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Sir Richard Attenborough

Enzyklopädieartikel

Sir Richard Attenborough (*1923), britischer Schauspieler und Regisseur. Der größte internationale Erfolg gelang ihm mit der mehrfach Oscar-prämierten monumentalen Filmbiographie Gandhi (1982; Ghandi).

Attenborough wurde am 29. August 1923 in Cambridge (England) geboren und wuchs in Leicester auf, wo sein Vater als College-Direktor arbeitete. Er studierte Schauspiel als Stipendiat der Royal Academy of Dramatic Art (RADA) in London und war ab 1941 als Bühnenschauspieler tätig. Sein erstes Engagement beim Film hatte er in dem Kriegsfilm In Which We Serve (1942; Wofür wir dienen) unter der Regie von Noël Coward und David Lean. Von 1943 bis 1946 diente Attenborough in der Royal Air Force, ab 1944 in der RAF Film Unit. Nach dem 2. Weltkrieg setzte er seine Filmarbeit fort. Für Aufsehen sorgte er mit seiner psychologisch differenzierten Darstellung eines ängstlichen Versagers in der Graham-Greene-Verfilmung The Man Within (1947; Piratenliebe), ein Typus, auf den er in der ersten Phase seiner Karriere festgelegt wurde. Auch seine Verkörperung des abstoßenden Teenagermörders in Brighton Rock (1947; Am Abgrund des Lebens) war exzellent und bestätigte sein schauspielerisches Talent. In sympathischen Rollen war er nur selten zu sehen, bis ihm mit der Mitwirkung in den Komödien Private’s Progress (1956), The Baby and the Battleship (1956) und Brothers in Law (1957) der Sprung ins Charakterfach gelang.

1959 gründete Attenborough zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Bryan Forbes die Produktionsgesellschaft Beaver Films, die sich auf ehrgeizige Projekte mit jedoch wenig publikumswirksamen Themen spezialisierte, wie The Angry Silence (1960; Zorniges Schweigen), in dem Attenborough die Hauptrolle übernahm, und Séance on a Wet Afternoon (1964; An einem trüben Nachmittag). Es folgten weitere Rollen in englischen und amerikanischen Filmen, in denen er seine Vielseitigkeit als Darsteller demonstrieren konnte, darunter John Sturges’ The Great Escape (1963; Gesprengte Ketten), Robert Aldrichs The Flight of the Phoenix (1965; Der Flug des Phönix) und der Kriegsfilm The Sand Pebbles (1966; Kanonenboot am Yangtse-Kiang). Seine erste eigenständige Regiearbeit war Oh! What a Lovely War! (1969), die Verfilmung einer satirischen Theaterrevue über den 1. Weltkrieg. Von ähnlicher Thematik, aber gänzlich anderer Machart, ist sein hochkarätig besetzter Kriegsfilm A Bridge Too Far (1976; Die Brücke von Arnheim) über ein spektakuläres Luftlandeunternehmen der Alliierten im 2. Weltkrieg. Als Attenboroughs beste darstellerische Leistung gilt der Psychothriller Magic (1978; Magic – Eine unheimliche Liebesgeschichte) über einen schizophrenen Bauchredner, dessen Puppe sich zu seinem zweiten Ich entwickelt.

Seinen größten internationalen Erfolg als Regisseur erzielte Attenborough mit dem in Hollywood produzierten Monumentalfilm Gandhi (1982), der mit aufwendigen Massenszenen und weitgehend authentisch den Lebensweg Mahatma Gandhis nachzeichnet. Das Werk wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet – u. a. in den Katagorien bester Film, beste Regie und bester männlicher Hauptdarsteller (Ben Kingsley); der Regisseur beschrieb seine 20-jährige Beschäftigung mit diesem Projekt in dem Buch In Search of Gandhi (1982). Es folgten die weniger erfolgreichen Regiearbeiten A Chorus Line (1985), ein Film aus dem New Yorker Musical-Milieu, das Anti-Apartheid-Melodram Cry Freedom (1987; Der Schrei nach Freiheit), Chaplin (1991; Chaplin), eine Filmbiographie über Charlie Chaplin, das Liebesdrama Shadowlands (1993) und das Melodram Grey Owl (1999; Grey Owl).

Nachdem Attenborough letztmals in der Komödie The Chess Players (1977; Die Schachspieler) von Satyajit Ray vor der Kamera gestanden hatte, hatte er für anderthalb Jahrzehnte die Schauspielerei aufgegeben und kehrte erst mit dem Kassenmagneten Jurassic Park (1993; Jurassic Park) von Steven Spielberg auf die Leinwand zurück; er ist nach wie vor aktiv im Filmgeschäft, so mit der Darstellung des Weihnachtsmannes in Les Mayfields spannungsarmer Komödie Miracle on 34th Street (1994; Das Wunder von Manhattan). Für seine Verdienste um den englischen Film wurde Attenborough von Königin Elisabeth II. geadelt: 1976 wurde er zum Sir erhoben, 1993 zum Lord. Zudem übernahm Attenborough zahlreiche Ehrenämter, u. a. als Vorsitzender der Royal Academy of Dramatic Art und als Vizepräsident der British Academy of Film and Television Arts.

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