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Kim Jong Il

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Kim Jong IlKim Jong Il

Kim Jong Il (*1942), nordkoreanischer Politiker, Staatschef von Nordkorea (faktisch seit 1994, offiziell seit 1998), Sohn von Kim Il Sung.

Kim Jong Il wurde am 16. Februar 1942 in Chabarowsk in der UdSSR geboren. Er besuchte Schulen in der DDR und in China und studierte anschließend Wirtschaftswissenschaften an der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang. 1964 wurde er in das Zentralkomitee der Koreanischen Arbeiterpartei aufgenommen, in der er rasch Karriere machte, außerdem war er zeitweise Privatsekretär seines Vaters. 1973 wurde er Sekretär für Propaganda und Organisation beim Zentralkomitee der Koreanischen Arbeiterpartei, 1974 kam er ins Politbüro, und 1980 wurde er Mitglied des Zentralen Militärausschusses der Partei und des Präsidiums des Politbüros. 1990 folgte die Berufung zum ersten Stellvertreter Kim Il Sungs im Vorsitz des Nationalen Verteidigungskomitees, im Dezember 1991 wurde er als Nachfolger seines Vaters zum Oberbefehlshaber der Volksarmee und im Mai 1992 zum Marschall ernannt. 1993 übernahm er den Vorsitz im Nationalen Verteidigungskomitee.

Bereits 1980 mit Zustimmung der Koreanischen Arbeiterpartei von seinem Vater zum Nachfolger bestimmt, wurde Kim Jong Il im April 1992 offiziell zum „Führer von Partei, Staat und Armee” designiert. Nach dem Tod seines Vaters Kim Il Sung am 8. Juli 1994 war Kim Jong Il zwar ranghöchster Mann im Staat und übernahm de facto die Aufgaben des Staatschefs; offiziell bekleidete er jedoch nur die Ämter des Oberbefehlshabers der Volksarmee und des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungskomitees. Das Amt des Staats- und das des Parteichefs blieben vorerst vakant. Erst im Oktober 1997 – nach dem Ende der dreijährigen Trauerzeit für Kim Il Sung – wurde Kim Jong Il formell Generalsekretär der Koreanischen Arbeiterpartei, jedoch immer noch nicht Staatspräsident.

Unmittelbar nach Kim Il Sungs Tod wurden die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über das Atomwaffenprogramm Nordkoreas erfolgreich abgeschlossen. In dem am 21. Oktober 1994 in Genf unterzeichneten Abkommen verpflichtete sich Nordkorea, sein Atomwaffenprogramm einzustellen, einen Reaktor, aus dem waffenfähiges Plutonium gewonnen werden konnte, stillzulegen sowie den Atomwaffensperrvertrag nicht aufzukündigen und Kontrollen durch die IAEA zuzulassen. Die USA sagten im Gegenzug u. a. die Lieferung von Heizöl zu sowie die Normalisierung der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Mitte 1997 erklärte sich Nordkorea zur Aufnahme von Friedensgesprächen – den ersten seit 25 Jahren – mit Südkorea unter Beteiligung der USA und Chinas bereit. Im Februar 1998 ließ die nordkoreanische Regierung verlautbaren, dass sie die Ära der Konfrontation mit Südkorea beenden wolle. Wenig später hieß es im Zentralorgan der Koreanischen Arbeiterpartei sogar, dass Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel nur durch eine Wiedervereinigung erreicht werden können, einer Wiedervereinigung in Form einer Konföderation, in deren Rahmen beide Teile ihre jeweilige Gesellschaftsordnung beibehalten könnten.

Im September 1998 bestätigte die Oberste Volksversammlung Kim Jong Il als Generalsekretär der Partei, als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und als Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungskomitees. Zugleich strukturierte sie die Staatsspitze um: Sie schaffte das Amt des Staatspräsidenten ab und erklärte den Vorsitz im Nationalen Verteidigungskomitee zum höchsten Amt im Staat mit Befehlsgewalt über „alle politischen, militärischen und wirtschaftlichen Kräfte”, d. h., sie erhob Kim Jong Il offiziell zum Staatschef. Kim Il Sung wurde zugleich zum „ewigen Präsidenten” ernannt.

Im Juni 2000 empfing Kim Jong Il den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung in Pjöngjang zu einem Gipfeltreffen. Es war dies das erste Gipfeltreffen eines nord- mit einem südkoreanischen Staatschef, und es leitete eine Neuorientierung der bisher durch den formell andauernden Kriegszustand und ideologische Differenzen geprägten Beziehungen zwischen den beiden Staaten ein. Auf dem Gipfeltreffen unterzeichneten beide Staatschef eine „Gemeinsame Erklärung”, in der sie eine mögliche Wiedervereinigung Koreas als Fernziel festhielten und außerdem eine engere Zusammenarbeit auf humanitärem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet beschlossen. In der Folgezeit wurde die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea in Bereichen wie etwa der Familienzusammenführung und des Aufbaus von Verkehrsverbindungen in kleinen Schritten und manchen Rückschlägen fortgeführt.

Infolge der Annäherung Nord- und Südkoreas leiteten eine Reihe weiterer Staaten die Aufnahme diplomatischer Kontakte zu Nordkorea in die Wege; im September 2002 etwa vereinbarten Kim Jong Il und der japanische Ministerpräsident Koizumi Junichiro auf dem ersten japanisch-nordkoreanischen Gipfeltreffen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern. Die zunehmende Öffnung Nordkoreas gegenüber westlichen Industrienationen resultierte nicht zuletzt aus der anhaltend desolaten Versorgungslage im Lande, die immer wieder zu Hungersnöten führte.

Während des Gipfeltreffens mit Koizumi hatte Kim Jong Il noch bekräftigt, sich in Bezug auf das nordkoreanische Atomprogramm an internationale Vereinbarungen zu halten; schon einen Monat später jedoch gab die nordkoreanische Regierung offen zu, ein Programm zur Urananreicherung zu betreiben. Weltweit, insbesondere in den USA, die Nordkorea schon vor Jahresfrist in die „Achse des Bösen” eingereiht hatten, mehrte sich die Besorgnis über eine Wiederaufnahme des Atomwaffenprogramms in Nordkorea. Im Januar 2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus, beendete die Zusammenarbeit mit der IAEA, verkündete das Ende seines seit 1999 laufenden Raketentest-Moratoriums und drohte offen mit der Wiederaufnahme seines Atomwaffenprogramms. In der Folgezeit erklärte sich Kim Jong Il jedoch zu Verhandlungen über sein Atomprogramm bereit; aber alle Gespräche – im April 2003 bilaterale mit den USA, im August 2003, Februar und Juni 2004 Sechs-Länder-Gespräche mit den USA, Russland, China, Japan und Südkorea – brachten kein Ergebnis. Im Februar 2005 gab die nordkoreanische Regierung offen zu, im Besitz von Atomwaffen zu sein, und suspendierte zugleich ihre Teilnahme an den multilateralen Verhandlungen über ihr Atomprogramm. Erst nach einer Verschärfung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea, mit der die Vereinten Nationen auf Raketen- und Atombombentests reagiert hatten, erklärte sich Nordkorea im Oktober 2006 bereit, ohne Vorbedingungen die Verhandlungen wieder aufzunehmen, und bereits im Februar 2007 verpflichtete es sich in einem Abkommen, sein Atomprogramm schrittweise einzustellen – mit Energie- und Lebensmittellieferungen, Aufhebung der Sanktionen etc. als Gegenleistung.

Ein zweites Gipfeltreffen Kim Jong Ils mit einem südkoreanischen Staatspräsidenten (Roh Moo-hyun) im Oktober 2007 endete erneut mit einer gemeinsamen Erklärung, in der beide Seiten ihren Wunsch nach einem stabilen Frieden auf der koreanischen Halbinsel bekundeten; außerdem vereinbarten sie eine engere wirtschaftliche und humanitäre Kooperation.

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