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Transsexualität

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Transsexualität, auch Transsexualismus, die innere Überzeugung, dass der eigene Körper das falsche Geschlecht aufweist. Transsexuelle übernehmen die Kleidungsgewohnheiten, das Gebaren und oftmals – aber nicht immer – auch die sexuelle Ausrichtung des anderen Geschlechts und verändern unter Umständen mit Hilfe von Hormonen oder durch eine operative Geschlechtsumwandlung ihr Aussehen. In diesem Sinn sind Transsexuelle nicht homosexuell, auch wenn es nach außen so wirkt. Ebenso von der Transsexualität abzugrenzen ist der Transvestismus, die Nachahmung des anderen Geschlechts im Aussehen, ohne dass unbedingt das Bedürfnis vorliegen müsste, selbst diesem Geschlecht anzugehören.

2

Kennzeichen und Ursachen der Transsexualität

Kennzeichnend für transsexuelles Empfinden ist eine starke Identifikation mit der Geschlechtsrolle des anderen Geschlechts sowie der Wunsch, sich diesem in Aussehen und Habitus weitestmöglich anzugleichen. Die darüber hinausgehende Ablehnung der äußeren (sekundären wie primären) Geschlechtsmerkmale (z. B. Bartwuchs) – bis hin zum Ekel – gipfelt oft in dem Bedürfnis, diese loszuwerden bzw. gegen die „richtigen” Merkmale einzutauschen. Dies ist mit den Mitteln der plastischen Chirurgie seit einigen Jahren mit immer besseren Erfolgen möglich, wobei einige Probleme aber immer noch ungelöst sind. In jedem Fall bedeutet eine operative Geschlechtsumwandlung den Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit.

Die moderne Psychologie und Sexualwissenschaft erkennen die Transsexualität mittlerweile als ernst zu nehmendes Phänomen an, ohne den Betroffenen seelische Abartigkeit zu unterstellen, wie das noch bis in das 20. Jahrhundert hinein geschah. Vielmehr handelt es sich nach neuerem Verständnis um das Auseinanderklaffen von biologischem und seelischem Geschlecht (bzw. Geschlechtsempfinden), für das theoretisch auch körperliche (sprich: hormonelle) Ursachen in Frage kommen könnten. Insgesamt ist dieser Bereich aber noch nicht ausreichend erforscht.

Manche Ärzte gehen allerdings nach wie vor davon aus, dass die Geschlechtsidentifikation der Transsexuellen pathologisch (krankhaft) ist und dass sie psychiatrisch, nicht chirurgisch, behandelt werden sollte. Andere unterscheiden zwischen „echten” Transsexuellen und Personen mit einer Konfusion (Verwirrung) hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität – im Sinn einer frühkindlichen (Fehl-)Prägung, wie sie auch als Ursache von Homosexualität diskutiert wird.

3

Operative Geschlechtsumwandlung

Vor einer Operation unterziehen sich Transsexuelle in der Regel einer begleitenden Psychotherapie – auch um sicherzugehen, dass der Wunsch, das Geschlecht zu wechseln, einem tiefen Bedürfnis entspricht. Außerdem wird erwartet, dass die Operationsanwärter bereits einige Zeit vor der Umwandlung die neue Geschlechtsidentität vollständig annehmen – vor allem im Alltag und gegenüber ihrer Umwelt. In vielen Ländern – auch in Deutschland – können sich männliche und weibliche Transsexuelle heute einer Geschlechtsumwandlung unterziehen; die Zahl der Interessenten wächst.

Bei Personen, die biologisch Männer sind, werden Penis und Hoden (siehe Kastration) entfernt, eine künstliche Vagina wird gebildet. Mit Hilfe feminisierender Hormone, beispielsweise Östrogen, werden die Brüste vergrößert und die Körperbehaarung wird entfernt. Personen, die biologisch weiblich sind, können sich einer Brustamputation mit Wiederaufbau der Brustwarzen unterziehen. Es können auch männliche Genitalien gebildet werden; dafür ist jedoch eine Reihe von Operationen erforderlich. Bisher ist es nicht möglich, dass ein solcher Penis eine spontane Erektion zeigt. Üblicherweise werden Testosteron und andere männliche Hormone verschrieben, durch die sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale gebildet werden. Während die Auswirkungen von Östrogen auf biologisch männliche Personen reversibel sind, wirken männliche Hormone, die biologisch weiblichen Transsexuellen gegeben werden, irreversibel. Dies bedeutet in der Praxis, dass ein zur Frau gewandelter Mann lebenslänglich Hormone einnehmen muss, da sich sonst das äußere Erscheinungsbild wieder vermännlicht.

4

Rechtliche Aspekte

Die Rechtsprechung zumindest in den USA und Deutschland erkennt Transsexuelle mittlerweile in der von ihnen gewünschten Geschlechtsidentität an und erlaubt unter bestimmten Bedingungen eine Anpassung des Vornamens sowie eine Änderung des Personenstandsregisters (Transsexuellengesetz von 1980). Die Ernsthaftigkeit des Anliegens wird zuvor durch Sachverständigen-Gutachten überprüft. Die rechtlich anerkannte Änderung der Geschlechtszugehörigkeit erstreckt sich anschließend auf sämtliche denkbaren Rechtsfolgen – so können Transsexuelle, die offiziell ihr Geschlecht gewechselt haben, selbstverständlich auch einen Partner des einstmals eigenen Geschlechts heiraten und Kinder adoptieren. Eine nach ärztlichem Gutachten für notwendig gehaltene Geschlechtsumwandlung (in diesem Sinn als Geschlechtsanpassung bezeichnet) wird außerdem von den Krankenkassen bezahlt.

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