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  • Biographie: Walter Benjamin, 1892-1940

    1892-1940 Walter Benjamin Schriftsteller 1892 15. Juli: Walter Benjamin wird in Berlin als Sohn des Antiquitäten- und Kunsthändlers Emil Benjamin und dessen Frau Pauline (geb.

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    1892 : Walter Benjamin wird am 15. Juli als erstes von drei Kindern in Berlin geboren. Er wächst in einer großbürgerlichen jüdisch-assimilierten Familie auf.

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Walter Benjamin

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Walter BenjaminWalter Benjamin
Artikelgliederung
1

Einleitung

Walter Benjamin, Pseudonyme Benedix Schönflies, Detlef Holz, (1892-1940), deutscher Philosoph, Essayist und Kritiker.

2

Biographie

Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 als Kind eines wohlhabenden Mitinhabers eines Auktionshauses in Berlin geboren. In seinen 1932/33 entstandenen autobiographischen Prosastücken Berliner Kindheit um 1900, die in der Frankfurter Zeitung und Vossischen Zeitung erschienen (posthum 1950 als Buch), reflektierte er u. a. seine eigene großbürgerliche jüdische Herkunft. Von 1912 bis 1919 studierte er Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg/Breisgau, Berlin und München. 1915 veröffentlichte er eine erste größere Arbeit, Das Leben der Studenten, in der er sich kritisch mit der eigenen Vergangenheit in der Jugendbewegung und der Freien Studentenschaft auseinandersetzte.

Angeregt durch den Kabbala-Forscher Gershom Scholem, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, schrieb er 1916 den spekulativ-kabbalistischen Essay Über die Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen. Diesen Aufsatz wie sein messianisches Theologisch-politisches Fragment, das 1920 entstand, hat Benjamin zu Lebzeiten nicht veröffentlicht. Die Texte zirkulierten nur in einem ausgewählten Freundeskreis. Seine messianisch-eschatologische Geschichtsauffassung erweiterte er Mitte der zwanziger Jahren mit der Übernahme von marxistischen Theorien.

1919 promovierte Benjamin in Bern bei Richard Herbertz mit der Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik (1920). In der Folgezeit bis zu seinem Tod arbeitete er als freier Publizist und schrieb zahlreiche Essays und Kritiken für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, ab 1929 auch für den Rundfunk. Zu seinen wichtigsten literarischen Arbeiten gehören die Essays über Johann Peter Hebel, Karl Kraus und über den Surrealismus. Benjamin setzte sich vor allem mit der französischen Literatur (Marcel Proust, Charles Baudelaire, Louis Aragon) auseinander und setzte sich für die deutschsprachige Avantgarde wie Bert Brecht, Franz Kafka und Paul Scheerbart ein.

Mit seiner kunstphilosophischen Abhandlung Ursprung des deutschen Trauerspiels, einer Untersuchung über die Geschichte des deutschen Barockdramas, wollte sich Benjamin 1925 an der Frankfurter Universität habilitieren. Die gegen damalige philosophische und philologische Traditionen gerichtete Arbeit wurde aber wegen ideologischer und methodologischer Vorbehalte von der Fakultät nicht angenommen. Die Abhandlung wandte sich entschieden gegen jegliche induktiv einfühlungsästhetische Literaturbetrachtung. Die Buchfassung dieses sprachtheoretisch ausgerichteten und geschichtsphilosophisch fundierten Entwurfs einer materialistischen Erkenntnistheorie erschien erst 1928.

1933 musste Benjamin nach Paris emigrieren, und er wurde freier Mitarbeiter bei der von Max Horkheimer herausgegebenen kulturkritischen neomarxistischen Zeitschrift für Sozialforschung, die 1930 am seit 1923 existierenden Frankfurter Institut für Sozialforschung gegründet worden war.

Auf der Flucht vor der deutschen Besatzungsmacht über die Pyrenäen nach Spanien nahm sich Walter Benjamin am 26./27. September 1940 im katalonischen Ort Port-Bou (Provinz Gerona) das Leben. Hier befindet sich seit 1991 in Gedenken an Walter Benjamin ein Environment des israelischen Künstlers Dani Karavan.

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Werk

Benjamin wurde nicht zuletzt wegen seiner ästhetischen Theorien und seiner der Produktionsästhetik und literarischen Techniken verpflichteten Kritik zu einem der wichtigsten Rezensenten und Literaten seiner Zeit. Zusammen mit seinem Trauerspiel-Buch und dem großen Goethe-Essay über die Wahlverwandschaften (1925) hatte Benjamin seine eigene Kunsttheorie formuliert, die eine Abkehr von der klassischen Kunstauffassung vom autonomen Kunstwerk markierte. In seinem späteren Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, der 1936 gekürzt in Französisch erschienen war und erst posthum 1963 vollständig publiziert wurde, begründete er noch einmal nachhaltig seine materialistische Auffassung vom entmythologisierten Kunstwerk in der Moderne.

Zu seinen Hauptwerken zählen neben den oben erwähnten: Einbahnstraße (1928), eine Sammlung von philosophischen Skizzen und Fragmenten, so genannte „Lesestücke” über die Normaluhr, Stehbierhalle oder Coiffeur für penible Damen usw. Diese unter der Metapher „Straße” versammelten kurzen essayistischen Feuilletons sind philosophische Bruchstücke und Beschreibungen von alltäglichen Erscheinungsformen sozialhistorischer Phänomene und Gegenstände (Puppenstuben, Dekorationen von Jahrmarktsbuden oder Wohnungseinrichtungen usw.), die mosaikartig ein Bild kultureller Landschaften zusammensetzen. Die literarische Form der Einbahnstraßen-Texte ist in ihrer „surrealistischen Denkart” als philosophische „Revueform” einem ähnlich konzipierten Werk von Ernst Bloch, Spuren (1930), verwandt.

Die kommentierte Briefsammlung Deutsche Menschen. Eine Folge von Briefen (1936) veröffentlichte Benjamin zunächst unter dem Pseudonym Detlef Holz zwischen April 1931 und und Mai 1932 in der Frankfurter Zeitung. Der national anmutende Titel des Bandes richtete sich gegen die pathetische nationalistische Propaganda der Zeit: Dokumentiert sind Briefe (u. a. von Georg Christoph Lichtenberg, Friedrich Schlegel, Clemens Brentano, Wilhelm und Jacob Grimm, Annette von Droste-Hülshoff), die in der humanistischen Tradition der deutschen Geistesgeschichte seit der Aufklärung stehen. Diese Briefsammlung will eine „deutsche Bildungsgeschichte” sein, wie Benjamin im Entwurf eines Vorwortes schrieb.

Benjamins geschichtsphilosophischen Betrachtungen, die er in 18 Thesen auf elf Seiten zusammenfasste, entstanden Ende 1939 bis Anfang 1940 im Exil und wurden erst posthum 1942 unter dem Titel Über den Begriff der Geschichte veröffentlicht. Hier beleuchtet er angesichts der Ereignisse des ersten Jahres des 2. Weltkrieges kritisch den Historismus und den Fortschrittsglauben im Spannungsverhältnis von historischem Materialismus und Theologie.

Ein Zeugnis einer langen persönlichen und intellektuellen Freundschaft ist der Briefwechsel mit Gershom Scholem (1980). Kennen gelernt hatten sich beide 1915 an der Berliner Universität. In ihren Briefen diskutierten sie jüdische Mystik und Theologie, informierten sich über ihre schriftstellerischen Vorhaben und tauschten sich über ihre Begegnungen mit den führenden Intellektuellen ihrer Zeit aus. Damit wurde dieser Briefwechsel zu einer interessanten Quelle der rezeptionsgeschichtlichen Erforschung des kulturellen Lebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Passagen-Werk blieb unvollendet und wurde erst über 40 Jahre nach Benjamins Tod in einer zweibändigen Ausgabe 1980 von den Herausgebern des Gesamtwerks, Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, zusammengestellt und publiziert.

Benjamin begann bereits 1927 sich mit diesem Projekt einer materialistischen Geschichtsphilosophieschreibung zu beschäftigen. Sein Entwurf sollte neue Ansichten auf Vertrautes ermöglichen, so wie (im übertragenen Sinn) die Pariser Passagen des 19. Jahrhunderts, die mit allerlei Geschäften und Läden ausgestattet waren, Verbindungen zwischen Häuserblocks und parallel verlaufenden Straßen herstellten. Benjamin begann mit einem kleinen Aufsatz über die städtebauliche Passagenarchitektur und knüpfte daran weitergehende kulturphilosophische Überlegungen an, in deren Zentrum zu Beginn noch die Geschichte des Warenhauses, wie es sich auch in den Passagen darstellte, stand. Die beiden Exposés Pariser Passagen. Eine dialektische Feerie (1927-1929) sowie Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts (1935 in Deutsch, 1937 in Französisch) bildeten den Kern der materialreichen Sammlung von Notizen und Zitaten. Auch hier ging es Benjamin wie schon in seinen Einbahnstraßen-Texten darum, wenig beachtete Dinge des alltäglichen Gebrauchs oder des Vergnügens durch eine literarische Darstellungsform als Material für eine geschichtsphilosophische Kulturbetrachtung in die Gegenwart zu retten. Über die Beschreibung der Mode, der Panoramen und der Passagen, über die Charakterisierung von Spielern, Sammlern, Prostituierten etc. sollte die „Urgeschichte der Moderne” darstellbar werden. Für ihn war die Moderne gekennzeichnet durch eine unbändige Gier nach Sensationen der neuesten technischen wie kulturellen Errungenschaften, gepaart mit einer zeitlosen Sehnsucht nach der „ewigen Wiederkehr alles Gleichen”. Als Marxist kritisierte Benjamin im Passagen-Werk die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, vor allem die der Bourgeoisie, die im eigenen falschen Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Stellung nicht gerecht geworden sei. Mit der Montagetechnik des Passagen-Werks machte Benjamin deutlich, dass alle von ihm vorgestellten und zusammengetragenen Kulturphänomene ein Ausdruck ihrer ökonomischen Bedingungen sind. Das unvollendet gebliebene, kulturhistorisch so materialreiche Konvolut von Fundstücken und Anmerkungen Benjamins ist in der Form einer Stoffsammlung über die historischen und geistesgeschichtlichen Aspekte hinaus ein „Steinbruch” der späteren Kulturgeschichtsschreibung und -wissenschaft geworden.

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Wirkung

Benjamin wurde insbesondere in den sechziger Jahren von den Kulturwissenschaften wieder entdeckt und stark rezipiert. Die Aktualität Walter Benjamins (so auch der Titel einer gleichnamigen Aufsatzsammlung zum Werk Benjamins, 1972 herausgegeben von Siegfried Unseld) drückte sich in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten aus, die seinen methodologischen und wissenschaftstheoretischen Ansatz aufgegriffen haben. Diese vielfältigen, zum Teil mehr sozialhistorischen Arbeiten haben unabhängig von ihrer ideologischen oder wissenschaftlichen Ausrichtung einen neuen Diskurs über die Phänomenologie der Alltagswelt und -kultur eröffnet.

Während der Studentenrevolte wurde Benjamin von Linksintellektuellen als einer der ihren, ja als Kronzeuge der Revolte wieder entdeckt. Zunächst waren nur seit 1950 die Berliner Kindheit und fünf Jahre später die von Theodor W. Adorno editierten zweibändigen Schriften und das Einbahnstraße-Buch verfügbar. Einige Texte wurden in den sechziger Jahren vereinzelt in Zeitschriften und auch als Raubdrucke veröffentlicht. Die komplizierte Editionsgeschichte von Walter Benjamins Werk fand erst in den Gesammelten Werken (herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hans Schweppenhäuser) 1980 in 12 Bänden ihren Abschluss. Die inzwischen sehr umfangreiche und weltweite Forschung sieht in Walter Benjamin eine der bedeutenden Gestalten der deutschen Literatur- und Philosophiegeschichte. Seine methodischen und geschichtsphilosophischen Ansätze zur Entschlüsselung der Moderne enthalten nach wie vor Anregungen zur wissenschaftlichen Betrachtung der Kulturgeschichte bereit.

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