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Windows Live® Suchergebnisse EndemismusEnzyklopädieartikel
Endemismus (griechisch endémos: einheimisch), in der Biologie verwendeter Begriff für das Vorkommen bestimmter Lebewesen in einem begrenzten Gebiet; Arten, auf die dieses Merkmal zutrifft, bezeichnet man als endemische Arten oder Endemiten. Im Gegensatz dazu sind die Kosmopoliten weltweit verbreitet. Die Ursachen für Endemismus sind entweder ein von der Umgebung abgeschlossenes Vorkommensgebiet oder fehlende Ausbreitungsfähigkeit der Arten. Meist ist das Gebiet, auf das sich der Endemismus bezieht, eine Art Insel, doch kann diese ganz unterschiedliche Ausdehnung haben: Eine bestimmte Spezies kann nur auf einer einzigen Bergspitze, in einem ganzen Gebirgszug oder einem Flusssystem vorkommen, auf einer einzigen Insel oder aber auf einem ganzen Kontinent. Im Allgemeinen gilt der Begriff für Arten, doch er kann sich auch auf Unterarten, Gattungen, Familien oder andere Klassifikationsebenen (siehe Systematik) beziehen; dies hängt von der Betrachtungsweise ab. Gebiete mit ausgeprägtem Endemismus, d. h. mit einer großen Anzahl endemischer Arten, sind für den Naturschutz von erheblicher Bedeutung, denn der Verlust (die Zerstörung) oder die grundlegende Veränderung solcher Gebiete wird das Aussterben einer beträchtlichen Anzahl von Arten zur Folge haben. Endemismus ist das Resultat einer Kombinationswirkung von Evolution und geographischer Isolation. Wenn eine Tier-, Pilz- oder Pflanzenpopulation (siehe Populationsbiologie) – prinzipiell gibt es auch Endemiten unter den Mikroorganismen, doch werden diese nur selten daraufhin untersucht – über längere Zeit von anderen Populationen der gleichen Art isoliert ist, durchläuft sie eine unterschiedliche evolutionäre Entwicklung aufgrund der andersartigen Umweltbedingungen auf der „Insel” ihres Vorkommens. Dauert die räumliche Trennung lange genug an und sind die Möglichkeiten der genetischen Veränderung dieses Organismus ausreichend groß, kann diese Entwicklung schließlich zur Herausbildung einer neuen Art führen, die sich mit den anderen Populationen der ursprünglichen Art nicht mehr fortpflanzen kann. Ein Beispiel für eine solche Situation bzw. eine räumliche Trennung liegt etwa dann vor, wenn im Ozean eine neue (auch künstliche) Insel auftaucht, die von den umliegenden Gebieten her besiedelt wird. Solche Ereignisse können aber auch eintreten, wenn ein ehemals gleichförmiger und zusammenhängender Lebensraum durch langfristige klimatische oder geologische Veränderungen zerteilt wird. Beispiele sind die Gebirgsbildung, die ein Flusssystem verändert und zerschneidet, die Entstehung eines neuen Vulkans oder auch eine allmähliche klimatisch bedingte Austrocknung, die ein ehemals geschlossenes Waldgebiet auf mehrere kleine Waldinseln reduziert. Endemismus tritt aufgrund von Barrieren auf, die eine natürliche Ausbreitung der betreffenden Arten verhindern und nicht einfach überwunden werden können. Was Barrieren sind, hängt von der jeweiligen Art ab, ihren Anpassungen an die Lebensbedingungen und ihrer Ausbreitungsfähigkeit. Gebiete mit sauren Böden verhindern die Ausbreitung von Pflanzen, die sich dem Kalkgestein angepasst haben, während trockene Landstriche Barrieren für die in Feuchtwäldern und -wiesen lebenden Arten sind. Im Allgemeinen gilt: Je länger ein Gebiet von anderen ähnlichen Lebensräumen isoliert war, desto höher ist der Anteil der dort endemischen Arten. Geologisch alte Inseln wie Madagaskar und Neuseeland oder auch die entlegenen ozeanischen Hawaii-Inseln und Galápagos-Inseln weisen einen hohen Grad an Endemismus unter den dort an Land lebenden Arten auf. Auf den Kanarischen Inseln gibt es zahlreiche endemische Pflanzenarten. Man bezeichnet die bislang beschriebene Art von Endemismus als progressiven Endemismus oder Entstehungsendemismus. Ein regressiver Endemismus oder Reliktendemismus liegt dagegen vor, wenn das Areal einer früher weiter verbreiteten Art stark geschrumpft ist; dies trifft beispielsweise auf den Ginkgobaum zu, der heute nur noch in Westchina wild vorkommt. Der geographische Verbreitungsraum von Tieren und Pflanzen verändert sich im Allgemeinen im Laufe der Zeit, so dass Endemismus kein starrer Zustand ist. Der Mensch und seine Einwirkung auf die Natur stellen in der heutigen Zeit jedoch unzweifelhaft den bedeutendsten Faktor dar, der die Verbreitung der Arten beeinflusst. Biologen ziehen bei der Beurteilung des Endemismus jedoch gewöhnlich den ursprünglichen, natürlichen Verbreitungsraum der jeweiligen Art heran. So wird das Madagaskar-Immergrün Catharanthus roseus auf der Insel als endemische Art betrachtet, obwohl es heute in weiten Teilen der Tropen durch Kultivierung heimisch gemacht wurde.
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