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Aborigines

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Didjeridu der AboriginesDidjeridu der Aborigines
Artikelgliederung
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Einleitung

Aborigines (englisch; nach lateinisch Aborigines: Urbewohner), zusammenfassende Bezeichnung für die Einwohner Australiens, die auf dem Kontinent bei Ankunft der Europäer lebten.

Von den heute etwa 450 000 bis 500 000 Aborigines leben nur noch wenige in traditionellen Gruppen, so dass die überlieferte Kultur der Aborigines vom Aussterben bedroht ist. Die traditionelle Kultur wird vom Glauben an eine mythische Vorvergangenheit, die Traumzeit, geprägt, die das Alltagsleben bestimmt und in Kulthandlungen, Sitten und Bräuchen tradiert wurde. Kultgegenstände, die so genannten Tjuringas, verkörpern die Schaffenskraft mythischer Vorfahren; diffizile Verwandtschaftsbeziehungen und -strukturen regeln das tägliche Miteinander; Clans leiten ihre Herkunft von einem Totem ab. Oberste Entscheidungsinstanz ist ein Rat, der aus den Ältesten des jeweiligen Verbandes besteht.

Tanz, Musik und Malerei sind feste Bestandteile der Kultur. Für die Verzierung ihrer Gebrauchsgegenstände (Taschen, Speere etc.) verwenden die Aborigines nur Erdfarben, vor allem Ockertöne. Für Kulthandlungen wird neben den Tjuringas auch Körperschmuck gefertigt und es werden Bodenbilder aus Sand und Federn hergestellt. Felsenbilder illustrieren die Vorstellung der Aborigines von ihrer mythischen Herkunft.

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Vorgeschichte

Nach neueren archäologischen Erkenntnissen reichen die Wurzeln der Aborigines-Kultur in Australien mehr als 40 000 Jahre zurück, manche Forscher gehen sogar von 60 000 Jahren aus. In einer oder mehreren Einwanderungswellen erreichten die Aborigines das australische Festland von Indonesien und/oder China aus. Der Bumerang und der Wurfspeer wurden vermutlich vor etwa 10 000 Jahren erfunden. Die Weiterentwicklung der Holzwerkzeuge und anderer inzwischen „untergegangener” Kulturgegenstände (z. B. Kopfschmuck) lässt sich anhand von Felsbildern rekonstruieren. Die Aborigines nutzten Stein und Holz, aber keine Metalle.

In verschiedenen Regionen Australiens haben sich Felszeichnungen erhalten: Angefangen von stilisierten und symbolischen Einritzungen bis hin zu farbigen Figurendarstellungen im so genannten Röntgenstil, also mit sichtbarem Skelett (im Norden) bzw. lebendigen Jagdszenen (im Osten und Westen). Andere Funde belegen einen Wandel in den Begräbnisritualen bzw. im Ernährungsverhalten.

Ursprünglich gehörten die Bewohner des Kontinents ungefähr 500 ethnischen Gruppen mit mehr als 250 verschiedenen Sprachen an, von denen heute nur noch rund 50 existieren. Die Tradierung von Liedern, Geschichten, Tänzen, Zeremonien, Bildern bzw. Träumen der eigenen Vorgeschichte erfolgte nach komplexen Regeln. Mit den Bewohnern der Inselgruppen in der Torresstraße trieben die Aborigines regen Handel. Durch archäologische Funde ist nachgewiesen worden, dass die Bevölkerung vor etwa 2 000 Jahren stark angewachsen ist; neue effektivere Methoden zur Nutzung der natürlichen Ressourcen wurden eingeführt, und es kam zum Austausch von Gütern über immer weitere Entfernungen. Vom Nordosten her erreichten mit Kanus melanesische Gruppen Australien, die sich vor allem auf der Kap-York-Halbinsel ansiedelten. Die Melanesier führten unterschiedliche Waren, darunter verbesserte Fischereigeräte und Trommeln, aber auch Lieder und Traumgeschichten mit sich. Aus dem Nordwesten kamen die ersten seetüchtigen Segelschiffe, deren Besatzung aus indonesischen Fischern bestand. Diese tauschten Tabak, Eisen und Glas gegen das Recht, in den Territorien der Aborigines zu fischen. Die Kontakte mit Fischern fanden auf den Kunstwerken der Aborigines ihren Niederschlag.

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Kultur

Die üppige Vegetation der Nord- und Ostküste Australiens ermöglichte eine relativ hohe Bevölkerungsdichte, während in den Wüstengebieten Zentralaustraliens die Streifgebiete der jeweiligen Gruppen sehr groß sein mussten, um durch Sammeln und Jagen die Ernährung sicherstellen zu können. Diese Gruppen benutzten häufig nur Windschirme als Unterschlupf. Wie bei nomadisierenden Gruppen üblich, war der materielle Besitz auf das Allernotwendigste reduziert. Geräte waren so konstruiert, dass sie für unterschiedliche Aufgaben benutzt werden konnten.

Die Wanderungen der Aborigines dienten aber nicht ausschließlich dem Nahrungserwerb. Auf ihren Traumpfaden besuchen sie die Orte, die ihre mythischen Vorfahren (siehe Kosmogonien) schufen, um die ordnungslose Welt zu strukturieren und zu gestalten. Bis heute sind diese Orte für die Aborigines heilige Stätten, Beweise der Existenz der Vorfahren und damit für die Ordnung der Welt. Im Weltbild der Aborigines markieren einzelne geographische Punkte historisch-mythische Ereignisse. Durch den Besuch und das damit verbundene Ritual, häufig wurde lediglich ein totemistisches Bild in den Sand gezeichnet, vergegenwärtigen sie sich ihre Geschichte und bewahren so ihre Kultur. Das ganze Land ist mit den Traumpfaden, den Wanderwegen aus der Traumzeit, ihrer mythischen Vorzeit, überzogen. Auf diesen Wanderungen trafen unterschiedliche, oft weit voneinander entfernt lebende Gruppen aufeinander und vergegenwärtigten gemeinsam ganze Mythenzyklen durch dramatische Aufführungen. So stand das mythische, aber auch das in diese Mythologie eingewebte praktische Wissen der Aborigines in einem direkten Zusammenhang mit den sakralen Wegen und Orten. Eine einzelne Gruppe konnte nicht allein an die reichhaltige Mythologie erinnern und sie erhalten, der geographische Zusammenhang war identisch mit dem kulturellen. Die zeremoniellen Zusammenkünfte, die überall auf dem australischen Kontinent stattfanden, dienten aber auch dem Informations- und Warenaustausch. Dabei wurden auch Hochzeiten arrangiert und Streitigkeiten beigelegt.

Da die Aborigines keine Schrift entwickelten, war die mündliche Überlieferung (z. B. durch Tänze) von großer Bedeutung. Diese Rituale vermittelten Lebensregeln, Schöpfungsmythen und wichtige Ereignisse von einer Generation zur nächsten.

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Geschichtliche Entwicklung seit dem Eintreffen der Europäer

Ende des 18. Jahrhunderts begannen europäische Siedler, das Land zu kolonisieren. Eigentum an Grund und Boden war den Aborigines völlig unbekannt; die weißen Invasoren – Siedler, Goldsucher und Viehzüchter – aber brachten zunehmend Land in ihren Besitz und schränkten so die Streifgebiete der Aborigines mehr und mehr ein. Die Aborigines wurden gewaltsam immer weiter in unwirtliche Gebiete abgedrängt, so dass sich ihre Lebensbedingungen permanent verschlechterten. Ein lang andauernder Prozess der Ghettoisierung setzte ein. Als die Aborigines begannen, sich gegen diese Landnahme zu wehren, setzten die Kolonisatoren zu einem Völkermord an den Erstbewohnern des Landes an. Auf Aborigines wurden regelrechte Jagden veranstaltet, sie wurden vergiftet und dem Verhungern preisgegeben. Die Überlebenden wurden unterworfen, zwangsassimiliert oder mussten am Rand europäischer Siedlungen und Missionsstationen leben, wo sie „zivilisiert” und missioniert wurden. Andere wurden zur Arbeit auf den Farmen gezwungen. Viele Aborigines starben durch eingeschleppte Krankheiten oder erlagen dem Alkohol. Darüber hinaus zerstörten nach Australien importierte Tiere (Kaninchen, Schafe, Rinder etc.) die ursprüngliche Vegetation und damit die natürliche Umgebung der Aborigines. Die Zahl der für das Jahr 1788, den Beginn der europäischen Kolonisation, geschätzten 300 000 bis eine Million Aborigines ging beständig zurück; 1830 waren es bereits nur noch 80 000. Ideologisch legitimiert wurde die Unterwerfung und Ausrottung der Ureinwohner durch rassistische bzw. sozialdarwinistische Theorien.

1918 führte die australische Regierung ein Gesetz ein, das es erlaubte, Kinder von Ureinwohnern von ihren Müttern zu trennen und sie in weiße Pflegefamilien oder Missionsstationen zu geben, um, wie es hieß, die „Zukunftsaussichten der Kinder zu verbessern”, tatsächlich aber eher, um die Kultur der Aborigines zu vernichten. Mischlinge waren von diesem Gesetz besonders betroffen. Bis in die siebziger Jahre wurden schätzungsweise 100 000 Kinder dieser „gestohlenen Generation” aus ihren Familien gerissen und in ihrer neuen Umgebung nicht selten ausgebeutet und misshandelt. Auch als Arbeitskräfte wurden die Aborigines diskriminiert; wenn sie überhaupt Arbeit fanden, dann allenfalls als Viehtreiber, Hilfs- oder Farmarbeiter. Sie durften ihre Sprache nicht mehr sprechen, ihre Zeremonien und Gebräuche wurden verboten. Auch war ihnen der Kontakt untereinander untersagt. Familien wurden auseinandergerissen, Kinder in Schlafsälen zusammengelegt oder zur Adoption freigegeben. In manchen Regionen allerdings waren zeremonieller Zusammenkünfte weiterhin erlaubt. In sämtlichen Gebieten aber wurden die Wanderbewegungen der Aborigines kontrolliert. Die einzelnen Gruppen waren isoliert wie nie zuvor. Zur physischen Vernichtung kam so die Zerstörung der kulturellen Identität, denn ohne Zugang zu den sakralen Orten der Traumzeit-Mythologie erstirbt das traditionell auf ständige Erneuerung im Ritus angelegte Weltbild der Aborigines, ohne dass es durch ein vergleichbares ersetzt werden kann. Katastrophale Folgen hatte auch der Abbau von Bodenschätzen (etwa Gold und Uranerz), durch den viele Kultstätten entweiht wurden. Insgesamt zeigen sich viele Parallelen zum Umgang mit Indianern in Nord- und Südamerika.

Durch die Europäisierung der Aborigines-Kultur kam es zu Akkulturationsphänomenen, etwa im Bereich der Musik. So wurde Gospel-, Country- oder Bluesmusik mit traditionellen musikalischen Elementen vermischt. In der bildenden Kunst kamen neue Materialien (etwa Acryl) und Verfahren selbst bei der Darstellung traditioneller Motive zum Einsatz.

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine Protestbewegung, die sich auf die kulturelle Identität der Aborigines beruft und seither versucht, die Diskriminierung der Aborigines zu bekämpfen. Die große Mehrheit der weißen Bevölkerung Australiens verdrängte oder rechtfertigte allerdings die Ausrottung der Ureinwohner.

1967 wurde erstmals die Gleichstellung aller Australier beschlossen und den Aborigines die vollen Bürgerrechte zuerkannt. 1985 wurde der Uluru-Nationalpark zurückgegeben. 1992 wurde anerkannt, dass die Aborigines begründete Landansprüche geltend machen können, womit ihre Ansprüche als Erstbewohner des Kontinents offiziell anerkannt wurden. Zuvor galt ein Großteil des Landes als terra nullius (Niemandsland). Durch den Native Title Act aus dem Jahr 1993 sind Ausgleichszahlungen für Gruppen vorgesehen, die keine Landansprüche geltend machen konnten (siehe Australien: Landrechte der Aborigines). Auch sollte eine neue Sozialgesetzgebung die Benachteiligung der Aborigines durch Wohnungs- und Erziehungsprogramme beseitigen.

1996 kürzte die australische Regierung die Mittel für den Dachverband der Aborigines (Aboriginal and Torres Strait Islander Commission, ATSIC) drastisch, was die Schließung zahlreicher Einrichtungen für Aborigines zur Folge hatte; Bürgerrechtler sprechen in diesem Zusammenhang von „institutionalisiertem Mord”. 1998 erließ die australische Regierung auf Drängen von Landpächtern ein Gesetz, das den Aborigines das Recht nahm, Pachtland (rund 45 Prozent des australischen Staatsgebiets) zur Jagd, zur Wassersuche und zum Besuch ihrer heiligen Stätten zu durchqueren.

In einem Schlüsselurteil wies das australische Bundesgericht 2000 die Kompensationsforderungen zweier Aborigines der „verlorenen Generation” zurück. Sie hatten eine Entschädigung für das ihnen zugefügte Leid durch die Trennung von ihrer Familie gefordert. Ein seit langem geplanter Versöhnungsvertrag zwischen der Regierung und den Ureinwohnern kam bis 2000 nicht zustande. Das war ein Rückschlag für die Aborigines, die im Olympiajahr 2000 einen deutlichen Fortschritt für ihre kulturelle Anerkennung erwarteten. Erst 2008 entschuldigte sich die Regierung – inzwischen eine Labor-Regierung; die mehr als elf Jahre regierende National Party hatte jegliche Entschuldigung verweigert – offiziell bei der „gestohlenen Generation” für das ihr angetane Leid und Unrecht sowie „für die Erniedrigung und Herabsetzung, die einem stolzen Volk und einer stolzen Kultur zugefügt wurden”. Entschädigungszahlungen, wie sie der Bundesstaat Tasmanien 2008 an die „gestohlene Generation” leistete, wollte die Regierung mit der Entschuldigung allerdings nicht verbunden wissen; sie sagte jedoch eine Verbesserung der Lebensbedingungen, der Schulbildung und der medizinischen Versorgung der Aborigines zu.

Die Inhaftierungsrate ist bei Aborigines 27-mal, die Arbeitslosenquote sechsmal höher als bei anderen australischen Bürgern. Die Lebenserwartung ist deutlich geringer als im Landesdurchschnitt. Aborigines machen heute nur noch rund 2,5 Prozent der australischen Bevölkerung aus.

Siehe auch Kunst der Aborigines

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