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Windows Live® Suchergebnisse GeldmengeEnzyklopädieartikel
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Geldmenge, allgemeine Bezeichnung für die Zahlungsmittel, die in einer Volkswirtschaft zum Kauf von Gütern, zum Erwerb finanzieller Forderungen sowie zur Tilgung von Schulden verfügbar sind. Bedingt durch die Verschiedenartigkeit der Zahlungsmittel, gibt es unterschiedlich umfassende Geldmengendefinitionen. Die Geldmenge M1 besteht aus dem in einer Volkswirtschaft oder in einem Währungsraum umlaufenden Bargeld (Banknoten, Münzen, Bargeld auf Geldkarten) und den Sichteinlagen, die die Bürger und die inländischen Unternehmen (Nichtbanken) bei den Geschäftsbanken (Banken und Sparkassen) unterhalten. Sichteinlagen sind Buchgeldbestände, über die deren Besitzer täglich verfügen können, beispielsweise die Guthaben auf Girokonten; sie können jederzeit in Bargeld umgetauscht werden Die Geldmenge M2 erhält man, wenn man die Geldmenge M1 um die Termineinlagen der Bürger und der inländischen Unternehmen (Nichtbanken) erweitert, die für weniger als vier Jahre festgelegt sind, z. B. Drei-Monats-Festgelder. Die Geldmenge M3 umfasst die Geldmenge M2 und die Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist der Bürger und inländischen Unternehmen (Nichtbanken). In der Regel ist in Deutschland M3 gemeint, wenn von „der Geldmenge” die Rede ist. Neben den drei genannten Abgrenzungen gibt es noch eine vierte, die so genannte Zentralbankgeldmenge. Diese setzt sich aus dem umlaufenden Bargeld (ausgenommen die Kassenbestände der Banken und Sparkassen) und der Inlandsmindestreserve der Kreditinstitute zusammen. Die Mindestreserve ist ein Teil der bei den Kreditinstituten eingelegten Kundengelder (Sicht-, Termin-, Spareinlagen), den die Kreditinstitute selbst bei der Zentralbank verzinslich hinterlegen müssen. Sie ergibt sich aus dem Umfang der genannten Einlagen und den für diese jeweils geltenden Mindestreservesätzen. Den beiden Komponenten der Zentralbankgeldmenge ist gemeinsam, dass die Zentralbank ihren Umfang direkt beeinflussen kann, denn erstens besitzt sie das Monopol der Banknotenausgabe, und zweitens legt sie die Mindestreservesätze fest.
Der Wert des Geldes hängt von seiner Kaufkraft ab. Wenn die Geldmenge steigt, während das Güterangebot unverändert bleibt, erhöhen sich die Preise. Mit einer bestimmten Geldeinheit, z. B. mit einem Euro, können dann weniger Güter erworben werden als vorher. Der Realwert des Geldes sinkt, d. h., es kommt zu Inflation. Eine wichtige Aufgabe der Zentralbank als geldpolitischer Instanz ist es, den Geldwert und damit das Preisniveau stabil zu halten. Sie versucht, die Inflationsrate möglichst gering zu halten, indem sie Einfluss auf die Geldmenge nimmt. Dahinter steht die einfache Überlegung, dass die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen unter sonst gleichen Bedingungen umso höher ist, je mehr Geld die Wirtschaftseinheiten zur Verfügung haben.
Zur Regulierung der Geldmenge stehen der Zentralbank verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung. Beispielsweise kann sie die Mindestreservesätze erhöhen und auf diese Weise die Geschäftsbanken dazu verpflichten, einen höheren Prozentsatz ihrer Kundeneinlagen als zuvor bei ihr zu hinterlegen. Dadurch wird der Spielraum der Kreditinstitute zur Vergabe von Krediten eingeschränkt: Sie haben weniger Geld zur Verfügung, das sie an ihre Kunden ausleihen können. Ein zentrales geldpolitisches Instrument ist die so genannte Offenmarktpolitik. Schon vor der Einführung des Euro ab dem Jahr 1999 spielten die von der Deutschen Bundesbank durchgeführten Wertpapierpensionsgeschäfte eine zunehmend wichtigere Rolle am Geldmarkt, d. h. dem Markt für kurzfristig verfügbare Liquidität. Im Rahmen dieser Geschäfte verkaufen die Kreditinstitute Wertpapiere an die Zentralbank und verpflichten sich, die Papiere zu einem späteren Termin (meist nach zehn bis 30 Tagen) wieder zurückzukaufen. Die Kreditinstitute erhalten also gegen die Herausgabe der Wertpapiere kurzfristige Liquidität, ebenso wie bei einem Kredit. Der Kredit wird dadurch verzinst, dass der Rückkaufspreis höher liegt als der Ankaufspreis. Neben den geschilderten befristeten Transaktionen gibt es auch Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren ohne Rücknahmevereinbarung, die man als endgültige Offenmarktgeschäfte bezeichnet. Eine Veränderung der An- und Rückkaufssätze für Offenmarktpapiere beeinflusst die Liquidität der Kreditinstitute und dadurch auch das am Geldmarkt herrschende Zinsniveau: Kauft die Zentralbank Wertpapiere, so vergrößert sich die Geldmenge in der Volkswirtschaft; die Banken können mehr Kredite vergeben, was tendenziell die Zinsen unter Druck setzt. Umgekehrt verringert ein Wertpapierverkauf seitens der Zentralbank die Geldmenge, was tendenziell höhere Zinsen bewirkt. Die Europäische Zentralbank (EZB), seit dem 1. Januar 1999 für die Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet zuständig, führt zur Steuerung der Geldmenge Offenmarktgeschäfte am Geldmarkt durch, analog zu den früheren Wertpapierpensionsgeschäften der Deutschen Bundesbank. Durch Veränderungen der Bedingungen am Geldmarkt nimmt sie indirekt Einfluss auf die Zentralbankgeldmenge. Bei den so genannten Hauptrefinanzierungsgeschäften wird den Geschäftsbanken gegen die Hinterlegung von Sicherheiten Zentralbankgeld mit einwöchiger Laufzeit angeboten. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte ist der wichtigste Leitzins der EZB, mit dem Einfluss auf die Geldmenge und das Zinsniveau genommen wird. Daneben bietet die EZB in den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften Geld mit einer Laufzeit von drei Monaten an. Flankierend reguliert die EZB das Zinsniveau durch weitere Leitzinsen: Die Einlagefazilität, zu der Geschäftsbanken Geld für einen Tag bei der Zentralbank anlegen können, markiert die Untergrenze, die Spitzenrefinanzierungsfazilität, zu der Banken für einen Tag Geld von der Zentralbank leihen können, die Obergrenze der Geldmarktzinsen. Die Einlagefazilität ist 1999 an die Stelle des Diskontsatzes getreten, des bis dahin wichtigsten Leitzinses in Deutschland. Der Diskontsatz war eines der ältesten Mittel der Geldpolitik. Die Deutsche Bundesbank kaufte gegen einen Wertabschlag, den Diskont, von den Geschäftsbanken Handelswechsel vor Fälligkeit auf. Der Diskontsatz markierte die Untergrenze der Geldmarktzinsen. Durch seine Anhebung bzw. Senkung konnte die Bundesbank die Bereitstellung von Liquidität für die Banken verteuern bzw. verbilligen. Dies wiederum bewirkte, dass die Geldmenge ab- oder zunahm und so mittelbar die Kredite für Bankkunden teurer oder billiger wurden. Die Funktion der Spitzenrefinanzierungsfazilität erfüllte der Lombardsatz, d. h. der Zinssatz, zu dem die Geschäftsbanken gegen die Verpfändung von Wechseln und anderen Wertpapieren kurzfristig Geld von der Zentralbank leihen konnten. Die Bezeichnung dieser Art von Offenmarktgeschäft geht auf das Mittelalter zurück. Damals erhielten die Geldverleiher in der Lombardei als erste Christen entgegen dem kirchlichen Zinsverbot das Recht, Geld gegen einen Zins zu verleihen; bald hatte es sich eingebürgert, Geldverleiher unabhängig von ihrer Herkunft als „Lombarden” zu titulieren.
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