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Lebensmittelallergie und -unverträglichkeitEnzyklopädieartikel
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Es ist schwierig, präzise Angaben über die genaue Zahl der Lebensmittelallergiker zu liefern, da viele Fälle nicht diagnostiziert werden. Es ist jedoch bekannt, dass 10 Prozent der Kinder an Asthma und die gleiche Prozentzahl an Migräne leiden. Von Ekzemen sind ungefähr 12 Prozent betroffen. Diese Zahlen geben einen Hinweis auf die Größe des Problems. Allergien gelten als „Umweltkrankheit Nummer eins” in der westlichen Welt.
Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist jede übersteigerte Reaktion auf Lebensmittel, bei der eine Beteiligung des Immunsystems nicht nachgewiesen werden kann, weil Haut- und Bluttests und andere allerologische Tests negativ sind. Möglicherweise ist das Immunsystem in irgendeiner Weise beteiligt, aber nicht als wichtiger Faktor beim Hervorrufen der Symptome. Untersuchungen haben inzwischen bewiesen, dass Lebensmittelunverträglichkeit in Verbindung mit Krankheiten wie Colon irritabile (Reizkolon; Schmerzen im Grimmdarm), Migräne, Arthritis, Morbus Crohn und Hyperaktivität (siehe ADHS) auftritt. Es gibt eine breite Skala von Symptomen, die auf den Ausschluss von bestimmten Lebensmitteln aus der Ernährung ansprechen. Eine Diät, bei der Nahrungsmittel ausgeschlossen werden, sollte unter Aufsicht eines Arztes begonnen werden. Entscheidend ist die vorsichtige und allmähliche Wiedereinführung des Lebensmittels und die Beobachtung der Auswirkungen.
Es gibt kein Testverfahren, um bei einem Patienten eine Lebensmittelunverträglichkeit eindeutig zu diagnostizieren; Hauttests sind nicht hilfreich, und kein Bluttest ist wirklich zuverlässig. Manchen Menschen fehlt ein Enzym in der Darmschleimhaut, die so genannte Lactase, die Milchzucker (Lactose) spaltet. Der Zustand des Lactasemangels führt zu Lactose-Unverträglichkeit, die wiederum Diarrhöe hervorruft. Dieses Enzym brauchen nur Säuglinge, die mit Muttermilch ernährt werden. Nach der Säugeperiode ist Milch normalerweise kein Grundnahrungsmittel mehr, und das Enzym geht verloren. Eine Lebensmittelunverträglichkeit kann aber auch aufgrund anderer Faktoren entstehen. Einige Patienten entwickeln erst ein Colon irritabile, wenn ihnen nach einer Operation Antibiotika verabreicht wurden. Manche Menschen entwickeln diese Symptome nach Einnahme der empfängnisverhütenden „Pille” oder von Cortisontabletten. Bei einigen Patientinnen werden die Darmsymptome mit vaginalem Soor (einer Pilzinfektion) in Verbindung gebracht. Man vermutet, dass diese Formen des Colon irritabile auf Grund übermäßigen Wachstums Gärung erzeugender Organismen im Darm auftreten; sie können durch eine Diät sowie Arzneimittel gegen Pilze behandelt werden.
Der einzige zuverlässige Weg, um herauszufinden, ob ein Lebensmittel die Symptome verursacht, besteht darin, es aus der Ernährung auszuschließen und später wieder zuzusetzen. Oft fühlt sich der Patient zwar anfangs schlechter („Entzugsreaktion”), aber nach sechs bis sieben Tagen stellt sich meistens eine deutliche Verbesserung ein. Wenn nach drei Wochen keine Besserung eingetreten ist, sollte die Diät aufgegeben werden.
Eine Faustregel besagt: Je „gieriger” eine Person nach einem Lebensmittel ist, um so wahrscheinlicher reagiert sie empfindlich darauf. Farb- und Konservierungsstoffe sowie Grundnahrungsmittel spielen eine wichtige Rolle bei hyperaktiven Kindern. Getreidearten und Molkereiprodukte sind bei den meisten dieser Erkrankungen die üblichen Ursachen, Zucker und Hefeprodukte insbesondere bei Colon irritabile. Im Folgenden werden einige der Lebensmittel angeführt, die Symptome und die möglicherweise auftretenden Krankheiten auslösen können. Mehl und Gluten. Auf Weizenprodukte gibt es insbesondere zwei übersteigerte Reaktionen: Überempfindlichkeit auf Gluten, die Zöliakie (siehe unten) hervorruft; und Reaktionen, die als Weizenunverträglichkeit bezeichnet werden können. Hierbei ist der Mechanismus unbekannt, aber der Patient spricht auf den Ausschluss des Lebensmittels aus der Ernährung gut an. Das Hauptproblem jeglicher Diagnose von Lebensmittelunverträglichkeit liegt in der Verzögerung zwischen dem Verzehr des Lebensmittels und dem Auftreten der Symptome. Dieses Problem wird dadurch erschwert, dass die meisten Menschen mehrmals täglich Weizenprodukte in Form einer Hauptmahlzeit oder eines Imbisses (Teigwaren, Kekse, Sandwichs, Kuchen) zu sich nehmen. Zöliakie ist auf eine Überempfindlichkeit auf das im Getreide enthaltene Gluten zurückzuführen. Dies hat eine Schädigung der Darmschleimhaut zur Folge, wodurch Diarrhöe und oft ein damit einhergehender stark juckender Hautausschlag hervorgerufen werden (Dermatitis herpetiformis). Zöliakie kann mit Hilfe eines Bluttests diagnostiziert werden, aber die beste Möglichkeit ist die Entnahme einer Gewebeprobe von der Dünndarmwand zur mikroskopischen Untersuchung. Die Struktur der Darmschleimhaut ist im gesunden Zustand sehr charakteristisch, aber bei einer Schädigung durch Gluten wird sie flach und dünn. Die Behandlung besteht in einem lebenslangen Ausschluss von glutenhaltigen Produkten. Italienische Forscher berichteten 2001 in der Zeitschrift Lancet, unter Zöliakie Leidende hätten ein deutlich erhöhtes Sterberisiko, insbesondere wenn keine glutenfreie Diät eingehalten würde; Todesursache sei häufig das Non-Hodgkin-Lymphom, eine Krebserkrankung Blut bildender Organe. Getreideintoleranz ist weiter verbreitet als Zöliakie. Die Symptome können als Colon irritabile zusammengefasst werden. Dies ist ein Krankheitsbild, bei dem Diarrhöe, Verstopfung, Unterleibsschmerzen und Blähungen auftreten. Untersuchungen lassen selten eine Anomalie des Darmes erkennen. Weitere Symptome sind Lethargie, Gelenk- und Kopfschmerzen. Bei 50 Prozent der Patienten mit Colon irritabile erweist sich der Ausschluss von entsprechenden Lebensmitteln aus der Ernährung als erfolgreich. Molkereiprodukte. Es gibt mehrere Mechanismen, durch die Molkereiprodukte Reaktionen hervorrufen. Der Mangel des Enzyms Lactase kommt weltweit bei 75 Prozent der Bevölkerung vor und gilt als „normal”. Westeuropäer behalten dieses Enzym auch nach ihrer Kindheit und können dementsprechend unter normalen Umständen ihr Leben lang Milchzucker verdauen. Manche Menschen verlieren das Enzym entweder in der Kindheit oder später und müssen daher Lactose meiden. Bei ihnen besteht eine Lactoseunverträglichkeit und ein Lactasemangel. Andere reagieren allergisch auf Milcheiweiß, können aber den Zucker vertragen. Hyperaktivität. Mehrere Untersuchungen, darunter zwei vom Great Ormond Street Hospital in London, haben gezeigt, dass bestimmte Lebensmittel, Farb- und Konservierungsstoffe bei Kindern Stimmungsschwankungen und hyperaktives Verhalten herbeiführen können. Eine Form der Desensibilisierung (Immuntherapie) hat sich in diesen Fällen als hilfreich erwiesen.
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