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Windows Live® Suchergebnisse TierzüchtungEnzyklopädieartikel
Tierzüchtung, Methoden zur Veränderung der Erbeigenschaften von Tieren durch kontrollierte Kreuzung. Das wichtigste Ziel der Tierzüchtung ist es, Lebewesen zu erzeugen, die den Bedürfnissen der Menschen besser entsprechen – sei es hinsichtlich Ernährung (Rinder, Schweine), Arbeit (Zugtiere), Sport (Rennpferde, Jagdhunde) oder wegen ihres ästhetischen Wertes (Katzen). In einfachster Form werden Züchtungen seit dem Beginn geschichtlicher Aufzeichnungen betrieben. Wie man aus Wandmalereien in ägyptischen Gräbern weiß, gibt es Hundezucht schon seit mindestens 4 000 Jahren, aber sie könnte durchaus noch 10 000 Jahre älter sein. Die Hochkulturen der Antike kannten bereits domestizierte Rinder-, Schaf- und Ziegenrassen. Was die Methoden anging, war man aber zu jener Zeit auf den Zufall angewiesen; die große Zahl der Rassen entstand insbesondere nach 1900, als der Aufstieg der modernen Genetik begann. Unter praktischen Gesichtspunkten kann man die Geschichte der Tierzüchtung in zwei Phasen einteilen. Die Trennlinie wird markiert durch die Wiederentdeckung der von Gregor Johann Mendel entdeckten Vererbungsgesetze um das Jahr 1900. In der Zeit vor Mendel wählte man im Wesentlichen in jeder Generation diejenigen Tiere, bei denen die gewünschten Eigenschaften am stärksten ausgeprägt waren, und verwendete sie zur Zucht der nächsten Generation. Mit dieser allgemeinen Methode, die man auch Massenselektion nennt, gelangte man zu einigen bemerkenswerten Ergebnissen, aber sie warf auch verschiedene Schwierigkeiten auf. Unter anderem war sie langsam und unsicher; Verbesserungen waren nicht gewährleistet, und bei kleinen Tierbeständen gingen manchmal alle Fortschritte der vorigen Generation in der nächsten wieder verloren. Problematisch war auch, dass die Selektion, die zur Verbesserung einer Eigenschaft (z. B. des Milchertrags von Kühen) führte, manchmal bei anderen eine Verschlechterung mit sich brachte (beispielsweise hinsichtlich Fruchtbarkeit oder Krankheitsanfälligkeit). Ein weiteres Problem schließlich ergab sich aus der Inzucht, mit der man häufig versuchte, eine gewünschte Eigenschaft in einer Abstammungslinie aufrechtzuerhalten: Die Inzuchtstämme waren zwar reinerbig, aber das ging häufig auf Kosten der Widerstandskraft und der Fruchtbarkeit. Nach der Wiederentdeckung von Mendels Arbeiten und insbesondere seit den dreißiger und vierziger Jahren, als man sie mit der Populationsgenetik zusammenführte, betrieb man Zucht auf eher wissenschaftlichen Grundlagen, und die Ergebnisse waren besser vorhersagbar. Wie Mendel gezeigt hatte, werden Eigenschaften als getrennte Merkmalseinheiten (die wir heute Gene nennen) vererbt, und in späteren Generationen werden sie weder vermischt noch von anderen Eigenschaften überlagert. Und was am wichtigsten war: Nach Mendels Befunden konnte man Züchtungsergebnisse analysieren und auf dieser Grundlage die Eigenschaften der nächsten Generation einschließlich ihrer Häufigkeitsverteilung vorhersagen. Die Tier- und Pflanzenzucht führte in den letzten Jahrhunderten zu einem gewaltigen Anstieg der landwirtschaftlichen Erträge und damit auch zur Verbesserung der weltweiten Nahrungsversorgung. In den Vereinigten Staaten und in Europa entstanden zur Zeit der industriellen Revolution immer größere Programme zur systematischen Tier- und Pflanzenzucht, insbesondere zur Deckung des steigenden Lebensmittelbedarfs einer in den Städten lebenden, selbst nicht landwirtschaftlich tätigen Arbeiterschaft. Im 20. Jahrhundert führte der starke Anstieg der Weltbevölkerung ebenfalls zu der starken Notwendigkeit, die Erträge zu erhöhen. In der Tierzucht bedient man sich im Wesentlichen auch heute noch der Massenselektion. Sie wird durch drei weitere Methoden ergänzt: durch Stammbaumselektion, Familienselektion und Nachkommenselektion. Bei der Stammbaumselektion konzentriert man sich nicht auf die Eigenschaften eines Individuums, sondern auf die seiner Vorfahren. Besonders nützlich ist dieses Verfahren häufig bei jungen Tieren, deren eigenen Kreuzungswert man noch nicht kennt, und bei Eigenschaften, die bekanntermaßen in starkem Maße erblich sind. Die Stammbaumselektion geht aber langsam vonstatten. Ein wenig schneller ist die Familienselektion, die sich auf die Merkmale von Voll- oder Halbgeschwistern stützt. Sie wird oft in Verbindung mit der individuellen Selektion angewandt und ist besonders nützlich zur Beurteilung geschlechtsgebundener Eigenschaften (Eierlegen oder Milchproduktion) bei der Auswahl männlicher Tiere zur Zucht. Bei der Nachkommenselektion wählt man Individuen aufgrund der Leistungen ihrer Nachkommen. Sie ist besonders dann von Bedeutung, wenn es beispielsweise um die Milchleistung bei den Nachkommen eines Stieres geht oder wenn die Erblichkeit eines Merkmals gering oder nicht genau bekannt ist. Die Nachkommenselektion ist ebenfalls eine zeitaufwendige Methode, denn um die Qualität der Nachkommen zu beurteilen, muss man eine oder mehrere Generationen lang warten. Alle Formen der Selektion können jedoch nur in begrenztem Umfang zu Verbesserungen führen, weil die Variabilität einer Population begrenzt ist. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts kombinierten Tierzüchter verschiedene Selektionsmethoden mit Inzucht und der Zucht durch Kreuzung mit entfernten Verwandten. Um ein Merkmal zu festigen oder zu verstärken, unterteilte man den Bestand in kleinere Gruppen, in denen man mehrere Generationen lang Inzucht betrieb, d. h., man kreuzte Halb- oder Vollgeschwister oder führte sogar Rückkreuzungen mit einem Elternteil durch. Um die Tiere zu kräftigen und die Anhäufung unerwünschter Eigenschaften zu vermeiden, kreuzte man anschließend Nachkommen solcher Inzuchtlinien mit anderen Tieren. Dadurch stieg gleichzeitig die Variabilität, und es entstanden neue Merkmalskombinationen. Im 20. Jahrhundert nutzte man bei beiden Formen der Kreuzung zunehmend die künstliche Besamung; gleichzeitig wurden auch Methoden zum Einfrieren und Lagern von Sperma weiter verbessert. Alle diese Verfahren führten in den Industrieländern vor allem nach dem 2. Weltkrieg zu einer starken Verbesserung der Nutztiere. In den Vereinigten Staaten stieg z. B. der Milchertrag zwischen 1955 und 1967 um jährlich durchschnittlich 2,27 Prozent. Über die Hälfte davon führt man auf die genetische Verbesserung der Bestände zurück. Ähnliche Ergebnisse erzielte man bei den Schweinefleischerträgen und bei der Produktion von Hühnereiern. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wies 1998 darauf hin, dass weltweit 30 Prozent der etwa 5 000 Nutztierrassen vom Aussterben bedroht sind.
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