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Windows Live® Suchergebnisse Keltische KunstEnzyklopädieartikel
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Keltische Kunst, von den Kelten geschaffene Kunst. Die keltische Kultur bestand länger als ein Jahrtausend in Mittel- und Westeuropa. Die Zeit ihrer größten Blüte reichte vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 9. Jahrhundert n. Chr., aber diese Grenzen sind fließend, und typisch keltische Stilelemente lassen sich bis ins Mittelalter nachweisen. Zur Zeit der keltischen Kulturen gab es eine Vielzahl von Kunstformen, unter denen vor allem in der Metall- und Steinbearbeitung bedeutende Leistungen erzielt wurden. Die Kelten waren eine lose zusammengefügte Völkergruppe, die im gemäßigten Klima der Eisenzeit in Europa lebte. Seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. benutzten griechische Geschichtsschreiber wie Herodot das Wort keltoi, um diese Stämme im Westen Europas zu beschreiben. Spuren einer gemeinsamen keltischen Sprache können aber heute bereits erheblich früher dokumentiert werden. Der Entstehungszeitraum der keltischen Kunst ist allerdings noch unklar. Heute wird die nach einem großen Grabungsfeld in Österreich benannte Hallstattkultur (von etwa 600 bis 500 v. Chr.) als Ursprung der keltischen Kultur angesehen, während andere Wissenschaftler eine engere Verbindung mit der Entstehung der späteren La-Tène-Zeit (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) sehen. Diese ist nach einem archäologischen Grabungsfeld benannt, das am Neuenburger See in der Schweiz im 19. Jahrhundert entdeckt wurde.
Da die keltische La-Tène-Kultur mehr als vier Jahrhunderte umfasst, wird sie in Unterkategorien aufgeteilt. Das anerkannte Unterteilungssystem wurde in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom Altertumsforscher Paul Jacobsthal entwickelt, der vier Hauptentwicklungslinien feststellte: den Frühen Stil, den Waldalgesheimstil, den Plastischen Stil und den Ungarischen Schwertstil. Mit diesen Klassifizierungen sollte jedoch vorsichtig verfahren werden, da sich die verschiedenen Stile überschnitten und regional unterschiedliche Ausprägungen erfuhren. Der Frühe Stil, der nach 480 v. Chr. aufkam, ist durch die Funde aus Fürstengräbern in Deutschland und Frankreich bekannt. In Reinheim und Rodenbach wurden aufwendig gearbeitete goldene Halsringe (Torques) und Armbänder gefunden, die von griechischen und etruskischen Vorbildern beeinflusst worden sein müssen. In den Gräbern von Kleinasbergle und Basse-Yutz (Frankreich) wurden bemerkenswerte Flakons aus Bronze gefunden: Antike griechische und orientalische Motive auf den Fundstücken waren vorherrschend. Üblich waren Lotosknospen, Palmetten- und Akanthusmuster. Der Waldalgesheimstil, der um 350 v. Chr. seine Blütezeit erlebte, ist nach einer wichtigen Grabungsstätte bei Bonn benannt. An ihm zeigen sich Folgen der Ausweitung des keltischen Einflussgebiets bis nach Rom und Griechenland. Im Bereich der Goldschmiedekunst und der Streitwagenausstattung wurden die aus der griechischen und römischen Antike übernommenen Elemente mit eigenen Formen verarbeitet: Wegen seiner Betonung von Pflanzen- und Rankenmustern ist dieser Stil auch als Pflanzenstil bekannt. Mit der Entstehung des Plastischen Stiles um 290 v. Chr. tauchten Tier- und Menschendarstellungen als Verzierungen auf. Der Stil der späten La-Tène-Zeit, die nach 190 v. Chr. einsetzte, wird auch als Ungarischer Schwertstil bezeichnet, da auf Schwertern und Scheiden Gravuren festgestellt wurden. Gegenüber der figürlichen Ausrichtung des Plastischen Stiles sind die Darstellungen auf diesen Waffen flach, linear und abstrakt. Jacobsthal hielt Ungarn für das Zentrum dieser Stilrichtung. Da aber an anderen Orten noch reichhaltigere Funde entdeckt wurden, wird heute allgemein der Ausdruck Schwertstil benutzt. Über die Herkunft der La-Tène-Kultur sind sich die Experten noch uneinig, während über ihre drei wesentlichen Ausdrucksformen Übereinstimmung herrscht: Es kommen Motive aus dem antiken Mittelmeerraum vor, der geometrische Stil wird auf die Hallstattkultur zurückgeführt und drittens müssen orientalische Elemente über Kleinasien nach Mitteleuropa gekommen sein. Alle Funde bestätigen, dass die Blüte der frühkeltischen Kunst in der Mitte Europas stattgefunden hat. Dennoch hat die keltische Kunst teilweise den ganzen Kontinent bis zur iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln durchdrungen. Als sich das Römische Reich nach Mittel- und Westeuropa ausbreitete, verschob sich der Mittelpunkt der keltischen Kunst. Die zentraleuropäische keltische Kunst verkam zu einer Variante der römischen, während die Reinform keltischer Kunst im Westen überlebte.
Auf den britischen Inseln erlebte das keltische kulturelle Erbe mit dem Aufkommen des Christentums einen neuen Entwicklungsschub. Die entschiedenste Missionarstätigkeit fand jedoch im 5. und 6. Jahrhundert statt, als Saint Patrick, Columban und Saint Ninian auf den britischen Inseln missionierten. Der Aufbau einer keltischen Kirche unterschied sich in vielem von der kontinentalen Kirche. Während auf dem Kontinent das Diözesansystem bevorzugt wurde, gab es auf den Inseln ein Netz selbständiger Klostergemeinschaften. Die bedeutendsten waren Iona in Schottland sowie Durrow, Clonmacnois und Kells in Irland. Dort wurden bald Werkstätten eingerichtet, in denen kolorierte Handschriften und andere bei der Missionierung benötigte sakrale Gegenstände hergestellt wurden. Die Mönche bedienten sich nichtchristlicher, keltischer Stilmittel, die während der vorherigen Jahrhunderte entwickelt worden waren und schufen so eine einzigartige Verschmelzung christlicher und nichtchristlicher Kunst. Auf der Synode von Whitby 664 n. Chr. stimmte die keltische Kirche der Übernahme der römischen Liturgie zu und wurde deshalb vermehrt vom Heiligen Stuhl in Rom kontrolliert. Da Rom die gute Qualität der Arbeit aus irischen und schottischen Skriptorien (klösterliche Schreibräume) erkannte, wurden Bücher und Handschriften zum Kopieren dorthin verschickt. Die Kopien wurden von den Missionaren benutzt, die im keltischen Kernland, dem heutigen Deutschland, Frankreich und der Schweiz, das Christentum verbreiten sollten. Die keltische Kunst hat ihre Langlebigkeit in nicht geringem Ausmaß der Wandelbarkeit ihrer Entwürfe zu verdanken. Den Handwerkern stand nur ein begrenztes Repertoire an Motiven zur Verfügung, das vor allem aus Knoten, sich überlagernden Linien, Spiralen und Schlingmustern bestand, die den zu bearbeitenden Gegenständen wie Schwertern und Wagengestellen bis zu christlichen Handschriften und Schreinen jeweils angepasst wurde.
Die meisten Funde der La-Tène-Zeit waren entweder Grabbeigaben oder sind als Opferstücke in Gewässern versenkt worden. Vor allem zeremonielle Rüstungen scheinen beliebte Gaben gewesen zu sein. Unter den sehenswertesten Stücken befinden sich zwei gallische Helme, von denen einer in einer Höhle in Agris gefunden und der andere bei Amfreville aus der Seine geborgen wurde. Sie stammen aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. und haben eine Form, die Jockeymützen ähnlich ist. Beide Helme sind mit Goldblättern umfasst, haben Schneckenverzierungen und sind mit Einlegearbeiten aus Korallen und Buntglas versehen. In Großbritannien wurden ähnliche Gegenstände aus dem Flussbett des Witham River und der Themse geborgen. Die aufregendsten Funde waren zwei Bronzeschilder, die Treibarbeiten und aufwendige Verzierungen aus Linien und Andeutungen von Tierköpfen aufweisen. In der Nähe der Waterloobrücke in London haben Archäologen einen gehörnten Helm entdeckt, der aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammt. Aus der Zerbrechlichkeit dieser Gegenstände wird geschlossen, dass sie lediglich Schaustücke waren, was sie nur für eine Verwendung als Opfergaben geeignet machte. Da die Kelten mit langen schweren Schwertern in den Krieg zogen, war ein fester Griff unabdingbar, wollte der Krieger seine Waffe effektiv einsetzen. Deshalb war die Verzierung an diesem Teil der Waffe besonders reichhaltig. Das Heft war oft mit Goldfolie bedeckt oder hatte Intarsien aus wertvollen Materialien wie Bernstein oder Elfenbein. Bei späteren Exemplaren stellt das Heft auch menschliche Körper dar, der Schwertknauf erscheint dann häufig als Kopf. Die Scheiden wurden mit Feingravuren bearbeitet, meistens waren es Rankenmuster oder doppelte S-Kurven, die Drachen glichen. In Streitwagenausstattungen und Zaumzeug zeigten die keltischen Handwerker ihre Vorliebe für farbenprächtige Emailverzierungen. Reiterutensilien wurden in Somerset in England ausgegraben, aber der bedeutendste Einzelfund war ein bronzener Ponykopfschutz in Torrs, Schottland, der einmal im Besitz des Romanautors Sir Walter Scott gewesen sein soll.
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