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Windows Live® Suchergebnisse Leni RiefenstahlEnzyklopädieartikel
Leni Riefenstahl, eigentlich Helene Amalia Bertha Riefenstahl, (1902-2003), deutsche Filmregisseurin, Schauspielerin, Photographin und Tänzerin. Ihre Regiearbeiten, die nationalsozialistischen Propagandafilme Triumph des Willens (1934) und die zweiteilige Dokumentation Olympia (1938) über die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, machten sie zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte. Riefenstahl wurde am 22. August 1902 als Tochter eines Kaufmanns in Berlin geboren, wo sie das Kollmorgen’sche Lyzeum und die Kunsthochschule besuchte. Nachdem sie bei Mary Wigman und Eugenia Eduardowa eine Tanz- bzw. Ballettausbildung erhalten hatte, arbeitete sie von 1923 bis 1927 als Ausdruckstänzerin mit mehr als 70 nationalen und internationalen Auftritten. Unter dem Eindruck des Films Berg des Schicksals (1925) lernte Riefenstahl den Regisseur Arnold Fanck kennen, der sie in der Folge als Darstellerin für seine Bergfilme engagierte. Sie erhielt Unterricht im Bergsteigen und Skifahren und hatte ihr Filmdebüt in Fancks Der Heilige Berg (1926), der eine melodramatische Dreiecksgeschichte mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen der Bergwelt kombiniert. Bekannt wurde sie mit weiteren Bergfilmen unter der Regie von Fanck: Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929; Koregisseur Georg Wilhelm Pabst), Der weiße Rausch (1931) und Stürme über dem Mont Blanc (1931). 1931 gründete Riefenstahl ein eigenes Filmstudio und führte in Das blaue Licht (1932) erstmals auch Regie. Der Film erzählt in Bildern von großer visueller Schönheit eine Berglegende über ein Mädchen, das von Dorfbewohnern in den Dolomiten als Hexe gefürchtet und schließlich in den Tod getrieben wird. Die Regisseurin übernahm auch die weibliche Hauptrolle und zeichnete für Drehbuch (zusammen mit Béla Balász) und Schnitt verantwortlich. Anschließend spielte sie in Arnold Fancks SOS Eisberg (1933), einem Abenteuerfilm mit eindrucksvollen Naturaufnahmen, der die Rettung eines verschollenen Forschers im ewigen Eis Grönlands schildert. Gefördert von Reichskanzler Adolf Hitler, glorifizierte sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Führer, Partei und Volk in einer Reihe von semidokumentarischen, mit großem technischen Aufwand realisierten Propagandafilmen, wie Sieg des Glaubens (1933) und Triumph des Willens (1934) über die Nürnberger Reichsparteitage. Die Wirkung der bildmächtigen Filme, mit dem das neue Regime bei der breiten Bevölkerung für sich werben und die ausländischen Nachbarn beeindrucken wollte, beruht auf der effektvollen Montagetechnik, dem ornamentalen Gebrauch von Menschenmassen und der Einbeziehung monumentaler Bauwerke. Die Filme, vor allem Triumph des Willens, wurden trotz ihrer bedenklichen Ideologie insbesondere von britischen und amerikanischen Filmkritikern aufgrund ihrer innovativen Ästhetik hoch gelobt. Beeindruckend hinsichtlich der filmischen Mittel wie problematisch in ihrer politischen Tendenz war auch der zweiteilige propagandistische Dokumentarfilm Olympia (1938) über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, 1. Teil: Fest der Völker und 2. Teil: Fest der Schönheit. Der Film übernahm mit seinem Helden- und Körperkult sowie der geschickten Inszenierung der Zuschauermassen elementare Bestandteile der nationalsozialistischen Ideologie. Riefenstahl bestritt später eine derartige Dienstbarmachung für Propagandazwecke; sie berief sich stattdessen auf die Autonomie der Ästhetik und hielt an ihrer Behauptung fest, es handle sich bloß um dokumentarisches Material. Die formale Meisterschaft dieser Filme, die viele Bewunderer fand, löste immer wieder Diskussionen über „faschistische Ästhetik” aus; außerdem hatte sie großen Einfluss auf spätere Werke wie z. B. Werbefilme und Videoclips, so dass dieser Aspekt ihres Œuvres Eingang in die Popkultur fand. Die Apologeten von Riefenstahls Filmkunst trennen jedoch in fragwürdiger Weise ihre Ästhetik von ihrem ideologischen Gehalt. Während des 2. Weltkrieges arbeitete Riefenstahl an dem Melodrama Tiefland (1954), einer filmischen Umsetzung der gleichnamigen Oper von Eugen d’Albert, die von 1940 bis 1944 gedreht, erst in den fünfziger Jahren fertig gestellt und mit geringer Resonanz gezeigt wurde. Gemäß einem Gerichtsurteil musste die Regisseurin 2002 eine Unterlassungserklärung abgeben, nachdem sie behauptet hatte, alle bei ihrem Film Tiefland als Darsteller eingesetzten Sinti und Roma nach dem Krieg wohlbehalten wiedergesehen zu haben; es konnte jedoch nachgewiesen werden, dass viele dieser Menschen nach den Dreharbeiten in Konzentrationslager zurückgebracht und ermordet worden waren. Nach dem Krieg wurde die Regisseurin aufgrund ihrer prominenten Stellung im Kulturleben des Dritten Reiches vier Jahre lang inhaftiert (zunächst von der amerikanischen, später von der französischen Besatzungsmacht), 1952 jedoch vom Vorwurf der Kollaboration mit den Machthabern freigesprochen. In den fünfziger Jahren kehrte sie dem Filmmetier den Rücken, nachdem ihre letzten Dokumentarprojekte gescheitert waren. In der Folge wandte sich Riefenstahl der Photographie zu. Ihre Bildbände und Beiträge in Magazinen über die afrikanischen Nuba, die sie in ihren Fotos als „edle Wilde” darstellte, fanden große Beachtung; es erschienen in Buchform Die Nuba (1973), Die Nuba von Kau (1976) und Mein Afrika (1982). Nachdem Riefenstahl zu Beginn der siebziger Jahre eine Tauchausbildung gemacht hatte, entstanden auch Unterwasserfotos, die sie in den Bildbänden Korallengärten (1978) und Wunder unter Wasser (1990) publizierte, sowie später der Film Impressionen unter Wasser (2002). Ihre unter dem Titel Memoiren (1987) erschienene Autobiographie wurde kritisch aufgenommen, da Riefenstahl sich nicht ernsthaft mit der zentralen Frage ihrer Laufbahn als Regisseurin, nämlich ihrer Rolle zur Zeit des Dritten Reiches und der Verbindung von Politik und Ästhetik, auseinandergesetzt hatte. Ihre zeitlebens beibehaltene Haltung, mit der sie ihre Rolle als Propagandistin des nationalsozialistischen Regimes leugnete und verdrängte, und ihre hartnäckige Ablehnung eines Schuldbekenntnisses stießen bei ihren Kritikern, zu deren Opfer sie sich oft stilisierte, auf Unverständnis. In Hamburg fand 1997 die erste Fotoausstellung in Deutschland mit Bildern von Leni Riefenstahl statt. 1998 folgte eine kontrovers diskutierte Ausstellung im Filmmuseum Potsdam, die verschiedene Aspekte ihres Werkes behandelte. Riefenstahl starb am 8. September 2003 in Pöcking am Starnberger See (Bayern).
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