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Empire Français

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Jacques CartierJacques Cartier

Empire Français, Bezeichnung für das französische Kolonialreich bis 1946.

Obwohl es sich in erster Linie auf den Ausbau seiner Macht in Europa konzentrierte, wollte Frankreich der Aufteilung der Neuen Welt zwischen Spanien und Portugal um 1500 nicht tatenlos zusehen. Vor allem Franz I. war von dem Gerücht fasziniert, dass China über den Atlantik erreicht werden könne. Er förderte auch die Reisen von Jacques Cartier, der den Sankt-Lorenz-Strom in Kanada erforschte (1534-1543) – zusammen mit den späteren Missionen von Champlain der Anfang der Kolonie Neufrankreich (des heutigen Kanadas), wo sich im 17. Jahrhundert rund 4 000 französische Bauern ansiedelten. Ebenfalls im 17. Jahrhundert ließen sich Franzosen auf Martinique, Guadeloupe und Santo Domingo nieder. Außerdem erforschten die Franzosen den Mississippi und den Golf von Mexiko, nahmen das Land in Besitz und nannten es zu Ehren des französischen Königs Louisiana (1682). Im 18. Jahrhundert besaß Frankreich Kanada, Louisiana, die französischen Westindischen Inseln, einige Handelsstationen im Senegal, die Inseln Mauritius und Réunion im Indischen Ozean sowie Pondicherry, Chandernagore und andere Handelsniederlassungen in Indien (gegründet zwischen 1673 und 1674). In den Kriegen mit England um die Vorherrschaft in der Welt verlor Frankreich jedoch einen großen Teil seiner außereuropäischen Besitzungen, und 1815 bestand das Empire Français nur mehr aus Martinique und Guadeloupe, Saint Pierre und Miquelon (vor Neufundland), den Handelsposten im Senegal sowie fünf Niederlassungen in Indien und Réunion. Dazu kam 1817 Französisch-Guayana, das Mitte des 19. Jahrhunderts in eine Sträflingskolonie umgewandelt wurde, und 1830 begann Frankreich mit der Besetzung Algeriens. Unter Napoleon III. suchte Frankreich seine wirtschaftlichen Interessen im Senegal, in China, in Indochina (v. a. in Cochinchina), in Neukaledonien, in Syrien und (ohne Erfolg) in Mexiko durchzusetzen.

Die koloniale Expansion Frankreichs kam erst während der Dritten Republik, nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg, richtig in Gang: Frankreich wollte durch die Schaffung eines großen Kolonialreiches sein Prestige als Großmacht wiederherstellen. Frankreich versprach sich von Kolonien als Rohstofflieferanten und Investitionsräumen große Gewinne und fühlte sich zudem berufen, die einheimische Bevölkerung in den Kolonien zu „zivilisieren”.

Viele Franzosen waren jedoch der Auffassung, dass die Zukunft Frankreichs von den deutsch-französischen Beziehungen abhinge und dass die Kolonialpolitik Frankreichs Macht schade. Die Nationalisten forderten zudem, sich zuerst auf den Wiedererwerb von Elsass und Lothringen, die Deutschland im Deutsch-Französischen Krieg annektiert hatte, zu konzentrieren, weil keine Kolonie das Elsass und Lothringen ersetzen könne.

Ungeachtet solcher und ähnlicher Gegenstimmen setzte Frankreich seine Kolonialpolitik fort. 1871 gab es in Algerien bereits etwa 300 000 französische Siedler; dazu kamen dann noch Flüchtlinge aus dem Elsass und aus Lothringen sowie Einwanderer aus Spanien, Mexiko und Italien, die in ein wirtschaftlich aufstrebendes Land zu kommen glaubten. Algeriens Nachbarstaaten Tunesien und Marokko gewannen jetzt für Frankreich an Bedeutung; 1881 besetzten französische Truppen Tunesien, und zwei Jahre später wurde das Land französisches Protektorat; Marokko kam 1912 unter französische Oberhoheit.

In Schwarzafrika fasste Frankreich 1910 seine Besitzungen Gabon, Französisch-Kongo und Gubangui-Chari zu der Verwaltungseinheit Französisch-Äquatorialafrika zusammen. Ähnlich war man bereits in Westafrika verfahren: Hier wurden die Elfenbeinküste (besetzt 1883), Guinea (1896), Dahomey (1892) sowie der Senegal und der Tschad 1895 zu Französisch-Westafrika vereint. Die Annexion der Sahara, der Barriere zwischen Nordafrika und Französisch-Westafrika, scheiterte jedoch an den physischen Gegebenheiten und dem Widerstand der Nomaden. Allerdings besetzten französische Truppen 1899/1900 die großen Oasen.

Um Madagaskar stritten sich Großbritannien und Frankreich, und die Bevölkerung von Réunion forderte die Franzosen immer wieder auf, etwas zu unternehmen; 1885 wurde Madagaskar französisches Protektorat. Die anschließenden Aufstände der Madegassen gegen die französische Oberhoheit beantwortete Frankreich mit einem brutalen Krieg und mit der Annexion der Insel 1896.

In Indochina konzentrierte sich Frankreich zunächst auf Tonking, das es als Tor nach China ansah, stieß dabei aber auf den Widerstand des Kaisers von Annam. 1884 wurde Tonking schließlich doch französisches Protektorat, und in der Folge kamen noch Annam, Kambodscha und Cochinchina hinzu, die 1887 zur Indochinesischen Union zusammengefasst wurden; Laos wurde 1893 der Union angegliedert. 1914 hatte das Empire Français rund 50 Millionen Einwohner auf etwa zehn Millionen Quadratkilometer Fläche.

Zwischen den beiden Weltkriegen versuchte Frankreich einige Änderungen in seinem Kolonialsystem durchzuführen. 1936, unter der Regierung León Blum, wurde den Kolonialvölkern der Zugang zur französischen Staatsbürgerschaft erleichtert. Auf einer Konferenz über die Zukunft der afrikanischen Territorien 1944 in Brazzaville wurde bereits der künftige Wandel im Kolonialsystem deutlich; de Gaulle betonte aber, dass dies ein langwieriger Prozess sei, der nicht zur Unabhängigkeit führen werde, sondern zu neuen Verwaltungsformen, die den Kolonialvölkern unter der französischen Oberhoheit mehr Mitspracherechte einräumten. Die Verfassung der Vierten Republik von 1946 wandelte das Empire Français in die Union Française um und betonte zugleich, dass, wie auch immer die Verfassung des einzelnen Kolonien aussehe, stets das Prinzip der Verbundenheit der Kolonien mit dem französischen Mutterland an erster Stelle stehe.

Für den Zerfall der Union waren mehrere Faktoren verantwortlich, vor allem aber zwei Kriege, der Indochinakrieg und der Algerienkrieg. 1945 verkündeten die indochinesischen Widerstandskämpfer unter Ho Chi Minh die Unabhängigkeit von Frankreich, und die kommunistische Partei, die Viet Minh, rief die Selbständigkeit der Republiken Tonking, Annam und Cochinchina aus. Im Oktober landeten französische Truppen in Indochina, um die französische Oberhoheit wieder herzustellen. 1947/48 suchte Frankreich das Problem zu lösen, indem es diese Republiken zusammen mit Kambodscha und Laos in die Union Française aufnahm. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden; es kam zum Krieg.

Der Krieg zog sich ohne klare Entscheidung hin. Am 7. Mai 1954 erlitt die französische Armee in Dien Bien Phu eine schwere Niederlage. Am 17. Juni wurde Pierre Mendès-France französischer Ministerpräsident; er war seit langem gegen diesen Krieg, und nach einmonatigen Verhandlungen konnte in Genf eine internationale Lösung gefunden werden. Der Indochinakrieg war beendet, aber bereits im November 1954 brach der Algerienkrieg aus, der 1962 zur Unabhängigkeit Algeriens führte.

Bereits 1960 hatte de Gaulle die Communauté Française (Französische Gemeinschaft), wie die Union seit 1958 hieß, aufgelöst und ihre Mitgliedsländer in die Unabhängigkeit entlassen.

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