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Waldbewirtschaftung und Waldschutz

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Die Bedeutung des WaldesDie Bedeutung des Waldes

Waldbewirtschaftung und Waldschutz, System von Eingriffen in den Wald, um bestimmte Vorgaben und Planungsziele zu erreichen. Der Waldschutz oder Walderhalt umfasst dabei den langfristigen Schutz des Ökosystems Wald an sich, insbesondere den Erhalt der biologischen Artenvielfalt, des Bodens und seiner Funktion als Wasserspeicher und zur Klimaregulierung. Im strengen Sinn ist dies nur durch einen umfangreichen Schutz möglich, nicht jedoch bei einer Bewirtschaftung. Weltweit befinden sich etwa fünf Prozent der Wälder in geschützten Gebieten, in denen keine Waldprodukte entnommen werden, etwa in den Nationalparks.

Die Waldbewirtschaftung hat zwar das primäre Ziel, den Wald und sein Holz sowie andere Waldprodukte wirtschaftlich zu nützen, doch ist dies langfristig nur mit dem Erhalt der Grundlage für die Waldproduktion möglich, also einem gewissen Schutz; insofern verfolgt auch die Waldbewirtschaftung ähnliche oder die gleichen Ziele wie der Waldschutz, wenngleich in einem anderen Ausmaß.

Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür wurden erst im 18. und 19. Jahrhundert geschaffen (siehe Forstwirtschaft). Insgesamt umfasst die Waldbewirtschaftung verschiedene Arbeiten der Planung, Ausführung und Überwachung. Im Wesentlichen handelt es sich um folgende Tätigkeiten: eine Standortüberprüfung, bei der die Gegebenheiten des Bodens erfasst werden; die detaillierte Erfassung des Waldbestands, einschließlich der Einteilung der Bäume in verschiedene Größenklassen, und die Erstellung einer genauen Karte des Waldgebiets; die Planung und Einrichtung von Straßen und Wegen, um den Wald zu erschließen; Maßnahmen zur Verbesserung des Bodens und der Wasserversorgung; allgemeine Maßnahmen der Waldpflege, die dazu dienen, die Qualität des Bestands zu verändern oder zu erhalten, etwa Baumpflege, Auslichten, Düngen, Entnahme von Einzelbäumen, Neuanpflanzung von Bäumen oder Förderung der so genannten Naturverjüngung (unbeeinflusste Aussamung bestimmter Bäume auf einem Gebiet), Aufbau der erwünschten Artenzusammensetzung und der Alters- und Größengruppen, gezielte Befruchtung, usw.; Erntemaßnahmen; Kontrollmessungen der Ertragsmenge, um diese auch für die Zukunft erhalten zu können; Baumpflege, also Schutz vor dem Befall mit Schädlingen oder Krankheiten, Feuer und extremen Klimabedingungen.

Bewirtschaftete Wälder können einen sehr unterschiedlichen Aufbau haben. Man unterscheidet zwischen gleichaltrigen Beständen – sie entstehen bei gepflanzten Forsten – und altersverschiedenen Beständen, wofür die natürlichen Wälder die besten Beispiele darstellen. Zwischen diesen beiden Extremformen gibt es ein breites Spektrum möglicher Bestandszusammensetzungen, die je nach Standort, der jeweils bevorzugten Waldnutzungsweise und der Tradition des Forstreviers oder eines Landes gewählt werden. Die Zeit zwischen zwei aufeinander folgenden Holzeinschlägen (also der Ernte des Forstes) nennt man Rotation. Man betrachtet den Forst also ähnlich wie einen Acker, jedoch mit wesentlich längeren Bewirtschaftungszeiten und seltenerer Ernte. Dementsprechend sind aber auch die Einflussmöglichkeiten auf einen Waldbestand größer und vor allem weit reichender. Fehlentscheidungen machen sich immer erst viele Jahre später bemerkbar und sind oft nicht eindeutig einer Ursache zuzuordnen. Maßnahmen zur Waldbewirtschaftung erfordern daher eine besonders umsichtige und vorausschauende Planung und Erfahrung.

In Europa und Nordamerika werden, anders als in den Entwicklungsländern, die weitaus meisten Wälder wirtschaftlich genutzt. Wirklich natürliche Wälder im Sinne von unberührt und vom Menschen unbeeinflusst gibt es zumindest in Europa so gut wie nicht mehr. Ein großer Teil der tropischen Nutzholzproduktion stammt dagegen noch aus natürlich gewachsenem Urwald. Früher erfolgte die Holzernte überwiegend durch Kahlschlag. Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts wird zumindest in Zentraleuropa die selektive Holzentnahme (die Entnahme von wenigen oder Einzelbäumen) sowie die Naturverjüngung auf abgegrenzten Parzellen zunehmend angewandt; zusammen mit einer standortgerechten Baumartenwahl bezeichnet man dies (neben anderen Kriterien) als naturgemäße Waldbewirtschaftung. Diese Art der Forstwirtschaft ist jedoch bei weitem nicht flächendeckend eingeführt, und in manchen Regionen ist sie in der strengen Form auch nicht wirtschaftlich praktikabel. Durch den Druck der Öffentlichkeit wird diese naturnahe Bewirtschaftungsweise nun auch allmählich in anderen Staaten eingeführt, etwa an der Pazifikküste Nordamerikas oder in manchen tropischen Gebieten. Siehe Entwaldung.

Dieser Druck und auch die Erweiterung der Ziele, die man Nutzholzwäldern zuordnet, haben die Aufgaben der Waldbewirtschaftung in den meisten Ländern erweitert. Der Nachdruck liegt nicht auf dem Erhalt von Nutzholz allein, sondern auf der breiteren Strategie einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Dabei wird gewöhnlich versucht, das gesamte Spektrum der mit dem Wald verbundenen Ziele abzudecken. Als wichtigste lassen sich nennen: Ernte von Nutzholz; Erhaltung des Lebensraumes mit seiner individuellen Artenzusammensetzung (einschließlich der Pilze und eventuell vorhandener Arzneipflanzen); Wasser- und Bodenschutz; Schutz der Artenvielfalt; Erholungsfunktion; Erhaltung der spezifischen Landschaftsstruktur. Bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung müssen auch die Bedürfnisse zukünftiger Generationen beachtet werden. Dies beinhaltet eine größere Beteiligung der Förster an Entscheidungen über die Landnutzung sowie ein größeres Mitspracherecht gesellschaftlicher Gruppen bei der Festsetzung von Waldbewirtschaftungszielen.

Umweltverträglichkeitsprüfungen und Kosten-Nutzen-Analysen helfen manchmal, die gegenläufigen Ziele der ökologischen und ökonomischen Waldbewirtschaftung aufeinander abzustimmen und sich dort, wo eine Abstimmung nicht möglich ist, für bestimmte Maßnahmen zu entscheiden. Häufig teilt man etwa ein Waldstück in verschiedene, abgetrennte Zonen ein, in denen dadurch sonst unvereinbare Nutzungsweisen durchgeführt werden können. So können z. B. einerseits der Schutz seltener Tiere und Pflanzen mit der Erschließung anderer Gebiete für die Erholung miteinander in Einklang gebracht werden.

In zahlreichen Ländern werden die Rollen unterschiedlicher Waldnutzungen und Interessenslagen derzeit neu beurteilt. Dadurch konnten neue Systeme der Zusammenarbeit zwischen der lokalen Bevölkerung, die vom Wald als Quelle für Nahrungs- und Arzneimittel, Baustoffe und Brennmaterial abhängt, und der Regierung entstehen, die häufig den Wald besitzt und die Interessen des Gemeinwohles verfolgt. In Indien existieren inzwischen viele derartige Beispiele, die den Erfolg solcher individuellen Systeme bezeugen.

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