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Windows Live® Suchergebnisse Erwin PiscatorEnzyklopädieartikel
Erwin Piscator (1893-1966), deutscher Regisseur und Theaterleiter. Piscator gehörte als Vertreter des Dokumentarstils und der politischen Demonstration auf der Bühne zu den bedeutendsten Regisseuren des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 17. Dezember 1893 in Ulm (heute zu Greifenstein, Lahn-Dill-Kreis, gehörend) geboren und begann 1914 als Schauspieler am Hoftheater München. Durch die Erfahrung des 1. Weltkrieges wurde er zum engagierten Pazifisten und Sozialisten. 1919 übernahm er die Leitung der gemeinsam mit Karl Heinz Martin gegründeten Bühne Tribunal, die vorwiegend expressionistische Stücke zur Aufführung brachte. 1920 gründete Piscator in Berlin sein erstes agitatorisches so genanntes Proletarisches Theater. Im Auftrag der KPD inszenierte er politische Revuen (Revue Roter Rummel und Trotz alledem!). Er arbeitete als Regisseur an der Berliner Volksbühne (1924-1927) und am Theater am Nollendorfplatz (1927/28). Zu seinen Mitarbeitern gehörte u. a. auch Bertolt Brecht. Piscators Inszenierungen zeichnen sich vor allem durch technische Neuerungen aus. Auf der so genannten Piscatorbühne, einer Etagenbühne, auf der sich zeitgleiches Geschehen parallel darstellen ließ, wurden z. B. Filmprojektionen mit einbezogen. Wichtige Aufführungen dieser Zeit, die durch Dynamisierung das Geschehen emotional nacherlebbar machen sollten (ein Gedanke, den Brecht ablehnte), waren Alfons Paquets Sturmflut, Maksim Gorkijs Nachtasyl und Friedrich Schillers revolutionär ausgedeutete Räuber, wo einer der Darsteller mit der Maske Trotzkijs auftrat (u. a. wegen dieser Inszenierung wurde Piscator später bei der Volksbühne entlassen). Aufsehen erregten 1927 auch seine Interpretationen von Alexej Tolstojs Rasputin mit einem gewaltigen, drehbaren Globus, der aufklappbar war und verschiedene Spielebenen ermöglichte, und Jaroslav Hašeks Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk, zu der Piscator einen Trickfilm nach Zeichnungen von George Grosz laufen ließ. Seine Auffassung vom Theater als Forum zur Bildung eines politischen Bewusstseins stellte er in seiner Abhandlung über Das politische Theater (1929) dar. Zwischen 1931 und 1936 lebte Piscator in der Sowjetunion, danach bis 1939 in Frankreich und später in den USA. 1951 kehrte er nach Deutschland zurück. Als Direktor der Freien Volksbühne in Westberlin (1962-1966) inszenierte er eine Reihe von Uraufführungen, u. a. die viel diskutierten Dokumentarstücke Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth (1963) und Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen (1965) von Peter Weiss. Er beeinflusste zahlreiche Regisseure, vor allem Hansgünther Heyme, der viele Jahre sein Assistent gewesen war. Piscator starb am 30. März 1966 in Starnberg.
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