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Nationalparks, Gebiete mit außergewöhnlicher, oft einmaliger Landschaftsform und/oder Naturraumausstattung – insbesondere Flora und Fauna –, die von Regierungen oder privaten Organisationen ausgewählt werden, um ihnen einen besonderen Schutz zuteilwerden zu lassen und sie vor Zerstörung oder negativer Veränderung zu bewahren. Flora und Fauna eines Nationalparks sind von besonderem Interesse für Forschung, Bildung und Erholung, oder die Naturlandschaft ist von besonderer Schönheit. Häufig stellen solche Gebiete wichtige Teile des kulturellen Erbes eines Landes dar und sind auch aus diesem Grund erhaltenswert. Nationalparks sind meistens großflächig, während Naturschutzgebiete sehr klein sein können. In Deutschland gibt es 14 Nationalparks, darunter die Nationalparks Bayerischer Wald, Berchtesgaden und (Niedersächsisches, Hamburgisches sowie Schleswig-Holsteinisches) Wattenmeer als die bekanntesten; außerdem gibt es die Nationalparks Unteres Odertal, Sächsische Schweiz (im Elbsandsteingebirge), Harz (im Mai 2004 mit dem Nationalpark Hochharz zusammengeschlossen), Müritz (in der Mecklenburgischen Seenplatte), Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund (beide an der Ostsee), Hainich (in Thüringen), den im Januar 2004 eingerichteten Nationalpark Eifel und den im Mai 2004 gegründeten Nationalpark Kellerwald-Edersee als jüngsten. Diese 14 Gebiete umfassen nur rund 2 Prozent des Bundesgebietes. Weil jedoch etwa drei Viertel dieser Fläche zum Wattenmeer gehören, sind nur etwa 0,5 Prozent der Landesfläche als Nationalpark ausgewiesen. In Deutschland existieren darüber hinaus verschiedene Formen von Schutzgebieten: Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturparks und Naturdenkmale.
Die Idee, Nationalparks und Naturschutzgebiete zu schaffen, entwickelte sich im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung und die damit einhergehenden und immer deutlicher sichtbaren Umweltschäden. Das neue Bewusstsein, dass die Natur eines Schutzes bedarf, kam zunächst in den dicht besiedelten Regionen Westeuropas und Nordamerikas auf; in den meisten anderen Teilen der Welt waren die Auswirkungen auf die riesigen, noch relativ unberührten und nur spärlich besiedelten Regionen dagegen deutlich geringer und die Natur schien dort noch intakt und nicht schutzbedürftig. Beispiele für solche, kaum vom Menschen beeinflussten Gegenden sind die nordamerikanischen Great Plains, das Amazonasbecken, die afrikanischen Wälder südlich der Sahara oder der australische Busch. Das moderne Konzept, bestimmte Teile der Landschaft freiwillig zu schützen und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen statt sie der Ausbeutung und Zerstörung preiszugeben oder sie weiterhin nur den reichen und privilegierten Bevölkerungsschichten zu überlassen (wie etwa manche Jagdgebiete), hatte seinen Ursprung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1832 rief der amerikanische Landschaftsmaler George Catlin zum Schutz der unberührten Gebiete im Westen der USA auf, die er gemalt hatte. 1835 schlug der englische Dichter William Wordsworth in einem Führer seine Heimatgegend, den Lake District, als eine Art nationales Eigentum vor; doch war er im Gegensatz zu den meisten späteren Naturschützern, die für die Einrichtung von Nationalparks kämpften, gegen zunehmende Besucherströme in dieses schützenswerte Gebiet. Der Yellowstone Nationalpark gilt als der erste Nationalpark der Welt. Er wurde 1872 vom Kongress der Vereinigten Staaten ausgewiesen. Der Begriff „Nationalpark” wurde jedoch erstmals für den Royal Nationalpark verwendet, der 1879 im australischen Bundesstaat New South Wales (südlich von Sydney) gegründet wurde. Das Konzept des Nationalparks breitete sich während der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts auch in Kanada und Neuseeland aus und führte zur Errichtung mehrerer weiterer Parks, bevor 1909 in Schweden der erste Nationalpark Europas gegründet wurde. Der erste deutsche Nationalpark ist der Nationalpark Bayerischer Wald, er wurde 1970 gegründet, hat eine Fläche von etwa 13 000 Hektar und befindet sich im größten geschlossenen Waldgebiet Mitteleuropas. Im 20. Jahrhundert entstanden weltweit viele weitere Nationalparks, vor allem in Afrika – darunter die berühmten Gebiete mit üppigem Wildbestand wie Serengeti Nationalpark, Krüger Nationalpark oder Tsavo Nationalpark – sowie in Indien, Brasilien, Australien, Neuseeland und verschiedenen Ländern Europas. Der Schutzstatus eines Nationalparks ist nicht international geregelt, sondern unterliegt den jeweiligen Gesetzen eines Landes, in Deutschland beispielsweise dem Bundesnaturschutzgesetz. Diese Gesetze regeln auch, ob und inwieweit Eingriffe im Bereich eines Nationalparks gestattet sind. Heute wird der Begriff „Nationalpark” fälschlich oft auch auf andere, meist kleinere und gewöhnlich weniger streng geschützte Gebiete angewendet, beispielsweise auf die Naturparks in Schottland und Irland, die National Wilderness Areas und National Monuments, die vom National Park Service der Vereinigten Staaten überwacht werden, die Provinzparks der kanadischen Provinzen oder die state parks der USA und Australien.
Zusätzlich zu den ursprünglichen Beweggründen des Landschaftsschutzes und der Erholung der Öffentlichkeit sind in der späteren Naturschutzbewegung viele Parks eingerichtet worden, um gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen und sie der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Das Jagen und andere Aktivitäten, die die natürlichen Abläufe stören oder gar zerstören würden, sind in diesen Gegenden verboten; die Öffentlichkeit darf das Gebiet meist gar nicht oder nur in sehr begrenztem Umfang betreten. Solche Gegenden sind manchmal Teile von Nationalparks, wie beispielsweise das Kanha-Tiger-Naturschutzgebiet im Kanha Nationalpark im Norden Indiens, und im Allgemeinen sind sie kleiner als die meisten Nationalparks. In den meisten Ländern sind Nationalparks in Regierungsbesitz und werden auch vom Staat verwaltet; teilweise erfolgt die Verwaltung jedoch durch Tierschutzorganisationen, nationale Stiftungen oder ähnliche Gesellschaften. In Großbritannien unterstehen zahlreiche Schutzgebiete dem National Trust, einer wohltätigen Vereinigung, die 1895 gegründet wurde und in diesem Land inzwischen der größte private Landeigentümer ist. Ähnliche Organisationen existieren auch in Australien und einigen anderen Ländern. In vielen Nationalparks und Naturschutzgebieten kommt es immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen der Erhaltung von Natur und Landschaft einerseits und der Nutzung durch den Menschen andererseits. Die menschlichen Eingriffe sind dabei von sehr unterschiedlicher Qualität und Intensität. Allein durch ihre enormen Zahlen verändern oder zerstören die Besucher von Nationalparks oft unwissentlich die Landschaft oder stören die Tier- und Pflanzenwelt, welche die eigentliche Attraktion des Parks darstellen. Als Reaktion auf diese Form der Bedrohung sind bereits einige der ursprünglich frei zugänglichen amerikanischen Nationalparks für die Öffentlichkeit ganz geschlossen worden, oder man schuf eine Obergrenze für die Besucherzahl, die bestimmte empfindliche Gebiete betreten darf. Vielfach errichtete man ausgewiesene Pfade oder Straßen, auf denen sich der Besucher ausschließlich bewegen darf, etwa in verschiedenen afrikanischen Parks, oder Besucher müssen sich einer geführten Tour anschließen, wie es z. B. in einigen Nationalparks in Indien der Fall ist. Anderes Konfliktpotential bieten die Erschließung von Rohstoffen und Bodenschätzen auf Gebieten der Nationalparks oder auch andere wirtschaftliche Interessen, die den Schutz des Parks gefährden können. Beispiele sind die erwogene Nutzung von Edelhölzern – Nationalparks in Tasmanien und auf der Südinsel Neuseelands wurden in den achtziger Jahren erweitert, um die Regenwälder vor der Abholzung zu bewahren –, der mögliche Anspruch von Elektrizitätsgesellschaften, die die Wasserkraft der Gebiete nutzen möchten, oder die Entdeckung von Gold, die etwa im Amazonas Nationalpark Brasiliens häufig zu Zusammenstößen zwischen Goldsuchern und der im Park lebenden Indianerbevölkerung führt. Die Bewahrung von landschaftlich schönen Gebieten, von nationalem Kulturerbe oder wissenschaftlich interessanten Gebieten ist vor allem in Entwicklungsländern problematisch. Dort sind Maßnahmen zur Begrenzung einer weiteren Erschließung von Landschaften für die Regierungen oder Naturschützer oft zu kostspielig oder stoßen auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung, die sich in ihren traditionellen Rechten und Gebräuchen eingeschränkt sieht. Um dennoch die Errichtung und Erhaltung von Nationalparks und Naturschutzgebieten in den Entwicklungsländern zu fördern und zu erleichtern, gibt es verschiedene Programme und Unterstützungsmaßnahmen der UNESCO und der FAO, insbesondere das UNEP (United Nations Environment Programme). Zusätzlich hat die UNESCO viele Nationalparks und Naturschutzgebiete auch selbst geschaffen, sowohl in Industrie- als auch in den Entwicklungsländern, indem sie sie auf die so genannte UNESCO-Liste des Welterbes setzte. Die Schaffung und Erhaltung von Nationalparks und Naturschutzgebieten wird in der gegenwärtigen Zeit expandierender Volkswirtschaften und wachsender Bevölkerungen zwar einerseits immer wichtiger, aber zugleich auch immer schwieriger.
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