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Windows Live® Suchergebnisse FabrikgesetzeEnzyklopädieartikel
Fabrikgesetze (Factory Acts), Sammelbegriff für eine Reihe britischer Gesetze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Großbritannien das Land mit dem höchsten Industrialisierungsgrad; aber die britischen Gesetze reichten bei weitem nicht aus, um wenigstens die schlimmsten Ausbeutungspraktiken an den Arbeitern zu verhindern. Die Fabrikanten wehrten sich vehement gegen neue Gesetze mit der Begründung, dass die Produktionskosten dadurch erheblich ansteigen und sich somit Nachteile für die Arbeiter ergeben könnten. Ein früher Reformversuch, das Gesetz über die körperliche und seelische Gesundheit von Lehrlingen (Health and Morals of Apprentices Act, von 1802), schränkte die Arbeitszeit der Lehrlinge auf zwölf Stunden am Tag ein, verbot für Kinder die Nachtarbeit und enthielt Vorschriften zur ordnungsgemäßen Unterbringung der Lehrlinge. Dieses Gesetz wirkte sich auf die Praxis allerdings kaum aus, da flankierende Kontrollmaßnahmen fehlten. Robert Owen, ein schottischer Fabrikbesitzer, bewies jedoch, dass es sehr wohl möglich war, die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern und zugleich Gewinne zu erwirtschaften, und setzte sich für Reformen ein. Sein Einsatz führte 1819 zu einem weiteren Gesetz, das die Fabrikarbeit für Kinder unter neun Jahre verbot; es galt allerdings nur für Baumwollfabriken. Auch dieses Gesetz blieb wirkungslos, da es wieder kein Kontrollsystem gab und das Alter der Kinder leicht vertuscht werden konnte. Echte Fortschritte gab es erst Anfang der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts, als Lord Shaftesbury an die Spitze der Reformbewegung trat und eine breite Koalition aus verschiedenen parlamentarischen und außerparlamentarischen, politischen, sozialen und religiösen Gruppierungen zusammenbrachte. 1833 wurde das erste wirksame Fabrikgesetz verabschiedet. Es bezog sich auf alle Textilfabriken und beschränkte die Arbeitszeit für Kinder unter 13 Jahren auf neun Stunden täglich, für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren auf zwölf Stunden pro Tag. Entscheidend an diesem Gesetz war die Bestimmung, dass die Durchführung des Gesetzes von hauptamtlichen Fabrikinspektoren kontrolliert und sichergestellt werden musste. Für erwachsene Arbeiter verbesserten sich die Arbeitsbedingungen erst 1842 durch das Bergbaugesetz (Mines Act), das Frauen und Kindern unter 13 Jahren die Arbeit unter Tage verbot. Diesem Gesetz folgte das weit wichtigere Fabrikgesetz (Factory Act) von 1844, das die Frauenarbeit auf zwölf Stunden und die Kinderarbeit auf sechseinhalb Stunden begrenzte, Ausbildungsrichtlinien festlegte und Sicherheitsvorschriften enthielt. Mit dem Fabrikgesetz von 1847 erfüllten sich Lord Shaftesburys jahrelange Bemühungen um die Einführung des gesetzlich festgeschriebenen Zehnstundenarbeitstages für Frauen und Jugendliche. Indirekt bewirkte dieses Gesetz auch die Begrenzung der Arbeitszeit für Männer. Zwei weitere Gesetze (1850 und 1853) waren erforderlich, um endgültig durchzusetzen, dass die Fabriken für Frauen und Jugendliche nur zwölf Stunden am Tag (samstags acht Stunden) geöffnet sein durften; innerhalb dieser Betriebszeit durften Frauen und Jugendliche nur zehneinhalb Stunden (an Samstagen siebeneinhalb Stunden) arbeiten. Die zusätzliche halbe Stunde wurde 1874 abgeschafft.
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