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Windows Live® Suchergebnisse Wim WendersEnzyklopädieartikel
Wim Wenders, eigentlich Ernst Wilhelm Wenders, (*1945), deutscher Filmregisseur. Mit Filmen wie Alice in den Städten (1974) und Im Lauf der Zeit (1976) etablierte er sich als einer der führenden Vertreter des deutschen Autorenfilms. Sein in Amerika entstandenes Roadmovie Paris, Texas (1984) wurde ein internationaler Erfolg. Wenders wurde am 14. August 1945 als Sohn eines Arztes in Düsseldorf geboren. Als Zwölfjähriger bekam er eine 8-mm-Kamera geschenkt und begann sich nun für den Film zu interessieren. Nach dem Abitur in Oberhausen studierte er vier Semester Medizin und Philosophie in München, Freiburg und Düsseldorf. Von 1967 bis 1970 besuchte er die Hochschule für Fernsehen und Film in München, wo er mehrere Kurzfilme drehte, u. a. Same Player Shoots Again (1968), Silver City (1969) und Drei Amerikanische LP’s (1969). Dort entstand als Abschlussarbeit auch sein erster Spielfilm Summer in the City (1970). Daneben schrieb Wenders Filmkritiken. Sein erster Publikumserfolg war Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972, nach der gleichnamigen Erzählung von Peter Handke), das Psychogramm eines entfremdeten jungen Mannes, der aus den Zusammenhängen seines bisherigen Lebens fällt und eine Kinokassiererin ermordet. Beide Frühwerke verfügen bereits über die Merkmale einer Filmsprache, die auch für seine späteren Arbeiten charakteristisch sind. Ruhige, betont lange Einstellungen legen das Hauptaugenmerk auf Probleme der Wahrnehmung. Die spärliche Handlung tritt in den Hintergrund, die materielle Präsenz der Dingwelt erhält großes Gewicht. Im Mittelpunkt steht in der Regel ein isolierter, zur Introspektion neigender Held, der ziellose Reisen unternimmt und sich den Eindrücken der Außenwelt hingibt. Wenig Beachtung fanden Wenders’ sperrige, eigenwillige Literaturadaptionen Der scharlachrote Buchstabe (1972, nach dem Roman von Nathaniel Hawthorne) und Falsche Bewegung (1975, nach Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre). Wenders war seit jeher von den USA und dem amerikanischen Film fasziniert, und viele seiner Filme reflektieren diese Faszination, gepaart mit skeptischen Seitenblicken auf den American way of life. Das erste Beispiel war Alice in den Städten (1974), die sensible, bildkräftige Geschichte der Freundschaft zwischen einem Journalisten und einem neunjährigen Mädchen. Wie in dem Nachfolger Im Lauf der Zeit (1976), dem Porträt einer Männerfreundschaft vor dem Hintergrund bundesrepublikanischer Wirklichkeit, variierte Wenders hier das Muster des Roadmovies, das er später in Paris, Texas nochmals aufgriff. Seine enge Beziehung zum amerikanischen Kino demonstrierte er auch in seinem meisterhaften Kriminalfilm Der amerikanische Freund (1977), in dem die amerikanischen Regisseure Dennis Hopper, Samuel Fuller und Nicholas Ray in den Hauptrollen zu sehen sind. Nick’s Film – Lightning over water (1980) ist eine einfühlsame Hommage an den großen amerikanischen Filmregisseur Nicholas Ray. Ein atmosphärisch dichter, biographisch akzentuierter Film gelang ihm mit Hammett (1982, produziert von Francis Ford Coppola), einer Annäherung an den amerikanischen Kriminalschriftsteller Dashiell Hammett. Mit Nastassja Kinski und Harry Dean Stanton in den Hauptrollen realisierte Wenders Paris, Texas (1984), einen seiner größten Publikumserfolge. Der visuell eindrucksvolle Film über einen Mann, der sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Frau und seinem kleinen Sohn macht, wurde bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Danach wandte sich Wenders u. a. Themen des – nicht nur im Berlin-Mythos poetisch überhöhten – zeitgenössischen Deutschlands zu, wie in Der Himmel über Berlin (1987, Drehbuch von Peter Handke) und In weiter Ferne, so nah (1993). Mit Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (1989) drehte Wenders einen Dokumentarfilm über einen Modemacher in Paris und Tokyo. Bis ans Ende der Welt (1991), der Versuch eines monumentalen, philosophischen Sciencefictionfilmes, fand bei Publikum und Kritik eher zwiespältige Aufnahme. Im Zentrum des Schaffens von Wim Wenders steht das Thema Selbstfindung und -behauptung in einer geistig und sinnlich erfahrbaren Welt, deren natürliche Konturen sich ins Metaphorisch-Symbolische weiten. Von eminenter Bedeutung ist dabei immer wieder die besondere Sicht des Filmemachers, der somit eine eigene Realität schafft. Diese Dimension präsentierte Wenders zuletzt überzeugend in Lisbon Story (1995), der thematisch an seinen Film Der Stand der Dinge (1982) anknüpft. An der Seite des erkrankten italienischen Meisterregisseurs Michelangelo Antonioni übernahm Wenders die Koregie bei dessen Episodenfilm Al di là delle nuvole (1995; Jenseits der Wolken). Zusammen mit Studenten der Münchner Filmhochschule realisierte er den Kurzfilm Die Brüder Skladanowsky (1995), eine Hommage an die deutschen Filmpioniere Max und Emil Skladanowsky. Es folgten die Spielfilmprojekte The End of Violence (1997; Am Ende der Gewalt) und The Million Dollar Hotel (2000), die von Publikum und Kritik reserviert aufgenommen wurden. Sein auf Anregung von Ry Cooder entstandener Dokumentarfilm Buena Vista Social Club (1999), ein Porträt kubanischer Musiker, die in den vierziger Jahren die traditionelle kubanische Musik mit Elementen des Jazz bereicherten, brachte Wenders eine Oscar-Nominierung ein. Viel passiert – Der BAP-Film (2002) beschäftigt sich mit der Kölner Kultband BAP um Wolfgang Niedecken und vergegenwärtigt in Rückblenden die Historie der Gruppe. In The Soul of a Man (2003), einer Annäherung an die Wurzeln der amerikanischen Bluesmusik, erzählt Wenders die Lebensgeschichten der drei Bluesmusiker Skip James, J. B. Lenoir und Blind Willie Johnson und setzte damit die Reihe seiner Musikdokumentationen fort. Das melancholische Roadmovie Land of Plenty (2004) ist ein amerikakritisches Werk des bekennenden Amerikaenthusiasten Wenders, das zur Zeit des Irak-Krieges entstand. Der Film über einen paranoiden Vietnamkriegsveteranen und selbst ernannten Ordnungshüter zeigt in schwelgerisch schönen Bildern ein Land, das von starken sozialen Gegensätzen, Desinformation, Angst, Entfremdung und fehlgeleitetem Patriotismus geprägt wird. Wenders’ „Post-Western” Don’t Come Knocking (2005), der thematisch in Verbindung zu Paris, Texas steht, erzählt in entrückten, tableauhaften Bildern die Geschichte eines abgehalfterten Cowboydarstellers, der sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit begibt. Einmal mehr beschwört der Regisseur selbstironisch und anachronistisch die amerikanischen Mythen und bebildert seine Sehnsuchtslandschaft.
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