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Peter Weiss

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Peter WeissPeter Weiss
Artikelgliederung
1

Einleitung

Peter Weiss, Pseudonym Sinclair, (1916-1982), Schriftsteller, Maler und Filmemacher. Mit seinem Prosa- und Dramenwerk gehört Weiss, der zumeist in Schweden lebte, zu den wichtigsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit.

Peter Weiss wurde am 8. November 1916 in Nowawes (heute Babelsberg, Gemeinde Potsdam) geboren und wuchs in Bremen und Berlin auf. Einer jüdischen Kaufmannsfamilie entstammend, musste er 1934 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. 1936 übersiedelte er nach Prag, wo er bis 1938 an der Kunstakademie studierte. 1939 floh er über die Schweiz nach Schweden und nahm 1946 die schwedische Staatsbürgerschaft an. 1947 kehrte Weiss als Reporter des Stockholms Tiningen kurzzeitig nach Deutschland zurück: Seine von der Zeitung als unjournalistisch abgelehnten Prosameditationen wurden 1948 unter dem Titel De besegrade (Die Besiegten) gesammelt publiziert. 1963 heiratete er die Bühnenbildnerin Gunilla Palmstierna, mit der er seit 1952 zusammenlebte (zuvor war er bereits 1943 bzw. 1949 zwei kurze Ehen eingegangen). Durch seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus politisch zeitweise dem Marxismus nahestehend, engagierte sich Weiss Ende der sechziger Jahre vehement gegen den Militäreinsatz der USA in Vietnam. Er starb am 10. Mai 1982 in Stockholm. 1963 erhielt Peter Weiss den Charles-Veillon-Preis, 1966 den Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der Künste der DDR und 1982 posthum den Georg-Büchner-Preis. 1992 rief die Stadt Bochum den Peter-Weiss-Preis ins Leben, der mit 15 000 Euro dotiert ist. Preisträger waren etwa George Tabori, Elfriede Jelinek, Jochen Gerz und Christoph Hein.

2

Werk

Weiss begann seine künstlerische Karriere als Maler düster-expressiver Zeichnungen und Gemälde. 1942 hatte er seine erste Ausstellung. Durch die Bekanntschaft mit Hermann Hesse fand er zu einer eigenständigen Bildsprache in der Nähe des magischen Realismus. Zwischen 1947 und 1952 betätigte sich Weiss erstmals literarisch. Bevor er sich allerdings endgültig entschloss, freier Schriftsteller zu werden, betätigte er sich als sozialkritisch-experimenteller Filmemacher. Sein literarisches Frühwerk entstand in schwedischer Sprache. Doch waren seine Bücher, darunter Från ö till ö (1947; Von Insel zu Insel), und die von Franz Kafka beeinflusste Erzählung Duellen (1953; Duell) in Schweden nur wenig erfolgreich.

Erst ab 1960 publizierte Weiss in deutschen Verlagen. Bekannt wurde er durch den surrealistisch anmutenden experimentellen „Mikro-Roman” Der Schatten des Körpers des Kutschers (1960), der, in einer bis zur Absurdität übersteigerten Detailbesessenheit geschrieben, Kupferstichcollagen des Autors in der Tradition von Max Ernst enthält. 1961 erschien die autobiographische Erzählung Abschied von den Eltern, die, ebenfalls mit Collagen illustriert, die Neue Subjektivität der deutschen Literatur in den siebziger Jahren vorwegnimmt. Abschied von den Eltern wurde 1962 mit Fluchtpunkt – einem „unendlichen, formlosen Selbstgespräch” zur Bewältigung der eigenen Vergangenheit – fortgesetzt. Mit dem zweiaktigen Welterfolg Die Verfolgung und Ermordung Jean-Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade (1964, 1965 überarbeitet) kreierte Weiss ein Avantgardestück, welches das um die Revolutions- und Freiheitsproblematik kreisende Geschehen auf verschiedenen Handlungsebenen ironisch hinterfragt. Den Frankfurter Auschwitzprozess dokumentiert das „Oratorium in elf Gesängen” Die Ermittlung (1965), dessen Uraufführung gleichzeitig in 17 Städten stattfand – darunter Ost- und Westberlin, Dresden, Essen, Köln, Leipzig, London, München, Potsdam und Stuttgart. In Dramen wie Diskurs über die Vorgeschichte und den Verlauf des lang andauernden Befreiungskrieges in Viet Nam (1968) und Trotzki im Exil (1970) manifestierte sich Weiss’ sozialistisch-utopische Grundhaltung, wobei Trotzki im Exil die Abkehr des Autors vom dokumentarischen Theater markiert. So beleuchtet etwa das später geschriebene Drama Hölderlin (1977) die wachsende Kluft zwischen dichterischer Schöpferkraft und sozialer Wirklichkeit. Darüber hinaus arbeitete Weiss Franz Kafkas Roman Der Prozeß für die Bühne um, indem er die Figuren in einen kapitalistischen Kontext stellte (Der Prozeß, 1965, bzw. Der neue Prozeß, 1982).

Weiss’ Hauptwerk ist zweifellos der dreibändige Monumentalroman Die Ästhetik des Widerstands (1975-1981), der das künstlerische Prinzip der Collage auf den literarischen Bereich überträgt und so die Gattung sprengt. Hier wird das Handlungsgerüst (dargestellt wird die Geschichte der Arbeiterbewegung zwischen 1918 und 1945) durch essayistische, dokumentarische und fiktionale Einsprengsel überlagert. Die Figuren und Orte sind historisch größtenteils belegbar. Ehrgeiziges Anliegen ist es, ein episch totales Panorama der revolutionären Linken zu entwerfen, und zwar aus der Perspektive derer, „die sich ganz unten befinden u. dort, Entbehrungen u. Leid auf sich nehmend, ihre Überzeugung” herausgebildet haben. In der Ästhetik des Widerstands sind zentrale Aspekte des Weiss’schen Gesamtwerkes, wie autobiographische Selbstfindung (hier zur idealen Lebensbeschreibung ausgebaut), politisches Engagement und sprachexperimenteller Neuerungsdrang, abermals aufgerufen. Darüber hinaus integriert der Roman zahlreiche Reflexionen zur Kunst in die Betrachtung, so zum Pergamonaltar, zu Dantes Göttlicher Komödie, zum Werk Kafkas und der Surrealisten bis hin zu Delacroix, Picasso, George Grosz und John Heartfield. Weitere Prosawerke von Peter Weiss sind Das Gespräch der drei Gehenden (1963), Nacht mit Gästen (1966), Der Fremde (1980), Notizbücher 1971-1980 (2 Bde., 1981) und Notizbücher 1960-1971 (2 Bde., 1982). In der Zeitschrift Theater heute erschienen die Theaterstücke Gesang vom Lusitan. Popanz (1967) und Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird (1968). Mehr als 40 Jahre nach seiner Niederschrift erschien der bislang nicht veröffentlichte Erstlingsroman von Peter Weiss, Die Situation (2000).

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