Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Weltwirtschaft", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Weltwirtschaft |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse WeltwirtschaftEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Weltwirtschaft, sämtliche internationalen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Volkswirtschaften. Seit Jahrhunderten sind die Länder der Erde durch zwischenstaatlichen Austausch von Waren und Kapital miteinander verbunden; in den letzten Jahrzehnten haben sich diese Austauschbeziehungen jedoch deutlich intensiviert. Aufgrund der Globalisierung der Wirtschaft finden Produktion, Konsum und Distribution von Waren und Dienstleistungen nicht mehr nur im nationalen Rahmen statt, sondern sind zunehmend in weltumspannenden Netzwerken organisiert. Der steigende Grad der internationalen Vernetzung zeigt sich besonders deutlich an der Entwicklung von Handels- und Investitionsströmen: Seit Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts sind die weltweiten Exporte doppelt, die weltweiten Direktinvestitionen dreimal und die weltweiten Kapitalströme siebenmal so schnell gewachsen wie die Weltproduktion. Dies impliziert eine Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung und das Entstehen globaler Waren- und Finanzmärkte.
Bereits in der Antike bestanden wichtige Handelsbeziehungen zwischen den Völkern, der Beginn der modernen Außenwirtschaft wird jedoch auf das späte 18. Jahrhundert datiert. Ihre theoretischen Grundlagen lieferten Nationalökonomen wie Adam Smith und David Ricardo, Vertreter des Wirtschaftsliberalismus, die für Freihandel und die Abkehr vom Merkantilismus eintraten. Die zu dieser Zeit in England einsetzende und sich bald über den europäischen Kontinent ausbreitende industrielle Revolution ermöglichte einen starken Anstieg der Produktion und des Einkommens; internationaler Handel wurde als der „Motor des Wirtschaftswachstums” angesehen. Neben der zunehmenden Industrialisierung war der Kolonialismus eine treibende Kraft für die Internationalisierung der Wirtschaftsbeziehungen. England, das über die größte Handelsflotte und die bedeutendste Börse der Welt verfügte, stieg im 19. Jahrhundert zur einflussreichsten Kolonialmacht auf. Nach einem lang anhaltenden Optimismus führte die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts jedoch zu der Einsicht, dass Industrialisierung und die Ausweitung des Welthandels nicht automatisch zu immerwährendem Wachstum führten: Produktionsausstoß und Einkommen sanken rapide in der ganzen kapitalistischen Welt, die Arbeitslosigkeit erreichte bis dahin unvorstellbare Niveaus und der internationale Handel kam beinahe zum Erliegen.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges erlebten die Staaten Europas und Nordamerikas sowie einige asiatische Länder ein äußerst schnelles Wirtschaftswachstum, das von hohen Wachstumsraten im internationalen Handel begleitet war. Die stetige Zunahme des Anteils des Warenexports an der Weltgüterproduktion ist auf die Liberalisierungsbemühungen des Welthandels zurückzuführen, die die protektionistische Phase der Krisen- und Kriegsjahre ablösten und sich 1947 in der Unterzeichnung des GATT-Vertrags manifestierten. Mit dem GATT wurde ein internationales Steuerungsgremium des Welthandels geschaffen, in dessen Rahmen mehrere Verhandlungsrunden zum Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen durchgeführt wurden. 1995 wurde das GATT durch die Welthandelsorganisation abgelöst. Weitere zentrale Elemente der Weltwirtschaftsordnung, des auf internationalen Verträgen und Verhaltensnormen beruhenden Rahmenwerks für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen, sind der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank. Diese Sonderorganisationen der Vereinten Nationen wurden 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods mit dem Ziel ins Leben gerufen, einen möglichst ungehinderten internationalen Handels- und Zahlungsverkehr auf marktwirtschaftlicher Basis zu gewährleisten. Während der IWF für die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik und die Vergabe von Krediten für Länder mit vorübergehenden Zahlungsbilanzschwierigkeiten zuständig ist, konzentriert sich die Haupttätigkeit der Weltbankgruppe auf die Unterstützung des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts in den Entwicklungsländern.
Seit Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist Globalisierung das Schlagwort für die grundlegenden Neuerungen der weltwirtschaftlichen Strukturen. Je nach Definition kann der Begriff auch auf soziologische, politische oder kulturelle Entwicklungen angewendet werden. Aus ökonomischer Sicht versteht man unter Globalisierung den Zustand bzw. den Prozess zunehmender wirtschaftlicher Verflechtung, der die Bedeutung nationaler Grenzen geringer werden lässt und zu einem Zusammenwachsen von Beschaffungs- und Absatzmärkten führt. Grundlegend für diese Internationalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen ist der technische Fortschritt in den Bereichen Verkehr und Telekommunikation. Personen- und Güterverkehrsverbindungen sind heute so schnell und effizient wie nie zuvor, und Distanzen können durch die Möglichkeit, Informationen über kostengünstige Telefon-, Fax- und Internetverbindungen weltweit auszutauschen, immer leichter überwunden werden. Diese Entwicklungen werden zuweilen als „dritte industrielle Revolution” bezeichnet und führten zu radikal sinkenden Transaktionskosten internationaler Unternehmenstätigkeit sowie zu weit reichenden Neuerungen der Produktionsverhältnisse. Eine weitere Ursache für die Globalisierung der Wirtschaft liegt in den veränderten politischen Rahmenbedingungen seit Ende des Ost-West-Konflikts: Nach der politischen Wende und dem Übergang zur Marktwirtschaft erzielten die Länder Osteuropas hohe Wachstumsraten und werden zunehmend in die Weltwirtschaft eingebunden. Die steigende wirtschaftliche Macht multinationaler Unternehmen und die stetig wachsenden Volumina internationaler Direktinvestitionen sowie anderer Finanztransaktionen sind gleichzeitig Triebkräfte wie auch Auswirkungen der Globalisierung. Die Globalisierung der Wirtschaft zeigt sich nicht nur an den steigenden Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalströmen, sondern auch an der zunehmenden Mobilität von Personen. Durch den steigenden privaten und geschäftlichen Reiseverkehr ist der internationale Tourismus für viele Länder zu einem volkswirtschaftlich bedeutenden Sektor geworden. Ein weiterer Aspekt von wirtschaftlicher und politischer Bedeutung ist die legale wie auch die illegale Arbeitsmigration: Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat in der Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Chancen im Ausland. Theoretisch könnten mit der gestiegenen Mobilitätsbereitschaft positive wirtschaftliche Effekte erzielt werden. Da diese in der Regel allerdings auf gering qualifizierte Arbeitskräfte aus den Entwicklungsländern und Fach- und Führungskräfte aus den Industrieländern beschränkt ist, überwiegen die Probleme der Zielländer, mit dem Zustrom von Einwanderern fertig zu werden, und die Schwierigkeiten der Herkunftsländer, die Abwanderung von Arbeitskräften zu kompensieren. Die Ausführungen implizieren, dass die Globalisierungstendenzen nicht in allen Ländern in gleichem Maße spürbar sind. Die Hauptschauplätze der Weltwirtschaft liegen nach wie vor in den Industrieländern, insbesondere in der so genannten Triade, die aus der Europäischen Union, den USA und Japan besteht. Diese Länder vereinigen den überwiegenden Teil des Welthandels und der internationalen Investitionsströme auf sich; die Hauptsitze der größten Unternehmen, der Global Player, sowie der einflussreichen internationalen Organisationen sind in ihnen ansässig. Während einige Länder Asiens und Lateinamerikas zunehmend in die internationale Arbeitsteilung eingebunden werden, bleibt Afrika von den weltwirtschaftlichen Verflechtungen weitgehend ausgeschlossen. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Entwicklungsländer zu der Strategie übergegangen, ihre Wirtschaftskraft durch Zusammenschlüsse zu regionalen Integrationen wie Freihandelszonen und Zollunionen nach dem Vorbild der EU zu erhöhen. Beispiele sind die südostasiatische ASEAN, dann Mercosur und Andengemeinschaft in Südamerika sowie ECOWAS und SADC in Afrika. Diese Handelsblöcke weisen mehr oder weniger große Erfolge bei der Eingliederung ihrer Mitgliedsländer in die Weltwirtschaft auf. Die Regionalisierung der Weltwirtschaft ist ein parallel zur Globalisierung ablaufender Prozess, der als Voraussetzung für wie auch als Reaktion auf diese verstanden werden kann. Die beiden Prozesse bedingen und verstärken sich folglich wechselseitig.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |