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Windows Live® Suchergebnisse RitusEnzyklopädieartikel
Ritus, ursprünglich Bezeichnung für eine Handlung mit einer religiösen Zielsetzung, die aus Worten und Gesten besteht und einem festgelegten Ablauf folgt (Zeremonie), der weitgehend unabhängig von zeitlicher und räumlicher Bindung wiederholt werden kann. In vielen Kulturen gehen Riten darauf zurück, dass Götter- und Heldenmythen wiederholt nachgespielt werden, um dadurch das Wohlergehen und den Fortbestand der Gemeinschaft zu sichern. Riten spielen eine besondere Rolle bei wichtigen Lebenseinschnitten wie z. B. Geburt, Eheschließung und Tod (siehe Rites de passage). In den christlichen Religionswissenschaften werden Riten voneinander unterschieden, die für eine bestimmte historisch geographische Phase der Kirchengeschichte charakteristisch gewesen sind. Unter dem Begriff Ritus werden dabei nicht nur die religiösen Handlungen des Gottesdienstes, sondern auch Texte, Symbole und Gebärden verstanden, die im Gottesdienst Verwendung finden. Unterschieden werden im Einzelnen: alexandrinischer Ritus (seit dem 4. Jahrhundert in Ägypten), koptischer Ritus (die Weiterentwicklung des alexandrinischen Ritus), antiochenischer Ritus (um 650 kodifiziert und mit dem maronitischen Ritus verwandt), römischer Ritus (bis ins 4. Jahrhundert in Rom in griechischer Sprache), lateinischer Ritus (seit dem Ende des 4. Jahrhunderts römischer Ritus in lateinischer Sprache in Italien und Nordafrika), gallikanischer Ritus (römisch und alexandrinisch beeinflusst), mozarabischer Ritus (Ritus der christlichen Bevölkerung Spaniens unter maurischer Herrschaft), keltischer Ritus (mit der Christianisierung Schottlands, Irlands und Großbritanniens entstanden) und byzantinischer Ritus, der den Ritus der zeitgenössischen Ostkirchen entscheidend geprägt hat. In der Westkirche wurde seit dem 8. Jahrhundert gewaltsam der lateinische Ritus als allein gültiger katholischer Ritus etabliert, allerdings fanden Elemente der dadurch verdrängten Riten Eingang in diesen. Erst im 20. Jahrhundert ist es zur Regel geworden, katholische Messen nicht mehr in Latein sondern in der jeweiligen Landessprache abzuhalten. Nach dem katholischen Kirchenrecht bezeichnet ein Ritus eine Glaubensgemeinschaft innerhalb der katholischen Glaubensgemeinschaft. Die Zugehörigkeit zu einer der katholischen Glaubensgemeinschaften, die als Hoheitsverbände organisiert sind, erfolgt durch die Taufe. Ein Wechsel des Ritus, etwa bei Eheschließungen, bedarf daher der Genehmigung der vatikanischen Behörde.
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