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John Schlesinger

Enzyklopädieartikel

John Schlesinger (1926-2003), britischer Filmregisseur. Nach Anfängen als Schauspieler und Dokumentarfilmregisseur drehte er international erfolgreiche Spielfilme wie Darling (1965; Darling), Midnight Cowboy (1969; Asphalt-Cowboy) oder Marathon Man (1976; Der Marathon-Mann).

Schlesinger wurde am 16. Februar 1926 als Sohn eines jüdischen Kinderarztes in London geboren. Nachdem er während des 2. Weltkrieges als Zauberer und Entertainer bei der Truppenbetreuung gearbeitet hatte, kam er während seines Studiums der englischen Literatur in Oxford (1945-1950) mit der Schauspielerei in Berührung. In den fünfziger Jahren war Schlesinger als Bühnenschauspieler tätig und wirkte auch in einer Reihe von Filmen mit. Nach zehn Jahren mäßigen Erfolgs in diesem Metier begann Schlesinger bei der BBC als Regisseur. Sein Dokumentarfilm Terminus (1961) wurde bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet.

Danach glückte ihm mit A Kind of Loving (1962; Nur ein Hauch Glückseligkeit), ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestsspielen, und Billy Liar (1963; Geliebter Spinner, auch Billy der Lügner), zwei scharfsichtigen Studien des englischen Arbeitermilieus, der Sprung zum Spielfilm. Als Vertreter des Free Cinema zählte Schlesinger in den sechziger Jahren zu den Repräsentanten eines neuen, dem Realismus verpflichteten britischen Films. Darling (1965; Darling), die Geschichte eines Londoner Models, machte Hollywood auf Schlesinger aufmerksam, während Far from the Madding Crowd (1967; Die Herrin von Thornhill), nach einem Roman von Thomas Hardy, nur begrenztes Echo erzielte. Die Titelrolle übernahm in beiden Filmen Julie Christie, die damit ihre Weltkarriere einleitete. Midnight Cowboy (1969; Asphalt-Cowboy) hingegen, ein sozialkritischer Gangsterfilm mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle, wurde mit einem Oscar für den besten Film und die beste Regie ausgezeichnet. Sehr erfolgreich war auch Marathon Man (1976; Der Marathon-Mann) mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Marthe Keller und Roy Scheider, in dessen Verlauf ein jüdischer Student zwischen die Mühlen von Geheimdienst und ehemaligen deutschen Nationalsozialisten gerät. Schlesinger entwickelte eine unverwechselbare Filmsprache, zu deren Merkmalen der Verzicht auf Happy Ends und eine beschönigende Darstellung der Wirklichkeit gehört. Schlesinger, ein bekennender Homosexueller, ließ diese Thematik immer wieder in seine Filme einfließen und bekam daraufhin Schwierigkeiten mit der Zensur.

Mit späteren Filmen, wie Yanks (1979; Yanks – Gestern waren wir noch Freunde) und Honky Tonk Freeway (1981; Da steht der ganze Freeway Kopf), konnte Schlesinger diese Erfolge jedoch nicht wiederholen, bot jedoch gutes Unterhaltungskino. Allerdings war der CIA-Thriller The Falcon and the Snowman (1985; Der Falke und der Schneemann) mit Timothy Hutton, Sean Penn und Lori Singer vor allem in filmästhetischer Hinsicht bemerkenswert. In den neunziger Jahren drehte Schlesinger Pacific Heights (1990; Fremde Schatten, mit Melanie Griffith und Michael Keaton), The Innocent (1993; …und der Himmel steht still, mit Anthony Hopkins und Isabella Rossellini), und das Selbstjustizdrama Eye for an Eye (1995; Auge um Auge, mit Sally Field und Kiefer Sutherland). The Next Best Thing (2000; Ein Freund zum Verlieben), eine Komödie mit Madonna in der weiblichen Hauptrolle, erzählt die Geschichte einer Frau, die beschließt, mit einem homosexuellen Mann ein Kind zu haben. Im Jahr 2000 erlitt der Regisseur einen Schlaganfall und war seitdem schwer krank. Schlesinger starb am 25. Juli 2003 in Palm Springs (Kalifornien).

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