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Windows Live® Suchergebnisse Sozialistischer RealismusEnzyklopädieartikel
Sozialistischer Realismus, in den dreißiger Jahren von der KPdSU proklamierte offizielle Kunstdoktrin der Sowjetunion. Bis in die sechziger Jahre war sie auch für die Literatur- und Kunstkritik der UdSSR und anderer kommunistischer Staaten (Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und China) verbindlich. Zunächst nur für den Bereich der Literatur proklamiert, wurde der sozialistische Realismus später auf alle Künste ausgedehnt. Unter Jossif Stalin rief das Zentralkomitee am 23. April 1932 den sozialistischen Realismus als Staatskunstform aus, tolerierte aber zeitweise noch Strömungen der Avantgarde (Futurismus, Konstruktivismus etc.). 1934 hielt Stalins Schwiergersohn Andrej Zhdanow auf dem sowjetischen Schriftstellerkongress eine Rede, in der er den sozialistischen Realismus zur einzig akzeptierten Literaturform erklärte. Der Satzung des sowjetischen Schriftstellerverbands zufolge musste der Künstler von nun an „eine wahrhafte, historisch konkrete Darstellung der Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung” geben: „Hierbei müssen Wahrheit und historische Konkretheit der künstlerischen Darstellung der Wirklichkeit in Abstimmung mit der Aufgabe der ideellen Umformung und Erziehung der Werktätigen im Geiste des Sozialismus gebracht werden.” Deutlich war somit die pädagogische Funktion des sozialistischen Realismus im Sinn einer Erziehung zum Kommunismus angesprochen. Deshalb sollten die Kunstwerke auf Massenwirkung zielen. Charakteristisch für die Kunst des sozialistischen Realismus ist der so genannte positive Held, der durch sein Handeln einer kommunistischen Idealgesellschaft als Vorbild dient. Damit ist der sozialistische Realismus also keineswegs realistisch, sondern stellt Wirklichkeit unter ideologische Perspektive und verklärt Realität zur Utopie. Verbreitete Themen der bildenden Kunst des sozialistischen Realismus waren Arbeiter auf Feldern oder in Fabriken, Führerporträts von Stalin, Revolutionsszenen und verklärende Darstellungen des häuslichen Lebens. Die Künstler wurden angeregt, sich stilistisch an dem Werk von Ilja Repin zu orientieren. Typische Werke des sozialistischen Realismus schufen Alexander Michailowitsch Gerassimow mit Stalin und Woroschilow im Kreml (Moskau, Dom Chudoschnikow, 1938) und Sergej Wassiljewitsch Gerassimow mit Ein kollektives Bauernfest ( 1937). Nach Stalins Tod 1953 wurden in der Phase des „Tauwetters” unter Nikita Chruschtschow zwischen 1956 und 1965 auch die Maximen des sozialistischen Realismus öffentlich in Frage gestellt. Danach trat wieder eine Phase starker Repressalien ein, die viele Künstler ins Exil trieb. In China war der sozialistische Realismus bis zum Tod von Mao Zedong 1976 die einzige akzeptierte ästhetische Doktrin. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 greifen zahlreiche russische Literaten und Maler (so Ilja Kabakow) die Themenbereiche des sozialistischen Realismus wieder auf, um sie in kitschigen Arrangements ironisch zu verfremden.
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