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Sammler und Jäger

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Jagdwaffen der San, KalahariJagdwaffen der San, Kalahari

Sammler und Jäger, Ethnien, die zum Nahrungserwerb in der Umgebung ihrer Lager Wild, Fische und Vögel jagen und Wildsamen, Früchte, Wurzeln, Pilze aber auch Insekten und Eier sammeln. Dabei sind zumeist die Männer mit der Jagd und die Frauen mit dem Sammeln beschäftigt. Das Verhältnis von fleischlicher zu pflanzlicher Nahrung ist regional sehr unterschiedlich, generell überwiegt in wärmeren Regionen Pflanzennahrung, während in den kälteren Regionen fleischliche Nahrung von größerer Bedeutung ist. Der Großteil der Nahrung, in der Regel etwa zwei Drittel, wird bei heutigen Gruppen gesammelt, deshalb bezeichnet man diese Gruppen in der neueren Literatur meist als Sammler und Jäger.

Die Zusammensetzung der Nahrung verändert sich jahreszeitlich stark. Da es keine Vorratswirtschaft gibt, wird sie sofort verzehrt. Sammler und Jäger betreiben keine oder nur in begrenztem Umfang Landwirtschaft, leben aber häufig in symbiotischen Verhältnissen mit ihren Landwirtschaft betreibenden Nachbarn. Sie organisieren sich in mobilen Verbänden von etwa 50 Mitgliedern, die in der älteren Fachliteratur als Jagdscharen oder Horden bezeichnet wurden. Das Sammeln und Jagen kann in saisonal festgelegten Abständen häufig von mehreren dieser Gruppen gemeinsam durchgeführt werden. Diese Treffen dienen auch magisch-religiösen Zeremonien und sozialen Zwecken (Eheanbahnung, Streitschlichtung etc.).

Die Theorie, dass vor der so genannten Neolithischen Revolution vor 10 000 Jahren das Sammeln und Jagen die einzige praktizierte Wirtschaftsform gewesen ist, gilt inzwischen als widerlegt: Neuere archäologische Funde haben gezeigt, dass bereits vor dieser Zeit Formen der Domestikation von Tieren und des Anbaus bekannt waren. Heute betätigen sich nur noch wenige Völker als Sammler und Jäger, die meisten zudem in Kombination mit Ackerbau und Viehzucht. Dennoch bleibt auch hier das Sammeln und Jagen mit hohem Prestige verbunden und steht im Zentrum der Gruppenidentität. Evolutionistische Theorien, die besagen, heutige Sammler- und Jäger-Kulturen repräsentierten eine „ursprüngliche Kulturstufe”, sind seit langem widerlegt.

Zu den bekanntesten Sammlern und Jägern gehören die australischen Aborigines sowie die Eskimo Grönlands, Kanadas, Alaskas und Nordsibiriens. Die San (Buschmänner) aus Botswana, Namibia und Südangola, die inzwischen einen Großteil ihres Landes verloren haben, entwickelten ausgeprägte Jagdrituale, wobei sie sich vergifteter Pfeile bedienten. Viele Pygmäenvölker des Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Kameruns und Gabuns sind aktive Jäger – das Sammeln von pflanzlicher Nahrung hingegen spielt dort nur eine geringe Rolle. Stattdessen tauschen die Pygmäen ihre Jagdbeute gegen Pflanzennahrung und beteiligen sich an der Landwirtschaft ihrer Nachbarvölker. Dieses ökonomische Austauschsystem ist dafür verantwortlich, dass sich die Wirtschaftsform des Sammelns und Jagens so lange hat halten können.

In Somalia, Äthiopien, Kenia, Tansania, Ruanda, Burundi, Kanada, Nord- und Südamerika, Russland, Indien, Thailand, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen gab es – und gibt es zum Teil noch – Sammler- und Jäger-Völker: Doch haben diese, etwa bedingt durch nationalstaatliche Interessen, heute große Schwierigkeiten, ihrer bevorzugten Lebensweise nachzugehen. Auch durch andere Maßnahmen (Schulpflicht) wurden viele Sammler und Jäger gezwungen, sesshaft zu werden. In den neunziger Jahren kam es verstärkt zu Bemühungen, durch die Gründung politischer Interessenvertretungen, ihre kulturelle Identität zu bewahren oder wieder zu gewinnen.

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