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Claude Chabrol

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Claude Chabrol: FilmeClaude Chabrol: Filme

Claude Chabrol (*1930), französischer Filmregisseur. Er gilt neben Jean-Luc Godard, François Truffaut und Éric Rohmer als einer der führenden Vertreter der Nouvelle Vague. In seinen abgründigen Kriminalfilmen zeichnet er ein entlarvendes Bild des französischen Bürgertums.

Chabrol wurde am 24. Juni 1930 als Sohn eines Apothekers in Paris geboren. Er studierte Pharmazie und Literatur, absolvierte seinen Militärdienst und wandte sich dann dem Film zu. Nachdem er kurzzeitig für das französische Department der amerikanischen Produktionsgesellschaft Twentieth Century Fox gearbeitet hatte, schrieb Chabrol von 1953 bis 1957 (ebenso wie Jacques Rivette, Godard, Truffaut und Rohmer, mit dem er 1957 ein Buch über den britischen Thriller-Spezialisten Alfred Hitchcock verfasste) Kritiken für die avantgardistische Filmzeitschrift Cahiers du cinéma, die die theoretischen Grundlagen des neuen französischen Filmes definierte. Eine Erbschaft seiner Frau ermöglichte Chabrol die Finanzierung seines ersten Spielfilms Le Beau Serge (1958; Die Enttäuschten), der gleichzeitig als erster Film der Nouvelle Vague gilt. Er schildert präzise, distanziert und entlarvend das Alltagsleben der Menschen in einer Kleinstadt. Bereits in seinem Erstling fand er das Sujet, das er in seinem weiteren Schaffen immer wieder variierte: die schonungslose Darstellung der Doppelmoral des Bürgertums, hinter dessen scheinbar intakter Lebenswelt sich Abgründe auftun.

In rascher Folge entstanden danach Les Cousins (1958; Schrei, wenn du kannst), der zu einem von Chabrols berühmtesten Filmen wurde, À double tour (1959; Schritte ohne Spur), Les Bonnes femmes (1960; Die Unbefriedigten), Les Godelureaux (1960; Speisekarte der Liebe) und L’Œil du malin (1962; Das Auge des Bösen). Alle diese Werke bewegten sich konzeptionell und stilistisch auf hohem Niveau, und Chabrol etablierte sich als einer der produktivsten und profiliertesten französischen Regisseure seiner Generation. Der kommerzielle Misserfolg des Films Landru (1962; Landru – Der Frauenmörder von Paris) führte jedoch zunächst dazu, dass er als Regisseur Auftragsarbeiten annehmen musste, bei denen er seinen persönlichen Stil nicht zur Geltung bringen konnte. Nach diesen eher marginalen Arbeiten wie den Agententhrillern Le tigre aime la chair fraîche (1964; Der Tiger liebt nur frisches Fleisch) oder Le tigre se parfume à la dynamite (1965; Der Tiger parfümiert sich mit Dynamit) schuf Chabrol eine Reihe von Meisterwerken, in denen er Gewaltverbrechen in geschlossenen bürgerlichen Sozietäten schildert und mit großem Einfühlungsvermögen die Abgründe der menschlichen Psyche bloßlegt, wie in Les Biches (1968; Zwei Freundinnen), La Femme infidèle (1968; Die untreue Frau), Le Boucher (1969; Der Schlachter), La Rupture (1970; Der Riss), Juste avant la nuit (1971; Vor Einbruch der Nacht) und Les Noces rouges (1973; Blutige Hochzeit). Thematisch zeigt Chabrols Werk deutlich den Einfluss seines Vorbildes Alfred Hitchcock, den Fokus seiner Filme bilden oft ambivalente Frauengestalten, die er mit großer Präzision porträtiert. Die weibliche Hauptrolle übernahm häufig seine langjährige Ehefrau Stéphane Audran (Heirat 1964, Trennung 1981), die mit ihrem virtuosen Spiel nicht unwesentlich zum Erfolg seiner Filme beitrug.

Nach einigen finanziellen Fehlschlägen in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wie Violette Nozière (1977; Violette Nozière, mit Isabelle Huppert) arbeitete Chabrol verstärkt für das Fernsehen; u. a. entstanden ein Mehrteiler über den „Gangsterkönig” Fantômas (1979; mit Helmut Berger) und eine Verfilmung von Goethes Wahlverwandtschaften (1981, mit Helmut Griem). Mit der Georges-Simenon-Adaption Les Fantômes du chapelier (1982; Die Phantome des Hutmachers), dem subtilen Porträt eines Frauenmörders (dargestellt von Michel Serrault), gelang ihm anschließend ein eindrucksvolles Leinwand-Comeback. Es folgten weitere Kriminalfilme, in denen Chabrol in typischer Manier an die Arbeiten anschloss, die er Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre gedreht hatte: Poulet au vinaigre (1984; Hühnchen in Essig), Masques (1986; Masken), Une affaire de femmes (1988; Eine Frauensache) sowie die Reihe um den kaltblütigen, mit ungewöhnlichen Methoden operierenden Kriminalkommissar Jean Lavardin, Inspecteur Lavardin (1985/86; Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit), Les Dossiers de l’Inspecteur Lavardin: Le diable en ville (1988; Inspektor Lavardin: Der Teufel in der Stadt), L’Escargot noir (1988; Inspektor Lavardin: Die schwarze Schnecke) und Les Dossiers de l’Inspecteur Lavardin: Maux croises (1988; Inspektor Lavardin: Tödliches Rätsel).

Die Henry-Miller-Adaption Jours tranquilles à Clichy (1990; Stille Tage in Clichy) um einen alternden Erotomanen im Paris der dreißiger Jahre erreichte nicht das Niveau von Chabrols sonstigen Arbeiten und fiel bei Publikum und Kritik durch. In den neunziger Jahren folgten der Kriminalfilm Docteur M. (1990; Dr. M.), der an Fritz Langs Mabuse-Filme anschließt, Madame Bovary (1991; Madame Bovary, nach dem berühmten Roman von Gustave Flaubert, Titelrolle: Isabelle Huppert), das Drama Betty (1992; Betty, nach einem Roman von Georges Simenon) um eine alkoholkranke Frau, die in Rückblenden ihr Leben erzählt, L’Œil de Vichy (1992; Das Auge von Vichy), ein Dokumentarfilm über das mit den deutschen Nationalsozialisten kollaborierende Vichy-Regime, L’Enfer (1993; Die Hölle, mit Emmanuelle Béart), eine intensive Studie zum Thema Eifersucht, La Cérémonie (1995; Biester, mit Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire und Jacqueline Bisset), Rien ne va plus (1997; Das Leben ist ein Spiel) mit Isabelle Huppert in der Rolle einer eleganten Diebin, die Männer verführt, um sie zu berauben, sowie Au cœur du mensonge (1999; Die Farbe der Lüge), ein raffiniertes Vexierspiel zum Thema Wahrheit und Lüge. Merci pour le chocolat (2000; Süßes Gift, Hauptrolle Isabelle Huppert) ist ein subtiler Film über die Psychopathologie des Alltags. In La Fleur du mal (2003; Die Blume des Bösen) wandte sich der Regisseur wieder seinem favorisierten Sujet zu, der Dekadenz des französischen Bürgertums. Nach der Ruth-Rendell-Verfilmung La Demoiselle d’honneur (2004; Die Brautjungfer) drehte Chabrol – einmal mehr mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle – das Justizdrama L’Ivresse du pouvoir (2006; Geheime Staatsaffären), das den Elf-Aquitaine-Korruptionsskandal thematisiert.

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