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Windows Live® Suchergebnisse Milan KunderaEnzyklopädieartikel
Milan Kundera (*1929), tschechischer Schriftsteller. Mit seinen souverän erzählten gesellschaftskritischen Romanen gehört er seit den sechziger Jahren zu den renommiertesten tschechischen Literaten. Seit 1975 in Frankreich lebend, schreibt er seit Mitte der achtziger Jahre in französischer Sprache. Kundera wurde am 1. April 1929 als Sohn des Rektors der Musikhochschule in Brünn geboren. Nach dem Abitur trat er der Kommunistischen Partei bei und er wollte zunächst wie sein Vater Musik studieren, schrieb sich dann aber an der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität ein. Bereits während seines ersten Semesters wurde er aus der KP ausgeschlossen; daraufhin musste er auch die Universität verlassen, konnte dann jedoch an der Filmhochschule ein Studium absolvieren. Nach seinem Abschluss 1958 wurde er Assistent und unterrichtete von 1959 bis 1969 Filmwesen an der Musik- und Schauspielakademie sowie später am Prager Institut für Filmstudien. Zwischenzeitlich verdiente er sich seinen Lebensunterhalt auch als Hilfsarbeiter und Jazzmusiker. Bereits in den fünfziger Jahren hatte Kundera begonnen Gedichte zu schreiben: u. a. Poslední máj (1955; Der letzte Mai) und Monology (1957; Die Monologe). In seinen frühen Prosawerken, so im Roman Žert (1967; Der Scherz), und in den zwischen 1963 und 1968 erschienenen Erzählungen (auf Deutsch gesammelt unter dem Titel Das Buch der lächerlichen Liebe), setzte sich Kundera kritisch-ironisch mit dem Kommunismus auseinander. 1967 hatte er im Zeichen des Prager Frühlings die Eröffnungsrede beim tschechischen Schriftstellerkongress gehalten. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in der Tschechoslowakei 1968 verlor er seine Stellung, und 1970 erhielt er auch Publikationsverbot. 1975 emigrierte Kundera nach Frankreich; er wurde dort Gastprofessor für vergleichende Literaturwissenschaft in Rennes. 1979 erschienen die bereits Jahre zuvor geschriebenen Romane Život je jinde (beendet 1971; Das Leben ist anderswo) und Valčík na rozloučenou (beendet 1972; Abschiedswalzer). Im selben Jahr wurde ihm aufgrund seines 1981 im Druck erschienen Romans Kniha smíchu a zapomněni (Das Buch vom Lachen und vom Vergessen) die tschechische Staatsbürgerschaft aberkannt. 1980 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft, und er wechselte an die École Pratique des Hautes Études in Paris. Seinen größten Erfolg und seinen Durchbruch als Erzähler von Weltrang erzielte Kundera mit dem Roman Nesnesiteln á lehkost bytí (1984; Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins). Geschildert wird eine Liebesbeziehung zur Zeit des bürokratisch-repressiven Totalitarismus in der Tschechoslowakei. Dieser Roman zählt zu den bedeutendsten literarischen Dokumenten osteuropäischen Dissidententums und wurde mit Juliette Binoche in der Rolle der Teresa unter der Regie von Philip Kaufman 1987 verfilmt. Weitere Romane sind Nesmrtelnost (1988; Die Unsterblichkeit), den er in französischer Sprache unter dem Titel L’immortalité veröffentlicht hatte, La lenteur (1994; Die Langsamkeit), L’identité (1996; Die Identität) und L’ignorance (2001; Die Unwissenheit). Seine Poetologie entwickelte Kundera in den großen Essays L’art du roman (1985; Die Kunst des Romans) und Le rideau (2005; Der Vorhang).
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