Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Astrid Lindgren", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Astrid Lindgren

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Astrid Lindgren

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Astrid LindgrenAstrid Lindgren
Artikelgliederung
1

Einleitung

Astrid Lindgren, geborene Ericsson, (1907-2002), schwedische Schriftstellerin. Sie gilt als weltweit bedeutendste Autorin von Kinder- und Jugendbüchern.

Lindgren wurde am 14. November 1907 als zweites von vier Kindern eines Landwirts auf dem Hof Næs bei der Kleinstadt Vimmerby im südschwedischen Småland geboren. In dieser idyllischen Landschaft, in der sie später zahlreiche ihrer Romanhandlungen ansiedelte, verbrachte sie ihre Kindheit in einer geborgenen, ländlichen Atmosphäre. 18-jährig wurde sie schwanger und ging nach Stockholm; nach der Geburt eines Sohnes, den sie zunächst zu Pflegeeltern gab, absolvierte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und nahm eine Stelle als Kontoristin an. 1931 heiratete sie, nahm ihren Sohn zu sich und bekam 1934 ein weiteres Kind.

1944 schrieb Lindgren als Hausfrau ihre ersten beiden Kinderbücher, die bei Schwedens größtem Kinder- und Jugendbuchverlag Rabén & Sjögren veröffentlicht wurden. Sie wurde daraufhin 1946 im Verlag als Kinderbuchlektorin angestellt; bis 1970 war sie in dieser Position tätig und nahm so – unabhängig von ihrer eigenen schriftstellerischen Arbeit – großen Einfluss auf die Entwicklung der skandinavischen Kinderliteratur.

Sie selbst verfasste in den folgenden Jahren zahlreiche, in rascher Folge publizierte Kinderbücher, die ihr schnell Weltruhm einbrachten. Schon Mitte der fünfziger Jahre galt sie als bedeutendste schwedische Kinderbuchautorin; bald war sie die weltweit meistgelesene zeitgenössische Schriftstellerin Skandinaviens und wurde zur unbestritten bedeutendsten Autorin von Kinderbüchern überhaupt. Als sie 1992 das Schreiben einstellte, waren über 70 Kinderbücher erschienen, die in 68 Sprachen übersetzt und von denen weltweit über 120 Millionen Exemplare verkauft wurden.

Lindgren, die sich sehr für den Tierschutz einsetzte und sich auch immer wieder politisch engagierte, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Sie erhielt u. a. mehrere Ehrendoktorwürden, 1956 den Deutschen Jugendliteraturpreis, 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1993 den Internationalen Buchpreis der UNESCO und 1994 den alternativen Nobelpreis. Astrid Lindgren, seit 1952 verwitwet, starb am 28. Januar 2002 in Stockholm.

2

Werk

Nachdem sie mit dem traditionell erzählten Mädchen-Briefroman Britt-Mari lätter sitt hjärta (1944; Britt-Mari erleichtert ihr Herz), von dem sie sich später teilweise distanzierte, bei Rabén & Sjögren untergekommen war, gelang Lindgren Mitte der vierziger Jahre mit Pippi Långstrump (1945; Pippi Langstrumpf) der literarische Durchbruch. Die mit trockenem Humor erzählten phantasievollen Geschichten über die Abenteuer des frechen rothaarigen Mädchens, das sich mit Witz, Unerschrockenheit und Mut der Autorität Erwachsener widersetzt und dabei die bürgerlich-braven Kinder Tommy und Annika mitreißt, setzten sich völlig von der zu dieser Zeit gängigen moralisierenden Kinderliteratur ab und verschafften Lindgren schnell großes Renommee. Pippi Langstrumpf, über die noch zwei weitere Bücher erschienen, Pippi Långstrump går ombord (1946; Pippi Langstrumpf geht an Bord) und Pippi Långstrump i Söderhavet (1948; Pippi in Taka-Tuka-Land), wurde – auch aufgrund der legendären Verfilmungen mit Inger Nilsson in der Titelrolle – zur populärsten von Lindgrens Figuren.

Mit dem Kinderkrimi Mästerdetektiven Blomkvist (1946; Meisterdetektiv Blomquist) um den Jungen Kalle, der mit seinen Freunden in einer friedlichen Kleinstadt einen aufregenden Kriminalfall löst, gelang es Lindgren, die in der Erwachsenenwelt vorkommende Bösartigkeit und Gewaltbereitschaft auf behutsame und unterhaltsame Weise begreifbar zu machen. In der Folge erschienen noch zwei Romane um das jugendliche Detektivtrio, Mästerdetektiven Blomkvist lever farligt (1951; Kalle Blomquist lebt gefährlich) und Kalle Blomkvist och Rasmus (1953; Kalle Blomquist, Eva-Lotte und Rasmus).

In den drei Bullerbü-Romanen Alla vi barn i Bullerbyn (1947; Wir Kinder aus Bullerbü), Mera om oss barn i Bullerbyn (1949; Mehr von uns Kindern aus Bullerbü) und Bara roligt i Bullerbyn (1952; Immer lustig in Bullerbü) schilderte Lindgren das Landleben ihrer småländischen Heimat. Die Bücher entwerfen eine Idylle, in der Kinder in einer überschaubaren Welt geborgen aufwachsen. Die Bullerbü-Erzählungen propagieren ein Erziehungsideal, das von den Eltern Liebe und Einfühlungsvermögen statt Autorität fordert, und wurden später – wie fast das gesamte Werk Lindgrens – von den Verfechtern der antiautoritären Erziehung vereinnahmt.

Mitte der fünfziger Jahre erschien Lindgrens herausragendes lyrisches Märchen Mio, min Mio (1954; Mio, mein Mio), in dem sie durch die Verknüpfung einer Phantasiewelt mit einer realistischen Rahmenhandlung meisterhaft den Kampf von Gut und Böse sowie existentielle Themen wie Tod, Einsamkeit und kindliche Machtlosigkeit verarbeitet. Außerdem fügte sie in den fünfziger Jahren ihrem populären Figurenarsenal weitere fröhliche Serienhelden hinzu: Ab 1955 erschienen die Bücher über Karlsson vom Dach, Lillebror och Karlsson på taket (1955; Karlsson vom Dach), Karlsson på taket flyger igen (1962; Karlsson fliegt wieder) und Karlsson på taket smyger igen (1968; Der beste Karlsson der Welt). Mit der Figur des fliegenden, Unruhe stiftenden Lügenbolds Karlsson, der die geordnete Welt des kleinen Lillebror durcheinanderbringt, setzte Lindgren dem Ideal des braven Kindes ein völlig konträres, anarchisches Konzept entgegen. Ab 1956 folgten Geschichten um das Waisenkind Rasmus, Rasmus på Luffen (1956; Rasmus und der Landstreicher), Rasmus, Pontus och Toker (1957; Rasmus, Pontus und der Schwertschlucker), und zwei Bücher über Lotta aus der Krachmacherstraße, Barnen på Bråkmakargatan (1958; Die Kinder aus der Krachmacherstraße) und Lotta på Bråkmakargatan (1961; Lotta zieht um).

1963 schrieb Lindgren das Drehbuch für den Fernsehfilm Vi på Saltkråkan (1964; Ferien auf Saltkrokan) über idyllische Sommerferien auf der Schäreninsel Saltkrokan, das unter demselben Titel 1964 auch als Roman erschien. Außerdem schuf sie in den sechziger Jahren die Mädchenfigur Madita und die Lausbubenfigur Michel, die in ihrer Konzeption sehr an Pippi Langstrumpf erinnern: Madicken (1960; Madita), Madicken och Junibackens Pims (1976; Madita und Pims) und Emil i Lönneberga (1963; Michel in der Suppenschüssel), Nya hyss av Emil i Lönneberga (1966; Michel muss mehr Männchen machen), sowie Än lever Emil i Lönneberga (1970; Michel bringt die Welt in Ordnung) strotzen vor Übermut und verkörpern trotz aller Streiche doch Gerechtigkeitsempfinden und ein kindliches Wertebewusstsein.

Nachdem sie mit Samuel August från Sevedstorp och Hanna i Hult (1973; Das entschwundene Land) eine Autobiographie geschrieben hatte, erschien im selben Jahr Bröderna Lejonhjärta (Die Brüder Löwenherz), mit dem Lindgren thematisch und stilistisch an Mio, mein Mio anknüpfte. Wiederum gelang ihr durch den Sprung von einer realen in eine Phantasiewelt eine kindgerechte Aufarbeitung von Themen wie Tod, Freitod und Abschiednehmen sowie eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen nach Gut und Böse und nach der Rechtfertigung von Gewalt zur Durchsetzung gerechter Ziele. Zu Beginn der achtziger Jahre erschien Lindgrens letzter großer Roman Ronja Rövardotter (1981; Ronja Räubertochter), ein an Shakespeares Romeo und Julia orientiertes Plädoyer für Gewaltlosigkeit und Menschlichkeit.

Das Spektrum von Lindgrens Kinder- und Jugendbüchern reicht von phantastischen zu realistischen Szenarien, von überbordender Heiterkeit zu trauriger Ernsthaftigkeit, von schwärmerischer Idylle zu nüchternem Realismus. Sämtliche Werke sind durch eine klare, einfache Sprache und große Anschaulichkeit gekennzeichnet und nehmen stets die Perspektive des Kindes ein, aus der heraus die kindliche Lebenswelt mit viel Einfühlungsvermögen und Wärme geschildert wird und dabei auch prekäre Themen wie Tod, Gewalt, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit nicht ausgespart werden. Astrid Lindgrens Gesamtwerk ist ein Appell an Erwachsene, Kinder als eigenständige, gleichberechtigte Menschen ernst zu nehmen und ihnen die Aufmerksamkeit, Geborgenheit und Liebe, aber auch die Freiheit zukommen zu lassen, auf die sie einen Anspruch haben, und eine Ermutigung an Kinder, sich in ihrer Lebenswirklichkeit selbstbewusst zu behaupten.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft