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Windows Live® Suchergebnisse William BoydEnzyklopädieartikel
William Boyd (*1952), britischer Schriftsteller. Mit seinen phantasievollen, vielfach in fernen Ländern und Zeiten angesiedelten Romanen ist er ein viel gelesener Gegenwartsautor der englischen Literatur. Boyd wurde am 7. März 1952 in Accra (Ghana) als Sohn eines britischen Arztes geboren, der für den University Health Service arbeitete. Bis 1971 lebte er in Afrika, zumeist in Nigeria. Sein Studium der Literaturwissenschaft absolvierte er in Nizza und Glasgow, von 1980 bis 1983 war er Universitätsdozent für Anglistik in Oxford. Während dieser Zeit schrieb er auch regelmäßig Fernsehkritiken für den New Statesman. Bereits sein erster Roman A Good Man in Africa (1981; Unser Mann in Afrika) wurde begeistert aufgenommen. Boyd erzählt darin die Geschichte eines britischen Diplomaten, der die Eintönigkeit seines Alltags in Westafrika mit Sex und Alkohol zu beleben versucht und sich dadurch in eine Katastrophe mit durchaus komischen Aspekten hineinmanövriert. Für das Buch erhielt Boyd 1981 den Whitbread Award und 1982 den Somerset Maugham Award. Die beiden Auszeichnungen ermöglichten ihm, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Sein zweiter Roman An Ice Cream War (1982; Zum Nachtisch Krieg), der in Deutsch-Ostafrika zur Zeit des 1. Weltkrieges spielt und – nicht humorvoll wie der Erstling, sondern in bitterem Ernst – die Grausamkeit eines sinnlosen Krieges darstellt, wurde in die Auswahlliste für den Booker-Preis aufgenommen. Es folgte der Roman Stars and Bars (1984; Stars und Bars), eine humorvolle Schilderung der Erlebnisse eines englischen Kunstexperten in den Vereinigten Staaten. 1987 publizierte Boyd mit The New Confessions (Die neuen Bekenntnisse) eine ausgezeichnete Darstellung Jean-Jacques Rousseaus aus der Perspektive eines schottischen Filmemachers, der im Berlin der Nachkriegszeit und im Hollywood zur Zeit der McCarthy-Ära berufliche Höhen und Tiefen durchlebt. Mit diesem Werk etablierte sich Boyd als einer der bedeutendsten Schriftsteller seiner Generation. In den folgenden Jahren wurde er auch mehrfach als Drehbuchautor engagiert, insbesondere für Literaturverfilmungen. So schrieb er u. a. die Vorlagen zur Verfilmung seines eigenen Romans Stars and Bars (1988; Der ganz normale amerikanische Wahnsinn, mit Daniel Day-Lewis), zur Joyce-Cary-Verfilmung Mister Johnson (1990; Mr. Johnson, Regie Bruce Beresford), zur Mario-Vargas-Llosa-Adaption Tune in Tomorrow (1991; Julia und ihre Liebhaber, mit Barbara Hershey, Keanu Reeves und Peter Falk) sowie zu Richard Attenboroughs Charlie-Chaplin-Filmbiographie Chaplin (1992; Chaplin); daneben entstanden mehrere Drehbücher für Fernsehspiele. 1990 und 1993 schuf Boyd mit Brazzaville Beach (Brazzaville Beach) und The Blue Afternoon (Die blaue Stunde) zwei Romane mit weiblichen Hauptfiguren. 1998 gelang dem Schriftsteller ein spektakulärer Publicity-Coup, als er gemeinsam mit David Bowie die New Yorker Kunstszene düpierte, indem sie zu einer Vernissage des vermeintlich vergessenen Künstlers Nan Tate einluden: Dessen fiktive Biographie hatte Boyd in seinem kurz darauf erschienenen Roman Nan Tate so geschickt aus Versatzstücken anderer Künstlerlebensläufe montiert, dass alle Kunstexperten der Täuschung aufsaßen. Es folgten die Romane Armadillo (1998; Armadillo) über wahnwitzige kriminelle Verstrickungen innerhalb der Versicherungswirtschaft und Any Human Heart (2002; Eines Menschen Herz), abermals eine fiktive Künstlerbiographie, hier die eines englischen Schriftstellers. In dem Spionageroman Restless (2006; Ruhelos) widmet sich Boyd einer weitgehend unbekannten Unterabteilung des britischen Secret Service, der British Security Coordination (BSC), die in den Anfangsjahren des 2. Weltkrieges in den USA für deren Kriegseintritt agitieren sollte.
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