 1966 bis 1969. Obwohl Mao die theoretischen Grundlagen seiner politischen Strategie bereits in den späten dreißiger Jahren in seinen Schriften Über den Widerspruch und Über die Praxis formuliert hatte, wurde der Maoismus erst in den sechziger und siebziger Jahren als eigenständige politische Theorie betrachtet. Der unmittelbare Anlass dazu war die Distanzierung der KPCh von der Kommunistischen Partei der UdSSR, die um 1956, nach dem Beginn der Entstalinisierung in der Sowjetunion, einsetzte. Nach Maos Überzeugung bestand der „Hauptwiderspruch” in der Welt nicht im Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat, sondern im Gegensatz zwischen unterentwickelten Ländern, die er metaphorisch als „Land” bezeichnete, und den kapitalistischen Staaten oder den „Städten” der Welt. Das Schema der chinesischen Revolution, die auf Seite der Kommunisten vorwiegend von bäuerlichen Truppen getragen wurde, während sich die gegnerischen Streitkräfte Chiang-Kai-sheks in den Städten konzentrierten, wurde zu einer internationalen Strategie erhoben, d. h., dass die Weltrevolution von den unterentwickelten Ländern ausgehen muss – analog zur Revolution in China, die von den ländlichen Regionen und dem ländlichen Proletariat ausgegangen war. Die maoistische Ideologie der Gleichheit aller Menschen übertraf die sowjetkommunistische an Radikalität und fand in den allgegenwärtigen, von Männern wie Frauen gleichermaßen getragenen blauen Arbeitsanzügen ihren sinnfälligen Ausdruck. Ein wesentliches Merkmal des Maoismus war der Glaube an die Allmacht menschlichen Willens. Mit dem Maoismus wird die radikale und übereilte Kollektivierung der Landwirtschaft (1955-1957), der gescheiterte Große Sprung nach vorn in der Industrie und die Große Proletarische Kulturrevolution, die China von der Mitte der sechziger Jahre bis in die frühen siebziger Jahre praktisch lähmte, verbunden. Die grundlegende Prämisse der Kulturrevolution war folgende: Damit sich keine neuen Klassen in der Parteihierarchie, im Gegensatz zwischen Stadt und Land oder zwischen Arbeitern und Intellektuellen bilden konnten, war es erforderlich, die Massen in permanenter Revolution für die Aufrechterhaltung der klassenlosen Gesellschaft zu halten. Im konkreten Fall der Kulturrevolution mobilisierte Mao in erster Linie junge Studenten, die Roten Garden, gegen die sich vom Volk politisch und sozial absondernde Parteielite (bzw. gegen seine innerparteilichen Gegner). In den sechziger Jahren gewann der Maoismus u. a. über das Rote Buch mit den Aussprüchen und Gedanken Maos für kurze Zeit Einfluss auf Studentenbewegungen in Europa und Nordamerika, die von seinem anscheinenden Antiautoritarismus und Voluntarismus eingenommen waren. Er spielte auch eine gewisse Rolle in Ländern der Dritten Welt, in denen Revolutionäre die von Mao in den dreißiger Jahren erfolgreich angewandte Guerilla-Kriegsführung kopierten und sich Maos These von den Entwicklungsländern als Ausgangspunkt der Weltrevolution zu eigen machten.
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