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Naturkatastrophen

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Tsunami-Katastrophe in Südasien 2004Tsunami-Katastrophe in Südasien 2004
Artikelgliederung
1

Einleitung

Naturkatastrophen, Naturereignisse, durch die Menschen, Sachwerte und die Umwelt wesentlich und mehr oder weniger großräumig geschädigt werden.

Ob ein Naturereignis zur Naturkatastrophe wird, hängt von den verschiedenen Faktoren ab. Die Intensität des Ereignisses, die z. B. bei Erdbeben heute meist durch einen Wert der Richterskala beschrieben wird, ist ein wichtiger Faktor, aber nicht immer der entscheidende: In einem dünn besiedelten Gebiet etwa wird ein Beben der Magnitude 7,0 kaum Folgen für die Gesellschaft haben, in einer vor allem durch entsprechende Bauweise gut auf Beben eingestellten Region nur geringe Schäden hinterlassen, in einer schlecht vorbereiteten Stadt aber eine Katastrophe auslösen.

Die Grenzen zwischen Naturkatastrophen und den durch den Menschen fahrlässig oder böswillig verursachten katastrophalen Unfällen sind gleitend. Manche verheerende Katastrophen, wie große Bergstürze, unterscheiden sich im Ablauf und in den Folgen nicht von katastrophalen Naturereignissen, sind in Wirklichkeit jedoch quasinatürliche Vorgänge, die durch Eingriffe des Menschen ausgelöst werden, im Fall von Bergstürzen etwa durch unvorsichtig angelegte Steinbrüche und Verkehrswege. Viele Arten von Naturkatastrophen kann man durchaus auch den Umweltkatastrophen zuordnen, weil durch Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt die Risiken vergrößert und die Folgen verschlimmert werden. So hat z. B. an tropischen Küsten die Vernichtung der Mangrovenwälder, die als natürliche Wellenbrecher wirken könnten, vielerorts die Anfälligkeit für Tsunami-Katastrophen erhöht.

Dem landläufigen Bild von Naturkatastrophen entsprechen diese seismischen Wogen, die in kürzester Zeit ganze Landstriche verwüsten, am besten. Manche Entwicklungen mit katastrophalen Folgen laufen hingegen in sehr langen Zeiträumen und im Verborgenen ab, beispielsweise die Bodenversalzung und -versauerung.

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Naturgefahren

Zahlreiche natürliche Prozesse oder Phänomene können schwere Schäden bewirken. Vier große Gruppen von Naturgefahren sind hierbei zu unterscheiden:

1. Geologische Gefahren, die ihren Ursprung hauptsächlich im Erdinnern haben, wie Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Massenbewegungen unter dem Einfluss der Schwerkraft (vom Steinschlag über die Mure bis zum Bergsturz) oder plötzliche Einbrüche der Erdoberfläche, die besonders in Karstgebieten eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen.

2. Hydrometeorologische oder atmosphärische Gefahren wie etwa Hochwasser, tropische Wirbelstürme, Tornados, Sturmfluten, Hagelschlag, Starkregen, Sand-, Staub-, Schnee- und Eisstürme, Eis- und Schneelawinen, lang andauernde Dürreperioden, die oft von Wald- und Buschbränden begleitet sind, extreme Kältewellen sowie Hitzewellen, die z. B. im ungewöhnlich heißen Sommer 2003 mehrere zehntausend Todesopfer in Mitteleuropa gefordert haben.

3. Biologische Gefahren, die vor allem die durch massenhaft auftretende Tiere und Mikroorganismen verursachten Risiken umfassen, beispielsweise Heuschreckenplagen oder Schädlingsbefall in den Wäldern. Epidemien werden allerdings gewöhnlich nicht zu den Naturkatastrophen gezählt.

4. Extraterrestrische Gefahren, also Naturgefahren, die von außen, aus dem Weltraum, auf die Erde und ihre Bewohner einwirken oder möglicherweise wie die regelmäßig in überdurchschnittlicher großer Anzahl auftretenden Sonnenflecken die irdischen Risiken erhöhen könnten. In diesem Fall reicht die Spannbreite der Risiken von den vergleichsweise harmlosen magnetischen Stürmen bis zum Einschlag von Kometen und anderen fremden Himmelskörpern, der das gesamte Leben auf der Erde auslöschen könnte.

Die Gliederung in Gruppen bedeutet freilich nicht, dass die Naturgefahren stets unabhängig voneinander wirksam würden. Sie treten vielmehr häufig in Kombination auf und verstärken sich. So führen Erdbeben über die starken Erschütterungen hinaus oft dazu, dass sich bestimmte, an und für sich feste Sedimente von einer Sekunde zur anderen in einen flüssigen Gesteinsbrei verwandeln. Erdbeben lösen darüber hinaus nicht selten Eis- und Gerölllawinen aus.

Das Risiko, Opfer einer der genannten Naturgefahren zu werden, ist im globalen Vergleich sehr unterschiedlich hoch. Mitteleuropa gehört zu den sichereren Zonen; katastrophale Ausmaße nehmen hier zuweilen nur Lawinen und Bergstürze in den Hochgebirgen sowie Überschwemmungen und Sturmfluten an der Nordseeküste an. Weltweit sind insbesondere der Kettengebirgsgürtel, der sich vom Mittelmeer bis nach Südostasien erstreckt, Südasien, Ostasien, Mittelamerika sowie der gesamte Umkreis des Pazifischen Ozeans von Naturkatastrophen stark betroffen. Dort kam es in der Vergangenheit wiederholt zu verheerenden Naturereignissen mit mehreren hunderttausend Todesopfern und Millionen von Obdachlosen.

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Folgen

Tropische Wirbelstürme, Erdbeben und Überschwemmungen als folgenschwerste Naturkatastrophen richten im Allgemeinen die größten Schäden an und fordern die meisten Opfer. Dies beruht allerdings oft nicht auf unmittelbarer Einwirkung des Windes, der Erschütterungen und des Wassers, sondern auf den indirekten Folgen: Nach den Katastrophen breiten sich häufig Seuchen aus, es kommt zu Hungersnöten und verheerender Umweltverschmutzung. Bei dem Erdbeben, das 1923 einen Großteil Tokyos zerstörte, starben die meisten Menschen nicht unter den Trümmern ihrer Häuser, sondern in den Bränden, die sich nach dem Beben rasch in der Stadt ausbreiteten. Ein erneutes Erdbeben ähnlicher Größenordnung, mit dem in Tokyo jederzeit gerechnet werden muss, hätte heute nicht nur in Japan verheerende Folgen, vielmehr wäre die gesamte Weltwirtschaft davon betroffen.

Wiederholt haben katastrophale Naturereignisse in der Vergangenheit die Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst, auch weit über das unmittelbar betroffene Gebiet hinaus. Im Jahr 1274 zerstörte z. B. der „Götterwind” kamikaze, ein Taifun, die mongolische Flotte und verhinderte damit die Eroberung der japanischen Insel Kyushu durch die Angreifer vom asiatischen Festland; im Sommer 1588 rieben heftige Stürme die spanische Armada auf, 1783/84 verursachten Vulkanausbrüche in Island bis nach Mitteleuropa extreme Witterungsperioden mit ungewöhnlich heißen Sommern und schürten durch Missernten in der Bevölkerung die Unzufriedenheit, die in der Französischen Revolution gipfelte; der Ausbruch des Tambora im April 1815, dem das „Jahr ohne Sommer” folgte, gab z. B. auch in Deutschland den Anstoß zu längst überfälligen Agrarreformen.

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Katastrophenvorbeugung und -schutz

Naturkatastrophen, insbesondere jene mit geologischen Ursachen, können nicht völlig verhindert werden. Allerdings ist es möglich, ihre Auswirkungen durch verschiedene Maßnahmen zu mildern. Derartige Schritte sind in der Regel mit hohen Kosten verbunden, und daher ist der Katastrophenschutz in reichen Staaten meist sehr viel besser organisiert als in den ärmeren. Aus dem Weltkatastrophenbericht, den das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) für den Zeitraum von 1994 bis 2004 vorlegte, geht z. B. hervor, dass die Gefahr, Todesopfer einer Naturkatastrophe zu werden, in Ländern mit niedrigen Entwicklungsindikatoren mehr als zehnmal größer ist als in Ländern auf höherem Entwicklungsstand.

Eine grundlegende Schutzmaßnahme besteht darin, die räumliche und zeitliche Verbreitung der Naturgefahren in Katastern zu erfassen und in Karten darzustellen, wie es z. B. in den Alpen in Bezug auf den Schutz vor Lawinen oder Muren praktiziert wird. Eine wichtige Größe der Risikoanalyse ist die statistisch ermittelte Überschreitungswahrscheinlichkeit. Darunter versteht man die Wahrscheinlichkeit, dass z. B. bei den hydrometeorologischen Naturgefahren eine bestimmte Größe wie die Windgeschwindigkeit oder die Niederschlagshöhe innerhalb einer bestimmten Zeitspanne in großem Ausmaß überschritten wird. Ein ähnlicher Richtwert ist die Eintrittswahrscheinlichkeit, die etwa bei Vulkanausbrüchen den Zeitraum bezeichnet, in dem sich ein Ausbruch bestimmter Stärke ereignet. Der Vesuv z. B. brach in der Vergangenheit ungefähr alle 25 bis 30 Jahre heftig aus, der letzte stärkere Ausbruch ereignete sich 1944; statistisch gesehen ist daher die nächste Eruption mit vermutlich verheerenden Folgen für das mittlere Italien längst überfällig.

Zur Katastrophenvorbeugung gehört ferner die ständige Kontrolle der Naturgefahren, um die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen und das gefährdete Gebiet gegebenenfalls evakuieren zu lassen. Besonders aktive Vulkane werden beispielsweise mit Hilfe hochempfindlicher Messgeräte überwacht, im Pazifischen Ozean gibt es seit Jahrzehnten ein bewährtes Tsunami-Frühwarnsystem, und in den Alpenländern wird regelmäßig über die je nach Wetterlage unterschiedliche Gefahr durch Lawinen informiert.

Nahe liegend wäre es, die erfahrungsgemäß häufiger von extremen Naturereignissen betroffenen Regionen nicht zu besiedeln bzw. dort möglichst wenig in die Natur einzugreifen, um natureigene Schutzmechanismen nicht zu zerstören. Bannwälder werden jedoch häufig durch das Waldsterben vernichtet, die ursprünglich auch zum Schutz vor Hochwasser durchgeführte Flussbegradigung hat im Gegenteil die Hochwassergefahr vielerorts verstärkt, und traditionell aus guten Gründen nicht genutzte und besiedelte Gebiete dienen heute als Siedlungs-, Verkehrs- oder Agrarflächen.

Bauten und Techniken, wie eine erdbebensicherere Bauweise, Deiche, die vor Sturmfluten, sowie Waldstreifen, die vor katastrophaler Bodenerosion schützen sollen, prägen mitunter das Bild ganzer Landschaften, können Naturkatastrophen jedoch nicht mit Sicherheit vermeiden. Die Verluste nach dem Bau solcher Anlagen sind mitunter größer als zuvor, weil in deren vermeintlichem Schutz bisher gemiedene Gebiete nun genutzt und besiedelt wurden.

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