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Windows Live® Suchergebnisse Carl Theodor DreyerEnzyklopädieartikel
Carl Theodor Dreyer (1889-1968), dänischer Filmregisseur und Schriftsteller, der wichtigste Vertreter des dänischen Films. Dreyer wurde am 3. Februar 1889 als unehelicher Sohn einer dänischen Magd und eines schwedischen Fabrikbesitzers in Kopenhagen geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter 1891 wurde er von einer protestantischen dänischen Familie adoptiert, wo er eine strenge, lieblose Erziehung erfuhr. Nach gescheiterten Anfängen als Pianist und als Buchhalter arbeitete Dreyer zunächst als Journalist, ehe er 1912 als Mitarbeiter der Nordisk-Produktionsgesellschaft als Verantwortlicher für Zwischentitel und später auch als Drehbuchautor tätig war. Sein Regiedebüt war das konventionelle Melodram Præsidenten (1919; Der Präsident), das noch nicht die Handschrift des späteren Meisterregisseurs aufwies. Unter dem Eindruck von D. W. Griffith’ monumentalen Episodenfilm Intolerance (1916; Intoleranz) drehte Dreyer mit ähnlicher Thematik und stilistisch ambitioniert Blade af Satans Bog (1921; Blätter aus Satans Buch), der in vier Episoden das Überhandnehmen des Bösen in der Geschichte der Menschheit darzustellen versucht. In der Folge arbeitete Dreyer in Norwegen, Deutschland, Dänemark, Frankreich und Schweden. Wegen seines Perfektionismus und seines absoluten Willens zur Genauigkeit, die eine aufwendige Ausstattung notwendig machte, hatte er während seiner gesamten Regiekarriere immer wieder Probleme mit Produzenten. Unter dem Einfluss von Victor Sjöström und Mauritz Stiller Œuvre inszenierte er in Norwegen die schwedische Produktion Prästänkan (1920; Die Pfarrerswitwe) als opulentes und temporeiches Leinwandepos in realistischem Stil, der später sein Markenzeichen wurde. In Deutschland entstanden Die Gezeichneten (1922) und das Melodram Mikaël (1924; Michael, Drehbuch Thea von Harbou), der als Dreyers erstes Meisterwerk gilt. Der hervorragend fotografierte und detailgetreue Film, der sich u. a. dem Tabuthema Homosexualität annähert, erzählt die Geschichte einer unerwiderten Liebe eines Malers zu seinem Modell, einem jungen Mann, der einer russischen Gräfin den Vorzug gibt. Der Regisseur bemüht sich um eine genaue psychologische Zeichnung der Hauptfigur im Verhältnis zu ihren Lebensumständen und behandelt die gesellschaftliche Stellung des Künstlers zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach einem Zerwürfnis mit dem Produzenten Erich Pommer kehrte Dreyer nach Dänemark zurück und inszenierte die vom französischen Film beeinflusste Ehekomödie Du skal ære din hustru (1925; Du sollst Deine Frau ehren), deren Erfolg in Frankreich ihm das Angebot eintrug, hier einen Film zu drehen. Es entstand das wegweisende, authentische Historiengemälde La passion de Jeanne d’Arc (1928; Die Passion der Jungfrau von Orleans), in dem er ausgiebig das Stilmittel der Großaufnahme einsetzte und das unter großem technischen und finanziellen Aufwand gedreht wurde. Das Werk, das heute als Meilenstein der Filmgeschichte gilt, wurde ein kommerzieller Fehlschlag. In der Titelrolle bot Maria Falconetti eine herausragende Leistung. Mit seinem ersten Tonfilm Vampyr – Der Traum des Allan Gray (1932, nach einer Erzählung von Sheridan Le Fanu) schuf Dreyer mit raffinierter Lichtregie ein Meisterwerk des frühen Horrorfilms und entwickelte dabei eine ganz persönliche Handschrift, die sich abseits der konventionellen Darstellungsweisen bewegte, aber ebenso wenig den Stilmitteln des expressionistischen Films folgte. Das Werk, das seinerzeit sowohl bei Publikum als auch bei Kritik auf Unverständnis stieß, gilt heute als Meilenstein des Vampirfilms und zeigt den späteren Ufa-Star Sybille Schmitz in einer ihrer ersten Rollen. Verstörender Höhepunkt ist die Sequenz, in der der Held träumt, zu Grabe getragen zu werden, teilweise gefilmt mit subjektiver Kamera. Der finanzielle Misserfolg des Films führte dazu, dass es elf Jahre dauerte, bis Dreyer sein nächstes Werk in Szene setzen konnte. In dem hochkarätigen Vredens dag (1943; Tag der Rache), einer Anklage gegen Intoleranz und religiösen Fanatismus, schildert er den Untergang einer Pfarrersfamilie des 17. Jahrhunderts, die zerbricht, nachdem der Geistliche eine alte Frau als Hexe verbrennen ließ. Da manche Elemente des Films als Anspielungen auf die Gewaltherrschaft der deutschen Besatzer verstanden wurden, floh Dreyer ins schwedische Exil. Da Dreyer jegliche Kompromisse ablehnte, Konventionen des Unterhaltungskinos zu übernehmen, konnte er nach dem 2. Weltkrieg nur noch drei Filmprojekte realisieren: Den in Schweden entstandenen Två människor (1945) gab er nicht zur öffentlichen Vorführung frei. Das streng konzipierte religiöse Drama Ordet (1954; Das Wort), eine intensive Auseinandersetzung mit dem Christentum, überzeugte durch seine tiefe Ernsthaftigkeit und die psychologisch einfühlsame Figurencharakteristik. Der Film wurde bei den Filmfestspielen von Venedig 1955 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Gertrud (1964), Dreyers letzter Film, knüpfte stilistisch und inhaltlich an Ordet an und ist gekennzeichnet durch lange, statische Einstellungen. Das Werk stieß wegen seiner asketischen Ästhetik zur Zeit seiner Entstehung bei Publikum und Kritik auf Ablehnung, gilt mittlerweile jedoch ebenfalls als Meisterwerk von großer Stilsicherheit im Einsatz seiner visuellen Mittel. Der ausgeprägte Wille zur künstlerischen Freiheit führte dazu, dass Dreyer in 45 Jahren nur 14 Spielfilme drehen konnte. Eine ambitionierte Verfilmung des Lebens Jesu konnte er nicht mehr in Angriff nehmen. Dreyers gesammelte Schriften über den Film sind in dem Werk Dreyer in Double Reflection (1973) zusammengefasst. Carl Theodor Dreyer starb am 20. März 1968 in Kopenhagen.
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