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Ursprünge der Landwirtschaft

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Artikelgliederung
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Einleitung

Ursprünge der Landwirtschaft, Beginn der Domestikation von Pflanzen und Tieren in vorgeschichtlicher Zeit.

Die Geschichte der Landwirtschaft begann nach neuesten Erkenntnissen im Mesolithikum, in der mittleren Steinzeit, vor etwa 13 000 Jahren im Nahen Osten, vor 11 500 Jahren in China und vermutlich rund 2 000 Jahre später in der Neuen Welt sowie auf Neuguinea: In diesem Zeitabschnitt wurden die vorher nomadisch lebenden Sammler und Jäger sesshaft. Der durch die ersten Formen der Landwirtschaft bedingte Fortschritt in der menschlichen Kultur wird auch als Neolithische Revolution bezeichnet.

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Beginn der Domestikation

Pflanzenanbau und Viehhaltung bedeuteten für die Sammler und Jäger eine umfassende Änderung ihres Lebensstiles. Heute geht man davon aus, dass Jagen, Fischen und Sammeln ein einfacheres (weil weniger ortsgebundenes und planungsbedürftiges) Leben erlaubten, während Ackerbau (dazu gehören u. a. das Bestellen des Bodens, Säen, Jäten und Ernten) und Viehzucht aufwendiger waren. Man nimmt daher an, dass landwirtschaftliche Tätigkeiten nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einer Notwendigkeit heraus betrieben wurden. So dürfte diese Entwicklung vor allem durch ein Ansteigen der Bevölkerungszahlen – aufgrund besserer Lebensbedingungen am Ende der letzten Eiszeit – oder durch abnehmende Jagd- und Sammelmöglichkeiten gefördert worden sein.

Landwirtschaft entwickelte sich eher evolutionär in kleinen Schritten als durch eine plötzliche Revolution, obwohl sie sich in der kulturellen Entwicklung der Menschheit vergleichsweise schnell durchsetzen konnte. Mehrere Kulturen gingen unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt so vor, abhängig von den Umweltbedingungen. Zu Beginn der Domestikation waren die dafür ausgewählten Pflanzen und Tiere keine Grundnahrungsmittel. Die Menschen scheinen erst im Lauf von Jahrhunderten oder in einigen Fällen auch Jahrtausenden von ihnen ökonomisch abhängig geworden zu sein. Es gab viele Stadien der „Halbdomestikation” und allmähliche Veränderungen in den Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Landwirtschaft ersetzte die Nahrungssuche nur schrittweise, und in vielen Teilen der Welt hielten sich Jagen, Fischen und Sammeln bis heute. Es ist daher schwer möglich zu sagen, wann die Domestikation einer bestimmten Art begann. Deshalb kann auch der „Entstehungszeitpunkt” der Landwirtschaft nicht genau festgelegt werden.

Den Sammlern und Jägern dürften einige Grundregeln von Ackerbau und Viehzucht schon vor Beginn der Landwirtschaft bekannt gewesen sein. So haben sie vermutlich gewusst, dass Pflanzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gepflanzt wurden, später Früchte trugen, die man ernten konnte – und dieses Wissen dürften sie gelegentlich genutzt haben. Aber bei einer vorwiegend nomadischen Lebensweise waren sie nicht an sesshaftes Leben oder die ganzjährige Pflege von Feldfrüchten gebunden.

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Tiere

Frei lebende Pflanzenfresser sind leicht zu beherrschen, und da die Sammler und Jäger das Verhalten praktisch aller größeren Tiere gekannt haben dürften, waren sie sicherlich in der Lage, Huftiere zu kontrollieren oder sogar in Gehegen zu halten. Es gibt einige wenige Anzeichen dafür, dass bereits während der Eiszeit Tiere gehalten wurden. Dazu gehören 14 000 Jahre alte Darstellungen aus Frankreich, die Gegenstände zeigen, die dem Zaumzeug von Pferden ähneln. Als sicher gilt, dass spätestens zu dieser Zeit der Hund in Eurasien zum Begleiter des Menschen wurde, diesem Gesellschaft leistete, ihn schützte und ihm bei der Jagd half.

Vor etwa 10 000 Jahren gehörten in den Ländern des Mittleren Ostens vermutlich Schafe und Ziegen zu den ersten Haustieren. Als Fleischproduzenten ersetzten sie zum Teil Gazellen, die dort über lange Zeit gejagt und vielleicht sogar in Herden gehalten wurden. Schafe und Ziegen wurden vermutlich deshalb ausgewählt, weil sie sich von verschiedensten Pflanzen ernähren und so mehr Tiere pro Fläche gehalten werden konnten. Im Verlauf des Neolithikums, der Jungsteinzeit, wurden sie dann allmählich auch in Europa und entlang der Mittelmeerküste als Haustiere gezüchtet. Vor rund 9 000 Jahren wurden in Europa erstmals Schweine domestiziert. Das vom Wildschwein abstammende Hausschwein wurde bald in ganz Eurasien gehalten.

Neuere Untersuchungen der DNA (siehe Nucleinsäuren) heutiger Rinder dreier Kontinente haben die Vorstellung widerlegt, dass ihre Domestikation von nur einem Zentrum (im Nahen Osten) ausging. Stattdessen haben Biologen Belege dafür gefunden, dass der Übergang vom Wildrind zum Hausrind an mindestens zwei verschiedenen Orten stattgefunden haben muss. Da die genetischen Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen größer sind, als sie bei einem gemeinsamen Vorfahren vor 10 000 Jahren sein dürften, müssen Hausrinder durch die Domestikation verschiedener Wildrindrassen entstanden sein. Vorfahren der europäischen Hausrinder waren vermutlich in Vorderasien lebende Auerochsen, heute als Haustiere gehaltene Zebus stammen wahrscheinlich von einer indischen Form des Auerochsen ab.

Schafe, Ziegen und Rinder wurden ursprünglich als Fleischproduzenten gehalten. Die Bedeutung von Milch und Wolle wuchs erst später, als mit der Zucht spezieller Rassen begonnen wurde. Man vermutet, dass es in einigen Regionen der Alten Welt um etwa 3500 v. Chr. einen deutlichen Wechsel zwischen der Primärnutzung von Fleisch und Fellen und einer Sekundärnutzung – die auch Milch, Käse, Wolle sowie die Nutzung als Lasttiere einschloss – gegeben haben könnte. Archäologische Funde belegen dies durch Schnitzereien und Reliefs auf mesopotamischen Siegeln. Auf diesen sind Szenen mit pflügenden und melkenden Menschen dargestellt, außerdem Karren, von denen man annimmt, dass sie von Ochsen gezogen wurden. Dieser Wandel wird (wie auch die Entstehung der Landwirtschaft) auf Bevölkerungswachstum und nachfolgende territoriale Ausbreitung des Menschen zurückgeführt. Die Besiedelung abgelegener Landstriche wurde vermutlich vor allem durch eine stärkere Nutzung der Viehbestände möglich. In Mitteleuropa fand man bei Ausgrabungen alter Siedlungen Rinderknochen sowie getöpferte Siebe, die bei der Käseherstellung benutzt worden sein könnten. Dies lässt vermuten, dass hier bereits 5400 v. Chr. Milchviehhaltung betrieben wurde. Auch Hühner wurden schon sehr früh gezüchtet.

In der Neuen Welt gab es weniger zur Domestikation geeignete Arten, doch wurden Lamas und Alpakas bereits 5400 v. Chr. als Nahrungs- und Fellproduzenten, aber auch als Packtiere gehalten. Meerschweinchen wurden in Südamerika wegen ihres Fleisches gezüchtet. Es gab Truthühner in Mexiko und Hunde, die in der Neuen Welt ebenso früh gehalten wurden wie in der Alten Welt, aber in Amerika vorwiegend wegen ihres Fleisches.

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Pflanzen

Gegen Ende der letzten Eiszeit wuchsen einige großsamige Grasarten im Hügelland des Nahen Ostens. Sie waren die Vorfahren der heute dort und in ganz Europa verbreiteten Getreidearten. In der Ausgrabungsstätte Ohalo II am See Tiberias in Israel wurden die verkohlten Überreste Hunderter von Körnern wilden Weizens und wilder Gerste entdeckt, die aus der Zeit von vor etwa 19 000 Jahren stammen. Aber auch viele andere Pflanzen, etwa Hülsenfrüchtler wie Erbsen und Linsen, und Früchte sowie eine Anhäufung tierischer Überreste wurden dort gefunden: Dies weist auf eine breit gefächerte Kultur mit Fischerei, Jagd und Sammeltätigkeit hin. Die ersten Anzeichen für die Verarbeitung von Getreide sind jedoch bereits rund 23 000 Jahre alt: Auf dieses Alter wurde ein in Ohalo II gefundener Mahlstein mit Resten von Gerstenkörnern datiert (Nature, 2004).

Die frühe Erntetätigkeit entwickelte sich schrittweise zum gezielten Pflanzenanbau. Funde im syrischen Tell Abu Hureyra, in Jericho und im restlichen Jordantal belegen den Anbau von Getreide und Hülsenfrüchtlern am Ende der Natufian-Kultur (vor 12 500 bis 10 000 Jahren), was durch kleinste Restsubstanzen an Steinwerkzeugen bestätigt wird. Die Sammler und Jäger wurden verstärkt von diesen nährstoffreichen, leicht zu lagernden Körnern abhängig und ernteten sie mit Messern aus Feuerstein, um sie dann zu Mehl zu vermahlen. Wahrscheinlich verstreuten sie Samen, um die Häufigkeit oder Dichte der Pflanzen zu erhöhen, und säten sie später auch außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes aus. Vor etwa 10 000 Jahren waren domestizierte Formen entwickelt, die größere Körner und festere Ähren aufwiesen, die nicht zur Reifezeit zerbrachen und so die wertvollen Samen nicht schon vor dem Dreschen freisetzten. Feigenbäume wurden im Westjordanland offenbar bereits vor 11 400 Jahren kultiviert (Science, 2006).

Im Niltal wurden 11 000 bis 18 000 Jahre alte Mahlsteine und Sichelklingen gefunden. Auch dort wurden also schon sehr früh Pflanzen gesammelt und weiterverarbeitet. Ölbäume wurden vermutlich vor 8 000 Jahren zur Gewinnung von Oliven kultiviert; sie entwickelten sich zur wichtigsten Nutzpflanze des Mittelmeerraumes. In Nordafrika wurden einheimische Arten wie Mohrenhirse und Hirse angebaut. Hier liegen Zeugnisse aus der Zeit von etwa 6000 v. Chr. vor (allerdings ist nicht geklärt, wo diese Pflanzen ursprünglich domestiziert wurden). Etwa zur gleichen Zeit wurden aus dem Nahen Osten Weizen und Gerste eingeführt, die sich, begünstigt durch den zunehmenden Einsatz des Pfluges, im Niltal ausbreiteten. Bis in die Tropen gelangten sie allerdings nicht; dort wurden Knollenpflanzen und Obstgehölze angebaut.

Reis, Hirse und andere Getreide sowie Wurzelgemüse wurden in Süd- und Ostasien kultiviert. In China wurden am Jangtsekiang Zeugnisse für Reisanbau vor 11 500 Jahren gefunden; die Datierung gelang mit Hilfe der Radiokarbonmethode (siehe Verfahren zur Altersbestimmung): Untersucht wurde das Alter von Pflanzenresten und Reisabdrücken in Tontöpfen. Es ist sehr schwer, zwischen Kultur- und Wildreis zu unterscheiden, doch scheint es in Südchina bereits vor 7 000 Jahren auch Nassanbau von Reis gegeben zu haben. Das deutet darauf hin, dass die Domestikation wahrscheinlich wesentlich früher eingesetzt hat. Etwa vor 5 000 Jahren war Reis auch in Nordchina verbreitet, es dauerte aber weitere 1 000 Jahre, bis er auch Korea und Japan erreicht hatte. Vor 7 000 bis 8 500 Jahren wurden in Nordchina Hirse und Kohl geerntet. Unabhängig von den Anbaugebieten im Nahen Osten könnte in China vor etwa 4 000 Jahren Gerste gezüchtet worden sein, deren Kultivierung sich dann ebenfalls in den folgenden 1 000 Jahren bis Korea und Japan ausbreitete.

Aufgrund von Pollenanalysen und weiteren botanischen Anhaltspunkten vermutet man, dass die Kultivierung von Mais vor über 8 000 Jahren in Mittelamerika begann. Dass Mais in der Neuen Welt angebaut wurde, ist allerdings erst aus der Zeit vor 6 300 Jahren belegt (durch den archäologischen Fund eines Rundbrotes in den südmexikanischen Oaxaca-Höhlen). Eines der altmexikanischen Anbaugebiete war das Tehuacán-Tal, wo mehr als 100 Pflanzenarten, u. a. Mais, Bohnen, Kürbisse, Kartoffeln, Tomaten, Maniok und Baumwolle, von den dort ansässigen Indianerstämmen gezogen wurden. Maiskolben aus jener Zeit waren klein, wurden aber in der Folgezeit durch gezielte Auslese immer größer. Avocados, Kartoffeln, Paprika, Bohnen und Kürbisgewächse wurden wahrscheinlich schon vor dem Mais angebaut – einige vielleicht bereits vor 10 000 Jahren. Sie spielen aber in der menschlichen Ernährung erst später eine wichtigere Rolle.

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