Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Aquakultur", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Aquakultur |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse AquakulturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Aquakultur, Bewirtschaftung aquatischer Organismen in Süß- oder Salzwasser. Die Bezeichnung Aquakultur geht über den Begriff Fischzucht hinaus und umfasst auch die Zucht von wirbellosen Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Zu den Lebewesen, die in Aquakulturen gezogen werden, gehören neben Fischen insbesondere Muscheln (vor allem Austern), Krebstiere (vorwiegend Garnelen) und Algen. Die weitaus meisten Aquakulturen befinden sich in Süd- und Südostasien. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurden 2002 insgesamt 25,73 Millionen Tonnen Fisch, 7,34 Millionen Tonnen Muscheln und 1,42 Millionen Tonnen Krebstiere in Aquakulturen produziert. Die Einrichtung und der Betrieb von Aquakulturen sind für die Natur und Umwelt mit erheblichen Schäden verbunden. So fiel der Anlage von Aquakulturen (vor allem zur Garnelenzucht) in tropischen Regionen ein erheblicher Teil der Mangrovenwälder zum Opfer. Da sich unter den bewirtschafteten Lebewesen leicht Infektionskrankheiten ausbreiten, werden in Aquakulturen nicht selten Antibiotika, andere Arzneien und Chemikalien eingesetzt, die das Wasser ebenso belasten wie der Kot der Tiere und Futterreste.
Süßwasserfische wie Karpfen und Forellen werden meist in Teichen gezüchtet. Diese sind mit einem Zufluss und einem Abfluss versehen, um den Wasserstand kontrollieren zu können. Die Teiche werden mit Fischlarven bzw. Jungfischen besetzt. Die Fütterungspraktiken reichen von einer Düngung, wodurch die Entwicklung des als Fischnahrung dienenden Planktons gefördert wird, bis zum Einsatz von Fertigfutter, das alle zum Wachstum notwendigen Substanzen enthält. Tiere, die eine marktfähige Größe erreicht haben, werden aus den Teichen entnommen. Beim vollständigen Abfischen wird zum Fang der Tiere das Wasser aus dem Teich abgelassen. Beim teilweisen Abfischen wird nur ein Teil der Fische mit Hilfe eines Schlagnetzes gefangen. Danach werden zumeist neue Jungfische eingesetzt, so dass der Produktionskreislauf geschlossen bleibt. Fische können auch in Becken gezogen werden, die mit Ton oder Beton ausgekleidet sind und ständig mit Frischwasser aus nahe gelegenen artesischen Brunnen, Quellen oder Bächen versorgt werden. Meeresfische oder Wanderfische wie Lachse werden zudem im Meer in Käfigen aus Metall oder Kunststoff gehalten.
Muschelkulturen dienen dazu, Muschelfleisch oder Perlen zu gewinnen. Neben Austern werden insbesondere Miesmuscheln, Kamm-Muscheln und Perlmuscheln gehalten. Muschellarven gewinnt man entweder direkt aus dem Meer, indem man den Larven an der Küste Gestelle mit Materialien wie Dachziegel oder Rutenbündel anbietet, an denen sie sich festheften, oder man züchtet die Larven in Brutanstalten heran. Diese Larven werden dann in der Gezeitenzone bzw. in flachen Küstengewässern über vorbereiteten Bereichen „ausgesät”, oder man befestigt ein Substrat (zum Festsetzen von Austernlarven etwa Austernschalen), an Seilen und hängt diese an Schwimmplattformen auf. Später können die Muscheln zum weiteren Wachstum und zum Schutz vor Räubern in Teiche umgesetzt werden. In französischen Miesmuschelkulturen werden in der Gezeitenzone Seile mit neu gezogenen Muscheln spiralförmig um Eichenpfähle gewickelt; dieses traditionelle Bouchet-Verfahren ist seit Jahrhunderten unverändert. Zur Zucht von Garnelen (auch als Shrimps oder Scampi bezeichnet) werden meist tropische Arten aus dem Pazifischen oder Indischen Ozean verwendet. Die Garnelen werden entweder als Larven im Meer gefangen oder unter künstlichen Bedingungen herangezüchtet und dann in Becken aufgezogen.
Algenkulturen dienen u. a. der Erzeugung von Agar, der zur Nahrungsergänzung und in Labors als Bakteriennährboden Verwendung findet. Die ebenfalls in Aquakulturen gezüchteten Speiserotalgen verzehrt man in Japan und anderen Ländern u. a. als Bestandteil von Sushi. Auch Einzeller wie die Grünalge Chlorella und das Cyanobakterium Spirulina werden in Aquakulturen als proteinreiche Nahrung oder Nahrungsergänzung vermehrt.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |