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Artikelgliederung
Einleitung; Vorgeschichte; Slowenisch-serbischer und kroatisch-serbischer Krieg; Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina
Bosnisch-Kroatisch-Serbischer Krieg, von 1991 bis 1995 andauernder Bürgerkrieg, der den Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien besiegelte und hauptsächlich auf dem Gebiet Bosnien und Herzegowinas ausgetragen wurde. Unter Einbeziehung des Slowenien- und des Kroatien-Krieges wird er auch als Jugoslawienkrieg bezeichnet. In dem verwickelten und mit brutaler Härte ausgefochtenen Konflikt kämpften die Armeen und Milizen der drei Staatsvölker dieser bisherigen halbautonomen Teilrepublik – muslimische Bosnier (Bosniaken), Serben und Kroaten – um die Vorherrschaft und Eigenstaatlichkeit ihrer Gebiete. Dabei wurden die Serben und Kroaten in Bosnien und Herzegowina jeweils von Restjugoslawien (Serbien und Montenegro) bzw. Kroatien unterstützt. Zugleich bekriegten sich diese beiden Nachfolgerepubliken wegen des Austritts Kroatiens aus dem jugoslawischen Staatsverbund und gegenseitiger Territorialansprüche. Mit dem Ende 1995 unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft zustande gekommenen Friedensvertrag von Dayton wurden die durch Krieg und Bürgerkrieg entstandenen Kräfteverhältnisse im Wesentlichen festgeschrieben. Die Eigenstaatlichkeit Bosnien und Herzegowinas wurde in einer komplizierten Staatskonstruktion erhalten, die Überlebensfähigkeit des Staates blieb jedoch unsicher. Die militärische Sicherung des Friedens übernahm eine internationale Friedenstruppe (zunächst IFOR, ab Ende 1996 SFOR). Für den zivilen Bereich der Umsetzung des Dayton-Abkommens wurde ein Hoher Beauftragter der internationalen Gemeinschaft mit protektoratsähnlichen Kompetenzen eingesetzt. Seine Aufgabe war es, die Entwicklung der staatlichen und gesellschaftlichen Strukturen zu beaufsichtigen, die ein dauerhaftes friedliches und demokratisches Zusammenleben der bisher verfeindeten Volksgruppen gewährleisten sollen.
Im Jahrzehnt nach dem Tod (1980) des Staatsgründers der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien, Josip Tito, verstärkten sich die nationalen Separationsbestrebungen in den sechs jugoslawischen Teilrepubliken, in denen acht Nationalitäten, teilweise stark durchmischt, zusammenlebten. Eine anhaltende Wirtschaftskrise und die Auflösung des Ostblocks Ende der achtziger Jahre ermutigte die nichtserbischen Gruppen, die Dynamik des kommunistischen Machtverfalls zu nutzen, um sich der Dominanz der Serben zu entziehen. Dagegen bekräftigte der kommunistische Parteichef und Präsident Serbiens, Slobodan Milosević, mit der Aufhebung der Autonomie der serbischen Provinzen Kosovo und Vojvodina 1989 seine Entschlossenheit, an der serbischen Hegemonie und der sozialistischen Ordnung Jugoslawiens festzuhalten. In der Folge der ersten demokratischen Wahlen, die 1990 in fast allen Teilrepubliken den national orientierten Parteien zur Macht verhalfen, und nach Volksabstimmungen über die Unabhängigkeit erklärten Slowenien und Kroatien im Juni 1991 ihren Austritt aus der Republik Jugoslawien. Mazedonien folgte im September nach (ohne dass es im Anschluss zu einem militärischen Konflikt kam). In Bosnien-Herzegowina rief das Parlament im Oktober 1991 die Unabhängigkeit aus. Die Volksabstimmung im Februar 1992 bestätigte die gegen den Widerstand der serbischen Volksvertreter zustande gekommene Entscheidung mit 99 Prozent der Stimmen (bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent). Dieses Ergebnis und die erneuerte Proklamation des neuen Staates im März 1992 sowie dessen bald darauf erfolgte internationale Anerkennung verschärften die Spannungen zwischen den Volksgruppen weiter. Denn die bosnischen Serben, die einen Bevölkerungsanteil von rund 32 Prozent stellten (Bosniaken rund 43 Prozent, Kroaten rund 17 Prozent), hatten Anfang 1992 als „Serbische Republik Bosnien-Herzegowina” (SRBiH) ihre separate Staatsgründung eingeleitet und die Abstimmung im Februar boykottiert.
Auf die Unabhängigkeitserklärung Sloweniens und Kroatiens am 25. Juni 1991 reagierte die von Serben befehligte jugoslawische Bundesarmee mit der Eröffnung des Bürgerkrieges. Ihr Versuch, Slowenien mit Waffengewalt in den Staatsverband zurückzuzwingen, erwies sich jedoch bald als aussichtslos. Mit dem Abzug der letzten Truppen der Bundesarmee aus Slowenien fand der Slowenien-Krieg bereits im Oktober 1991 sein Ende. Langwierig und opferreich – mit Zerstörungen von Dörfern und Städten, Vertreibungen und Kriegsverbrechen – entwickelte sich dagegen die Auseinandersetzung zwischen Serbien und Kroatien. Von wechselseitigen so genannten „ethnischen Säuberungen” betroffen war vor allem das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der Krajina, das sich nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens zusammen mit West- und Ostslawonien zunächst als „Serbisches Autonomes Gebiet” und Ende 1991 als „Republik Serbische Krajina” proklamierte und erst 1995 von der kroatischen Armee zurückerobert wurde. Ungeachtet ihrer Feindseligkeiten im Kroatien-Krieg kooperierten die kroatische und die serbische Regierung vielfach, wenn es um die Aufteilung Bosniens auf Kosten der Bosniaken ging. Nachdem 1992 unter internationaler Vermittlung ein – später mehrfach gebrochener – Waffenstillstand zustande gekommen und im April 1992 der Bürgerkrieg um Bosnien und Herzegowina begonnen hatte, trugen Serbien und Kroatien ihre Rivalitäten vornehmlich in Form von Unterstützung der jeweils von ihnen weitgehend abhängigen Bürgerkriegsparteien aus.
Die muslimischen Bosnier (Bosniaken) als Mehrheitsbevölkerung (43 Prozent Bevölkerungsanteil) unter Führung des seit 1990 amtierenden Präsidenten Alija Izetbegović verteidigten nach Erreichung der Unabhängigkeit den Bestand des Gesamtstaates Bosnien und Herzegowina auf seinen säkularen multiethnischen Grundlagen. In diesen Hauptforderungen wurden sie von der Europäischen Gemeinschaft unterstützt. Jedoch beförderte während des Bürgerkrieges auch die Kriegsführung der Bosniaken die Herausbildung getrennter und ethnisch „gesäuberter” Territorien. Die orthodox-christlichen Serben, die 1991 rund 32 Prozent der Gesamtbevölkerung stellten, erhoben Anspruch auf zwei Drittel des Staatsgebiets, die sie ethnisch homogenisiert bzw. „gesäubert” im Sinne der großserbischen Ideologie von Slobodan Milosević schließlich Serbien angliedern wollten. Politisch geführt wurden die bosnischen Serben von Radovan Karadžić, der im Dezember 1992 das Amt des Staatspräsidenten der bosnischen Serbenrepublik übernahm, das militärische Kommando hatte Armeechef Ratko Mladić. Die bosnischen Kroaten (rund 17 Prozent der Gesamtbevölkerung) strebten die Zusammenfassung der von ihnen bewohnten Gebiete an, die in Übereinstimmung mit den großkroatischen Zielen des Präsidenten Kroatiens, Franjo Tudjman, mittelfristig an Kroatien anzuschließen wären.
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