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Windows Live® Suchergebnisse G7/G8Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
G7/G8, abkürzende Bezeichnung für die Gruppe der sieben (Group of Seven) einstmals führenden Industrieländer bzw. die Gruppe von acht Staaten (Group of Eight) seit der Einbeziehung Russlands. Das informelle Forum der G7/G8-Staats- und Regierungschefs diente ursprünglich der Abstimmung in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik von globaler Bedeutung. Inzwischen hat sich eine permanente Kooperation auf einer Reihe von Politikfeldern ergeben. Unter dem Druck politischer Konflikte von weltweiter Tragweite ist dem „Weltwirtschaftsgipfel”, zu dem sich die Staats- und Regierungschefs der Gruppe einmal pro Jahr treffen, seit den neunziger Jahren auch die Rolle des politischen Krisenmanagements zugewachsen.
Vor dem Hintergrund der ersten Ölkrise (1973/74), dem Zusammenbruch des Wechselkurssystems von Bretton Woods und der weltweiten Rezession riefen der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt 1975 den Weltwirtschaftsgipfel der Staats- und Regierungschefs der sechs wirtschaftlich stärksten Staaten als Gesprächsrunde über Fragen der Weltwirtschaft ins Leben. Teilnehmer des dreitägigen Treffens im November 1975 auf Schloss Rambouillet bei Paris waren neben Frankreich und Deutschland bzw. deren Staats- respektive Regierungschefs Giscard d’Estaing und Schmidt die USA (Präsident Gerald Ford), Großbritannien (Premierminister Harold Wilson), Japan (Ministerpräsident Takeo Miki) und Italien (Ministerpräsident Aldo Moro). 1976 trat Kanada als siebter Staat der Runde bei. Seit 1981 ist an den Gesprächen auch der Präsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaften (EG) bzw. der Europäischen Union (EU, seit 1993) beteiligt, ohne als Repräsentant eines der größten Wirtschaftsräume der Welt numerisch mitzuzählen. Als Anerkennung für den politischen und wirtschaftlichen Wandel nach Auflösung der Sowjetunion und als Ansporn zur Integration in die Weltwirtschaft wurde Russland seit Anfang der neunziger Jahre schrittweise an die G7 herangeführt und auf dem Gipfel in Birmingham 1998 Mitglied Nummer acht der Runde. An den Konsultationen zur Finanz- und Währungspolitik nimmt Russland jedoch nicht teil. Die acht Mitglieder umfassen knapp ein Siebtel der Weltbevölkerung, erbringen jedoch knapp zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung (Bruttoinlandsprodukt) aller Staaten der Erde. Seit China sich auf einen vorderen Platz der weltgrößten Volkswirtschaften vorgeschoben und auch an weltpolitischem Gewicht beständig gewonnen hat, steht eine Debatte über eine erneute Erweiterung der ehemaligen Kamingesprächsrunde an.
Als informelles Gremium verfügt die G7 bzw. G8 über keinen eigenen Verwaltungsapparat. Die Organisation der Weltwirtschaftsgipfel liegt bei der jährlich wechselnden Präsidentschaft, die damit auch wesentlichen Einfluss auf die zu behandelnden Konferenzthemen nehmen kann. Deren inhaltliche Aufbereitung bis hin zur Entscheidungsreife und Vorformulierung der Abschlusserklärung leisten persönliche Beauftragte der Staats- und Regierungschefs, die so genannten Sherpas, mit ihren Arbeitsstäben. Neben den Gipfeltreffen hat sich seit den neunziger Jahren eine kontinuierliche Zusammenarbeit der G8-Staaten herausgebildet. Dieser so genannte G8-Prozess, in dem die beteiligten Staaten auf verschiedenen Ebenen ihre Positionen abstimmen, umfasst auch regelmäßige Treffen auf Fachministerebene.
Im Kern geht es bei den Treffen der G7/G8-Staaten um wirtschafts- und währungspolitische Fragen zur Lage der Weltwirtschaft sowie um spezielle wirtschaftsrelevante Probleme, wie etwa Energiepolitik, Auslandsverschuldung, Arbeitslosigkeit, internationaler Drogen- und Waffenhandel. Die Ergebnisse der Beratungen werden jeweils in einer Abschlusserklärung festgehalten, die u. a. Leitlinien für die Wirtschafts- und Geldpolitik enthält. So einigten sich die G7-Staaten auf dem Gipfeltreffen 1999 in Köln z. B. auf einen Teilerlass der Schulden für 41 hoch verschuldete Entwicklungsländer (Reduktion des Schuldenstandes um 27 Milliarden US-Dollar). Die Initiative wurde auf dem Treffen 2005 in Gleneagles (Schottland) zu einem vollständigen Schuldenerlass für 18 Staaten erweitert und um ein Entwicklungshilfeprogramm ergänzt. Zunehmend treten bei den Beratungen weltpolitische Fragen, wie etwa der Nahostkonflikt oder die Rüstungskontrolle, in den Vordergrund. In Bezug auf den Kosovo-Konflikt einigten sich die G8-Teilnehmer des Treffens von 1999 auf einen gemeinsamen Entwurf für eine UN-Resolution zur Beilegung der Krise. Die G8 waren 1999 neben der EU auch an der Einführung des Balkan-Stabilitätspaktes beteiligt. Der Gipfel 2002 in Kananaskis (Kanada) – wenige Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf Ziele in den USA – befasste sich mit dem internationalen Terrorismus. Zu internationalen Konflikten, in denen die G8-Staaten keine gemeinsame Linie finden, wie zum Irak-Krieg 2003, erschöpfen sich die Abschlusserklärungen meist in allgemeinen Statements. 2004 verabschiedete das G8-Treffen in Sea Island (USA) einen Aktionsplan gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, 2005 zu Klima, Energie und nachhaltiger Entwicklung, der Gipfel im Juli 2006 in Sankt Petersburg, in dessen Mittelpunkt erneut die Energiepolitik und Maßnahmen gegen den Klimawandel standen, war vom Libanon-Israel-Konflikt überschattet. In Heiligendamm (Deutschland) 2007 ging es wieder wie bereits auf mehreren der vorangegangenen Gipfeltreffen um die Hilfe für die Entwicklungsländer in Afrika sowie um den Klimawandel, und wie in der Vergangenheit waren die Resultate teilweise wenig konkrete Absichtserklärungen.
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