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Strukturalismus

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Claude Lévi-StraussClaude Lévi-Strauss

Strukturalismus, geisteswissenschaftliche Verfahrensweise, die den historischen Kontext ihres Forschungsgegenstands vernachlässigt, um sich der Untersuchung seiner Struktur, also des Beziehungsgefüges seiner Einzelelemente zueinander, zuzuwenden. Damit ist sie grundsätzlich von der Hermeneutik verschieden. Der Strukturalismus entstand in den fünfziger Jahren in Frankreich mit dem Ziel, eine Untersuchungsmethode zu entwickeln, die den empirischen Verfahrensweisen innerhalb der Naturwissenschaften ebenbürtig war. Ausgangspunkt hierfür bildete die Linguistik Ferdinand de Saussures mit ihrem Ansatz, die Sprache weniger unter dem Aspekt ihrer geschichtlichen Entwicklung (Diachronie) zu untersuchen, sondern stattdessen ihre inneren Gesetzmäßigkeiten (ihre Synchronie) aufzudecken. In den dreißiger Jahren wurde de Saussures Sprach- und Zeichenmodell von der Prager Schule um Roman Jakobson, Nikolaj Trubetzkoy und Jan Mukařovský aufgegriffen und auf zahlreiche „Texturen” (Poesie, Architektur) ausgedehnt. Der russische Formalismus um Wiktor Schklowskij und Boris Eichenbaum versuchte, das Funktionieren literarischer Texte (etwa von Lew Tolstoj und Nikolai Gogol) allein aus der Beziehung ihrer Elemente zueinander verständlich zu machen: Anders als hermeneutische Methoden sollte „Sinn” unabhängig von textexternen Phänomenen immanent, und durch die Aufdeckung formaler Verfahrensweisen, entschlüsselt werden. Prager Schule und russischer Formalismus stellten Vorläufer des französischen Strukturalismus dar.

In den fünfziger Jahren war der Ethnologe Claude Lévi-Strauss einer der Ersten, der de Saussures Linguistik in Frankreich zur strukturalistischen Methode verfeinerte. Seine 1955 erschienene Studie zum inneren Aufbau von Mythen, The Structural Study of Myth, zielt auf eine Abstraktion des sozialen Rezeptionsumfelds und verfolgt letztlich das Ziel, das mythische Denken verschiedenster Kulturen auf eine verbindliche Allgemeinstruktur zurückzuführen. In den sechziger Jahren wurde der Strukturalismus zur zentralen Methode der Geisteswissenschaften. Wichtige Vertreter waren in der Literaturwissenschaft Roland Barthes, in der Kulturwissenschaft Michel Foucault, in der Soziologie Lucien Goldmann, in der Psychologie Jean Piaget und in der Psychoanalyse Jacques Lacan. Vom Strukturalismus beeinflusst wurde der Dekonstruktivismus des französischen Philosophen Jacques Derridas sowie die Semiotik, namentlich die so genannte kulturelle Semiotik Umberto Ecos, die strukturalistische und hermeneutische Methodik miteinander zu versöhnen suchte. Viele der erklärten Strukturalisten wandten sich später von den Saussure’schen Dogmen der Bewegung ab und offeneren Systemen zu, die vom „Spiel der Signifikanten” (Barthes), von einer Vielzahl möglicher Deutungsmuster der Wirklichkeit also, ausgingen. Vor allem die Kritik an der ungeschichtlichen und transindividuellen Vorgehensweise des Strukturalismus etwa im Zuge der Pariser Studentenunruhen 1968 führte zu einer Neuorientierung seiner Anhänger. Die Forderung nach politischem Engagement schien mit der immanenten Betrachtungsweise unvereinbar. Ausgehend vom Strukturalismus versuchte der Poststrukturalismus, dynamischere und flexiblere Betrachtungsformen zu entwickeln.

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