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Windows Live® Suchergebnisse Roland BarthesEnzyklopädieartikel
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Roland Barthes (1915-1980), französischer Literaturkritiker, Soziologe und Philosoph. Er war einer der Hauptvertreter des Strukturalismus und der Semiotik in Frankreich. Barthes wurde am 12. November 1915 in Cherbourg geboren. Nach einem Philologiestudium an der Sorbonne zwischen 1934 und 1939 zwang ihn ein Tuberkuloseleiden bis 1947 zu mehreren Sanatoriumsaufenthalten. Während dieser Zeit setzte er sich intensiv mit dem historischen Materialismus von Karl Marx und mit den Schriften des Historikers Jules Michelet (1798-1874) auseinander, über den er auch ein Essay verfasste (Michelet par lui-même, 1954, Michelet). Nach 1946 schrieb Barthes literaturkritische Artikel für die linksgerichtete Tageszeitung Combat, die später im Sammelband Le degré zéro de l’écriture (1953; Am Nullpunkt der Literatur) erschienen. Außerdem hielt er ab 1948 Vorlesungen in Bukarest und Alexandria, bevor er sich am Pariser Centre National de la Recherche Scientifique lexikologischen und soziologischen Studien widmete. Aus dieser Zeit stammt auch seine Untersuchung zu den Mythen des Alltags (1957, Mythologies), die ein an der Linguistik Ferdinand de Saussures orientiertes Zeichenmodell auf Gesellschaftsphänomene anzuwenden sucht. 1962 wurde Barthes zum Leiter der École Pratique des Hautes Études, 1976 dann zum Professor für Semiologie am Collège de France ernannt. Er starb am 26. März 1980 bei einem Autounfall in Paris.
1963 löste Barthes mit seinem Werk Sur Racine eine akademische Kontroverse aus. Als Anhänger des strukturalistischen Verfahrens verzichtete er auf die kontextuelle Einbettung von Literatur und vertrat die Ansicht, dass Interpretation allein über die Inbezugsetzung der das Werk konstituierenden Elemente (also über die Entdeckung der Struktur) funktionieren müsse. Bei seinen theoretischen Ausführungen schloss er bewusst die Bereiche der Musik, der bildenden Kunst, des Filmes und der Photographie mit ein, wobei er jeweils auf die Besonderheiten der Kunstform Rücksicht nahm. War Barthes zunächst stark vom Marxismus beeinflusst, so begann er in den sechziger Jahren verstärkt, die linguistische Lehre de Saussures auch für die Gesellschafts- und Literaturkritik fruchtbar zu machen. Später wandte er sich vom dogmatischen Zeichenmodell de Saussures ab, welches dem Interpreten bei der Deutung kaum Freiheit zugestand, und betonte wie Charles Sanders Peirce (und später Umberto Eco) die aktive Rolle des Rezipienten. Dabei entsteht der Text beim Lesen als „semiologisches Abenteuer” und „Spiel der Signifikanten” immer wieder neu. Der Produzent des Textes ist damit letztlich der Leser. Durch seine an der Oberflächenstruktur der Dinge orientierten Studien leistete Barthes wichtige Vorarbeiten zur Entstehung des Nouveau Roman, dessen exponierteste Vertreter Alain Robbe-Grillet und Nathalie Sarraute sich bewusst auf ihn beziehen. Am Ende seines Lebens erhielt seine Arbeit zudem eine dezidiert moralische Perspektive. Neben Julia Kristeva und Jacques Derrida gehörte Barthes zudem zu den zentralen Gestalten der Gruppe Tel Quel, die sich um die gleichnamige Avantgardezeitschrift gruppiert hatte und unter Einbezug der Literaturtheorien Wiktor Schklowskijs, Boris Eichenbaums, Roman Jakobsons, der Semiotik und der Psychoanalyse (später auch des Marxismus) eine strukturale Analyse des Kunstwerks unternahm. Ziel war die Untersuchung des ästhetischen Werts, aber auch des subversiven Potentials von Dichtung im Sinn Paul Valérys. Zu Roland Barthes’ weiteren Werken gehören Eléments de sémiologie (1965; Elemente der Semiologie), Critique et vérité (1966; Kritik und Wahrheit), Système de la mode (1967; Die Sprache der Mode), S/Z (1970), L’empire des signes (1970; Das Reich der Zeichen), Le plaisir du texte (1973; Die Lust am Text), Fragments d’un discours amoureux (1977; Fragmente einer Sprache der Liebe), La chambre claire (1980; Die helle Kammer). 1975 erschien seine Autobiographie Roland Barthes par Roland Barthes (Ich über mich selbst), die in der Nachfolge Friedrich Nietzsches die Existenz objektiver Tatsachen leugnet und die immer vorhandene Interpetation des Faktischen durch den Beobachter konstatiert: „All dies muß als etwas betrachtet werden, was von einer Romanperson gesagt wird.”
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